Liveberichte und Fotos von Rallys und Events






Aktuelle Nachrichten 4x4, Offroad, Rally






Teams, Fahrzeuge, Links, Downloads...






Das Fotoarchiv zum Ansehen und Bestellen
























Ein Erlebnisbericht von Jörg Sand

Die 2. Baja Deutschland im Juni diesen Jahres sollte für mich eine ganz besondere Rally werden: Erstmals durfte ich die Rally nicht als Zuschauer an der Strecke, sondern als Teilnehmer auf dem Beifahrersitz verbringen.

Bereits zwei Wochen vor der Rally begannen meine Vorbereitungen mit der Teilnahme an einem Lehrgang zum Erwerb der internationalen F.I.A. Motorsportlizenz. Das bedeutete zwei Tage nüchterne Theorie, einen Tag medizinische Untersuchungen, einen Antrag beim ADAC - und schon war ich im Besitz des begehrten Formulares. Mein Freund Oliver Koepp vom Münchener "Americanos" Team, mit dem ich bereits einige Trophys gefahren bin, hatte mich gefragt, ob ich mit ihm an der Baja Deutschland teilnehmen wolle. Ich musste nicht lange überlegen und sagte spontan zu. Das mächtige Einsatzfahrzeug war zudem verlockend: Ein Mercedes G500, aufgebaut von ORC Exklusiv und getunt vom AMG-Spezialisten MKB. Da sollte was gehen.



Oliver bei der technischen Abnahme...



...und ich beim Üben der Siegerpose

Wir rechneten damit, bei einem guten Rallyverlauf in die Top Ten fahren zu können. Dabei waren die Rahmenbedingungen alles Andere als vielversprechend. Zugegeben, das Rallyauto selbst war die beste Grundlage. Doch nach einer Panne unseres Servicefahrzeuges musste dieses in unser Basislager nach Bayern umkehren - uns blieb ein eilig organisierter Mitsubishi Pajero zum Transport des Fahrzeuges, des Gepäcks und der Teilnehmer. Ein wenig Werkzeug, nur die nötigsten Ersatzteile und unser Servicemechaniker Klaus Krüger waren schliesslich unser einziges Rezept für einen eventuellen Ernstfall.



Das Rezept: Stetes Einprägen des Roadbooks

Das Starterfeld war wirklich hochkarätig. Zwei BMW X-Raid X5, zwei VW Tarek, zwei britische Bowler und ein Werks-Mitsubishi Pajero - damit traten sieben Profiteams gegen 20 Amateurteams an.

Nach der technischen Abnahme, die wir ohne Probleme überstanden, ging es auf den vier Kilometer langen Prolog in einem Motocross-Rundkurs in der Nähe von Bautzen. Wir liessen es etwas ruhiger angehen und freuten uns schliesslich über einen 11. Platz hinter dem Landrover des Kölners Amadeus Matzker.



Ganzkörpermassage: Ein ständiges Auf...



...und ab sorgte für viele blaue Flecke

Am Samstag morgen ging es dann endlich in die lang erwartete erste Etappe - jetzt hatte die Baja Deutschland erst richtig begonnen. Was es wirklich bedeutet, Beifahrer in einem schnellen Auto zu sein, merkte ich spätestens jetzt. Auf der von allgemeiner Orientierungslosigkeit geprägten Etappe war die Navigation dann doch das kleinere Übel. Vielmehr hatte ich damit zu kämpfen, mich einigermassen festzuhalten - und nicht an die Kotztüte (man entschuldige mir den Ausdruck) mit dem blauen Kranich zu denken, die ich zur Sicherheit von meinem letzten Lufthansa-Flug mitgenommen hatte. Doch zum Gebrauch kam es glücklicherweise nicht mehr. Ich behielt mein Essen bei mir und wir erreichten den 10. Platz.



Olivers Mercedes G mit Tempo unterwegs



Hatte gut lachen: Mechaniker Klaus Krueger

Auf der schnell folgenden 260 Kilometer langen zweiten Etappe ging es in eine abwechslungsreiches Gelände quer durch einen Braunkohle-Tagebau bei Senftenberg. Für die meisten Teilnehmer stellte diese Etappe die schwierigsten Aufgaben an die Navigation. Mitten im Gelände begegneten sich die Fahrzeuge auf einmal, selbst auf Motorradfahrer sollten wir noch treffen. Für die Zuschauer ein Riesen-Gaudi, für viele Beifahrer und Fahrer eine erste Nervenprobe. Nun ja, nicht für Alle. Bereits die letzte Berlin-Breslau Rally startete in genau diesem Gelände - und so durfte sich glücklich schätzen, wer, wie mein Fahrer Oliver, daran teilgenommen hatte und nun den Tagebau bestens kannte. Das zeigte sich auch am Ende der Etappe: Als Siebtplatzierte kamen wir schliesslich mit durch den Staub schwarz gefärbten Gesichtern ins Ziel.

Die dritte 114 Kilometer lange Etappe war identisch mit der Ersten. Jetzt spielte die Orientierung keine grosse Rolle mehr und Oliver gab richtig Gas. Das Auto flog wild durch


die Kurven und ich staunte erneut, wie viele Schläge mein Körper vertragen kann. Trotz eines Abfluges in die Botanik erreichten wir schliesslich den 8. Platz. Und doch drohte das, was nicht kommen durfte: Den ganzen Tag schon kämpften wir mit Wassertemperatur und Batteriespannung. Nun, nach der letzten Etappe des Tages, durfte endlich Mechaniker Klaus seinen kurz geschorenen Kopf in den Motorraum stecken - und sein Talent unter Beweis stellen. Nach kurzer Zeit stellte er fest, das sich die Lichtmaschine losgerissen hatte. Ein Aus- und Einbau klärte das Problem, die Spannung stimmte wieder und auch der Elektrolüfter des Kühlers wurde wieder mit ausreichend Energie versorgt.



Der Tagebau - hart für Körper und Auto

Nach einer kurzen Nacht zogen auch wir in das zweite Camp bei Leipzig, das sich schliesslich als Hotelparkplatz heraus stellte. Ein wenig Smalltalk, ein wenig Schlaf. Da kamen die beiden jungen Damen am Sonntag morgen gerade recht: Fröhlich steckten beide schon um 07:30 Uhr ihren Kopf in unser Auto und überraschten uns mit einem eiskalten Red-Bull. Verleiht in diesem Zustand wirklich Flügel.

Die vierte, rund 160 Kilometer lange und enorm staubige Etappe fand in einem Tagebau südlich von Leipzig statt. Es galt, vier Runden á 40 Kilometer zu überstehen. Auf den ersten Blick ein einfaches Terrain, der Mix aus Sand, Grobschotter, Schlamm und Teerstrassen liess hohe Geschwindigkeiten zu. Doch die Pisten waren zum Teil nur 2,50 Meter breit und Waldpassagen entpuppten sich als urwaldähnliches Trophy-Gelände. Wir kämpften buchstäblich bis zum letzten Meter um jede Sekunde - das Feld war auch noch auf der vierten Etappe dicht zusammen. Doch unser Mercedes G500 lief wie ein Uhrwerk, ohne die leidigen Hitzeprobleme konnten wir endlich richtig angreifen.



Der Staub erwies sich als grösster Feind...

Der Landrover Defender von Amadeus Matzker lag auf einem sicheren 6. Platz weit vor uns. Hinter uns drohte ein gelber Mitsubishi Pajero aus Lettland, den wir schliesslich nur eine Runde lang in Schach halten konnten und vorbei ziehen lassen mussten. Die Letten hatten eigentlich 12 Minuten Rückstand und drohten nun, uns auf den 8. Platz zu verdrängen.



...und prägte nicht nur unsere Gesichter...



...sondern verdreckte die gesamte Kabine...



...dessen Sauberkeit meine Aufgabe war

Aufgrund einer Zeitstrafe, die wir auf der Verbindungsetappe nach Leipzig eingefangen hatten, mussten wir nach dem ORC Mercedes ML von Branco Krajnc starten - der ML startete 2 Minuten vor uns, wir hatten weitere 2,03 Minuten Rückstand. Wenn es uns gelingen würde, ihn zu überholen, hätten wir unseren Platz zurück. Mercedes gegen Mercedes. Beide Fahrzeuge aufgebaut von ORC, beide Motoren getunt von MKB. Beide Fahrzeuge mit Fox-Fahrwerk, der G mit Starrachsen, der ML mit Einzelradaufhängung. Das juckte Oliver, und er gab seinem G dermassen die Sporen, das wir den Konkurrenten bereits nach einer Runde eingeholt hatten. Zum Überholen war es jedoch zu staubig, wir kamen einfach nicht am lauten ML vorbei. Schliesslich half das Glück ein wenig nach: Urplötzlich hielt Krajnc seinen ML an, um die Elektronik neu zu starten. Das war unsere Chance. Wir zogen vorbei, verschafften uns Platz nach hinten und flogen mit 150 km/h knapp am Limit über bis zu 40 cm tiefen Schlaglöcher.



Oliver und ich im Interview mit Ralf Schmiera



Unser Stolz: Ein heiles Fahrzeug und Pokale

Wie spannend die letzte Etappe wirklich war, erfuhren wir im Anschluss im Ziel. Der führende Gregoire de Mevius musste seinen BMW X5 nach einem heftigen Schaden ins Ziel retten und verlor die Führung an seinen Teamkollegen Luc Alphand, der nun erstmals als Sieger auf einer Zielrampe parken durfte. Und der gelbe Pajero der Letten? Auch die waren in der letzten Runde der letzten Etappe mit einem technischen Defekt ausgefallen. Im Motorsport ist eben alles möglich.

Artikel: Jörg Sand
Fotos: marathonrally.com

Link: [ Americanos-Team ]

Link: [ KOS-Motorsport ]
Link: [ Baja-Deutschland ]



| NACH OBEN | REPORTAGE ÜBERSICHT | REPORTAGE ARCHIV |



Alle Tabellenstände des FIA Marathon Worldcup

Offroad Termine, auch zum selber eintragen

Reportagen und Blicke hinter die Team-Kulissen

Das Gemeinschaftsforum für Offroader und Fans

Ausgesuchte und geprüfte Links mit Screenshots

Technische Daten mit Bildern von Rallycars

Neuvorstellungen von interessanten Offroadern

Alle Informationen und Infos über marathonrally