
|
|
Bei der
Pharaonen Rally 2004 starteten auch drei einheimische Teams aus
Ägypten - trotz grossen Enthusiasmus sollte die Rally 2004
für alle drei ein frühes Ende bedeuten...
Eine Rally in Ägypten - dann sollten eigentlich
auch mehrere ägyptische Teams vertreten sein. Doch entgegen
der Vorjahre, in denen bis zu sieben Teams aus dem Gastgeberland
vertreten waren, sind es in diesem Jahr nur drei - und die mussten
die Rally bereits nach der 5. Etappe im Camp Siwa beenden. "Jahrelang
war die Pharaonen Rally perfekt für uns, wir hatten die
richtigen Fahrzeuge und kennen unser Land, die Wüste genau",
berichtet Amr Shannon, Pharaonen-Rally Urgestein aus der Nähe
von Kairo, "doch jetzt können wir nicht mehr mithalten".
 Alain Besancon,
Karim El Zanaty, Amr Shannon
 Amr sieht aus wie ein echter
Wüstenprofi: Lange, verwuselte Haare, das Gesicht gezeichnet
von Sonne und Staub, bekleidet mit einem weiten T-Shirt und einer
luftigen Bogybuilder-Hose. Er ist der Älteste der Truppe.
Eigentlich sieht er mehr aus wie ein europäischer Wüstenfreak.
Wenn auch nicht europäisch, eine Wüstenfreak sind er
und sein ägyptischer Kollege Karim El Zannaty allemal: "Wir
lieben die Wüste" berichtet der aus Luxor stammende
Karim, der widerum aussieht wie ein freundlicher Mathematiklehrer,
"jedes Wochenende und in unserer Freizeit treffen wir uns,
um gemeinsam durch die Dünen zu pflügen und Neues zu
entdecken". Neben ihm sitzt sein französisch/marrokanischer
Beifahrer Alain Besancon und nickt lächelnd.
 Azzan al
Faruqui unterwegs auf Etappe 2
 Die Teilnahme an der Pharaonen
Rally war ein langgehegter Traum von Karim. In diesem Jahr sollte
er Wirklichkeit werden: "Ich habe bereits 1993 bei Amr Shannon
im Service gearbeitet, ab dann war es mein grösster Wunsch,
einmal selbst teilzunehmen". Ohne Sponsoren und in kompletter,
jahrelang zusammengesparter Finanzierung baute er sich - ebenso
wie Amr Shannon und der dritte ägyptische Pilot Azzan Al
Faruqui, einen in Ägypten gebauten Jeep Cherokee zu einem
wüstentauglichen Rallyfahrzeug um.
 Karims weisser
Cherokee im Service
 Dennoch sollte es 2004 nicht
reichen. "Unsere Fahrzeuge sind ideal für die Wüste,
aber wir können mit den modernen Hightech-Fahrzeugen nicht
mehr mithalten" berichtet Amr. Obwohl technisch perfekt
ausgestattet entspricht der Vergleich der drei Jeep Cherokee
mit den hochgezüchteten Tecnosport-Nissan oder VW Tarek
eher dem eines deutschen Amateur-Rallyfahrzeuges zu einem Dakar-Fahrzeug.
Das wäre ansich kein Problem, doch die Veranstalter der
Pharaonen Rally haben sich der technischen Entwicklung angepasst
und die Maximal-Zeiten streng limitiert - so das den Jeep Cherokee
kaum eine Chance bleibt, die Etappen in der vorgeschriebenen
Zeit zu bewältigen.
Besonders
hart: Bis auf Azzan al Faruqui (er erwischte kurz vor Ende der
5. Etappe einen
|
|
falschen Dünenabhang
und zerstörte sein Fahrzeug in einem tiefen Sandloch) sind
alle ägyptischen Fahrer nicht aufgrund technischer Probleme,
sondern wegen Nichteinhaltung der Maximalzeit in vier Fällen
(danach erfolgt automatisch eine Disqualifikation) ausgeschieden.
 Amr Shannon
beim Start in Kairo
 "Aus diesem Grund wird
die Pharaonen Rally 2004 für mich auch die letzte sein"
ärgert sich Amr Shannon, "es sei denn, ich finde einen
Sponsor, der ein gleichwertiges Auto finanziert". Doch das
ist in Ägypten noch schwerer als in anderen Ländern,
stimmen alle drei Fahrer überein. "Wir alle finanzieren
unseren Rallyeinsatz grösstenteils selbst, unseren technischen
Service übernehmen Mitarbeiter vom Jeep-Werk in Ägypten,
die wir uns gemeinsam teilen."
 Endlose
Wüstenlandschaft auf Etappe 4
 Besonders schade: Gerade Amr
ist fast schon eine "Pharaonen-Legende". "An 13
Rallies habe ich bisher teilgenommen" berichtet er stolz.
In diesem Jahr ist er - trotz Begleitung seiner Ehefrau - mit
seinem im grün-schwarzen Zebralook lackierten Cherokee sogar
alleine gefahren. "Mir geht es nicht um den Sieg, sondern
ums Durchkommen". Dabei bleibt er bescheiden - schliesslich
hat er 1994 den vierten Platz in der Gesamtwertung erreicht,
1995 gewann er die Markenkategorie.
 Azzan al
Faruqui springt auf Etappe 3

 Grandiose
Kulisse beim Start in Kairo
 Auch Karim, zu Beginn der Rally
noch voller Enthusiasmus, schaut traurig auf seinen weissen,
191 PS starken Jeep, in dem fast sein ganzes Geld steckt. Mechaniker
schrauben unverdrossen an dem Fahrzeug. Gemeinsam sitzen alle
drei unter einem provisorisch aufgebauten Zelt, das zwischen
den Fahrzeugen gespannt ist, Amr Shannon lässt sich von
seiner Frau massieren.
Und doch
ändert sich die ein wenig bedrückende Stimmung schnell
wieder in echtes Rallyfeeling: "But it´s fun"
beginnt der langhaarige Amr zu lachen und schaut auf seine Kollegen.
Und irgendwie sieht man das Blitzen in den Augen Aller, das verrät,
das dies wohl doch nicht die letzte Pharaonen Rally für
die drei ägyptischen Teams bleiben wird.
Artikel & Fotos: H.Schekahn
|
|

|