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Marathonrally.com
setzte auf zwei völlig unterschiedlichen Rallys zwei völlig
unterschiedliche VW Touareg im Extrem-Einsatz ein. Mit einem
Serien R5 Turbodiesel auf der Berlin-Breslau - mit einem Expedition
auf der Dakar. Eine Reportage in zwei Teilen.
Im Rallytempo driftet der serienmässige
VW Touareg R5 aus dem Wald, geradeaus in ein kilometerweit offenes
Panzergelände mit tiefem Sand und noch tieferen Panzer-Bodenwellen.
Genau auf eine solche hält der Touareg zu, schlägt
hart ein um dann mit einem gewaltigen Sprung aus der Welle herauskatapultiert
zu werden. Die Umstehenden halten die Luft an. Mit einem harten
Schlag setzt der Wolfsburger wieder auf dem Boden auf, nicht
ohne sich dabei von ein paar Plastikteilen zu verabschieden.
 Eines der
dutzenden von Wasserlöchern

 Grenztest
mit dem Böschungswinkel
 Wir befinden uns auf der Abenteuerrally
Berlin-Breslau im Sommer 2004 auf der letzten Etappe in der polnischen
"Wüste" um den Ort Zagan. Ein Militärgelände,
von hunderten Panzern zerfurcht, frei von Bäumen, kilometerweit
nur tiefer Sand. Moment, ein Touareg auf der Berlin-Breslau?
Richtig - jedoch nicht als Teilnehmerfahrzeug, sondern als eines
von fünf Pressefahrzeugen, das die Volkswagen AG dem Veranstalter
zur Verfügung stellte.
Skeptisch
nähern sich die begleitenden Journalisten anfangs dem VW-SUV
mit Automatikschaltung. "Mit dem Ding sollen wir ins Gelände?
Hält der das aus?" fragen sich einige. Oder besser
jene, die die Rally nicht auf Asphalt, sondern auf der Rallystrecke
begleiten wollen. Zwischen den Teilnehmern, mit fast denselben
Hindernissen, mit fast demselben Speed. Ob Volkswagen mit solchen
Journalisten gerechnet hat?
 Völlig
verschlammter Touareg am Abend
 Auch marathonrally.com übernimmt
gemeinsam mit einem Redakteur der Zeitschrift Off-Road eines
der sillbernen Fahrzeuge. Eigentlich egal wer jeweils pilotiert,
der Touareg würde in jedem Fall hart rangenommen werden.
Nach Rücksprache mit den entsprechenden VW-Begleitern, ob
das denn so auch OK sei, bekommen wir nur als Antwort, wir mögen
uns nicht überschlagen und auch sonstige Kapitalschäden
vermeiden. Das klingt gut und wir starten in die Rally.
 Eines der
harmloseren Schlammlöcher
 Ein wenig mulmig ist uns schon,
als wir in den R5 Turbodiesel einsteigen. In Offroaderkreisen
ist der Touareg bis dato nicht gerade als Mercedes G oder Jeep
Cherokee Pendant bekannt, aber ebenso oder teils noch teurer.
Die angepeilte Zielgruppe fällt uns ein. Livestyle-Wohlhabende,
Anwälte, Zahnärzte oder Millionärs-Gattinnen.
Auch die noble Innenausstattung will nicht so ganz zur schlammigen
Berlin-Breslau passen. Also doch nicht ganz so hart rannehmen?
Schaun´mer mal.
 Presse-Touaregs
auf Beobachtungsposition
 Wir drehen den Zündschlüssel
um. Ein Klingeln und Bimmeln nervt aus allen Ecken, bloss wieder
ausmachen. Gurt nicht angelegt, Licht an und was weiss noch alles.
Das schreit geradezu nach einer Radikalkur - wo verflixt sind
die Sicherungen? Nach kurzer Suche werden wir fündig - und
entdecken mehr als 120 (!) der kleinen elektrischen Notaus-Elemente.
Willkommen im Touareg. Nach kurzer Rücksprache mit den VW-Verantwortlichen
ist das Klavierkonzert rapide minimiert, geht doch. Jetzt nur
noch das ESP ausgeschaltet und das ABS gekappt - doch halt, hier
stossen wir auf eine Hürde. Geht nicht, gesetzliche Vorschriften.
Naja, wagen wir es eben mit dem Anti-Blockiersystem.
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Machen wir
einen kleinen Zeitsprung. Die Rally ist fast vorbei, der Touareg
aussen von Schlamm und Dreck verkrustet, der Innenraum dank täglicher
Säuberungsaktionen immer noch verkaufsfreundlich. Dennoch
haben wir und ein Grossteil der Kollegen den Wolfsburger nicht
 Mit Rallygeschwindigkeit
auf Waldpfaden
 geschont.
Etliche Schlammlöcher musste der Touareg überstehen,
mindestens genausoviele Wasserdurchfahrten und einige heftige
Sprünge. Die Elektrik hat gehalten, das Auto selbst bis
auf einige Blessuren an Front und Unterbodenschutz ebenfalls.
Überraschend: Die vorher lauthalse
Kritik vieler Journalisten ist arg reduziert, statt "der
schafft höchstens ´nen Golfplatz" spricht man
jetzt über Details wie "naja, der vordere Böschungswinkel
ist ein wenig knapp". Eine Kehrtwendung in der Meinungswelt?
Könnte man fast meinen. Zumindest ist man sich einig, das
man dem Touareg wohl doch mehr zutrauen kann als erwartet. Vor
allem überraschen die vielen Offroad-Helferlein. Die Wolfsburger
haben an nahezu alles gedacht.
 Auf den
Spuren der Teilnehmer im Sand
 Dennoch eine kleine Schadensstatistik:
Fast alle Fahrzeuge haben keinen vorderen Unterbodenschutz (Kunsstoff)
mehr, viele haben sich die vordere Stosstange gestaucht. Ein
Kollege blieb mit komplett streikendem Fahrzeug auf der Strecke
stehen (manchmal muss man die Bremse vor dem Starten betätigen,
aber wer wusste das schon), ein Anderer liess den Schlüssel
stecken und war binnen kurzer Zeit dank des übertriebenen
Diebstahlschutzes ausgesperrt. Kleinigkeiten, zu denen wir auch
das genau im falschen Moment auftauchende Turboloch und die Leistungsreduzierung
bei Überhitzung beim Einstiegsmodell Touareg R5 addieren.
Kommen wir auf den Sprung in der
letzten Etappe zurück. Der war so nicht beabsichtigt, sah
aber zumindest spektakulär aus - und stellte die Luftfederung
auf eine harte Probe. Der Pilot hatte vor dem Eintauchen in die
Bodenwelle schlichtweg das ABS vergessen. Die Bremse wirkt so
im weichen Sand wie auf Eis, der Touareg schlug ergo nahezu ungebremst
in die Bodenwelle ein und katapultierte sich ebenso ungebremst
heraus. Die Luftfederung knallte laut - sollte sie eventuell
geplatzt sein? Nein, alles ok. Ein spontaner Anruf bei den mittlerweile
gut bekannten VW-Verantwortlichen soll Klarheit schaffen. Was
hält die Luftfederung eigentlich aus? "Wissen wir ehrlich
gesagt auch nicht". Aha.
 Schneller
Drift in der "Polnischen Sahara"

 Tiefere
Wasserdurchfahrt im dichten Wald
 Unterm Strich taugt der Touareg
also auch im harten Gelände mehr als sein Ruf. Etwas Elektronik
weniger hätte es auch getan, ein bisschen mehr "Hardcore"
könnte nicht schaden. Denn sind wir mal ehrlich - wer mit
dem Touareg so umgeht, wie das Milch-und-Kinder-organisierende
Pärchen aus der Fernsehwerbung hat bestimmt nicht lange
Freude mit seinem Fahrzeug. Aber der "echte" Offroader
ist schliesslich auch nicht die Zielgruppe...
 Umfahrung
eines tiefen Schlammloches
 ...oder doch? Nun hat Volkswagen-Tochter
"Individual" die Rufe der harten Zunft erhört
und mit dem Touareg "Expedition" aus dem "Zahnarzt-Touareg"
einen "Männer-Touareg" gemacht. Und mit dem sind
wir auf die Dakar gefahren. Doch mehr dazu in unserer zweiten
Touareg-Geschichte.
 Links zum Thema: [ www.breitengrad.com
] [ www.volkswagen.de
] [ BB04 Berichterstattung ]
Artikel: H.Schekahn Fotos: marathonrally.com
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