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Mit zwei Mitsubishi aus chinesischer Produktion wagten einige Deutsche eine Expedition ins Himalaya Gebiet. Hier nun Teil 2 der Reportage* von Hans Peter Hauer.

Halbzeit bei unserer Himalaya-Tour: Durch den malerischen Canyon von Sutlej verlassen wir das ehemalige Königreich Guge mit den Ruinen seiner imposanten Festungsstadt Tsaparang, deren beider Geschichte im 17. Jahrhundert durch einen Krieg mit seinen Nachbarn von Ladakh ein blutiges Ende fand. Der Canyon mit bizarren Schluchten und leuchtenden Türmen aus Sandstein gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften Chinas.

Nach dem Abstecher in die Geschichte von West-Tibet müssen wir von diesem Ende der Welt unweit der indischen Grenze erst einmal zurück zur Hauptverkehrsroute. Die Bergpiste klettert an den Rändern des Canyons empor, noch 130 Kilometer und zwei Pässe von 5000 Meter Höhe, dann sind wir wieder auf dem "Xinjiang-Highway", der die Oasenstadt Kashgar am Rande der Wüste Taklamakan über mehr als 3000 Kilometer mit Lhasa verbindet - von West nach Südost immer entlang der Bergkette des Himalaya.










Einsam im riesigen Himalaya Gebirge

Zur Abwechslung mit ein paar Kilometer Asphalt unter den Rädern starten wir an einer einsamen Kreuzung zum letzten Teil der Himalaya-Tour. Seit Kashgar haben unsere beiden Mitsubishi Pajero aus chinesischer Produktion auf dem "Highway" schon über 1500 Kilometer zurückgelegt und bis nach Lhasa ist es noch mal so weit. Aber nur 230 Kilometer östlich, eine knappe Tagesreise entfernt, liegt schon der Berg Kailash, der "heilige Berg" vieler Religionen.

War der erste Teil des "Xinjiang-Highway" eher ein wilder Ritt über Pässe jenseits der 5000-Meter-Marke, über beinharte Naturstrassen und durch verschneite Täler mit eisigen Temperaturen, so ist die gefürchtete chinesische "Fernstrasse 219" jetzt eher zahm geworden. Ohne grosse Eskapaden folgt die Piste in über 4000 Meter Höhe der Hochebene, überquert in langen Schleifen und sanften Anstiegen zwei Fünftausender-Pässe (und das ist noch immer deutlich höher als die höchsten Alpengipfel). Herden von Yaks, die Leittiere von ihren Besitzern mit bunten Tüchern geschmückt, weiden an den grünen Hängen, denn im Juni ist auch in Tibet endlich Frühling.










Das Team der deutschen Expedition

Von der Piste aus geht der Blick hinüber zur Bergkette des Himalaya, wo auch die Grenze zu Indien verläuft. Aus der Bergkette am Horizont ragen eher unscheinbar ein paar "Dreitausender" mit vereisten Spitzen und Flanken empor. "Dreitausender" mit vereisten Gipfeln? Was da seine markanten Gipfel zum Himmel reckt sind in Wirklichkeit Bergriesen, sind die "Sechs-" und "Siebentausender" des Himalaya. Hier täuscht der Blickwinkel, denn wer auf dem "Xinjiang-Highway" fährt, ist an dieser Stelle selbst schon in 4400 Meter Höhe. Von Tibet aus gesehen, überragen dann nur noch die Gipfelregionen das Niveau der Hochebene. Wer also die Bergriesen in ihrer ganzen Pracht erleben will, muss sich der Bergkette des Himalaya von Indien oder von Nepal aus nähern.










Staubige Pisten als ständige Hauptrouten

Mit diesen Höhen kann der "Kailash", der gerade mal 6714 Meter aufragt, nicht konkurrieren. In China und auf den offiziellen Karten heisst er "Kangrinboqe Feng", die Tibeter nennen ihn "Kang Rinpoche" ("Juwel des Schnees") oder "Kang Tise" ("Schnee Meru"). Der Berg mit den vielen Namen gilt als der wohl "heiligste Berg" der Welt, gleichermassen verehrt von Buddhisten, Hindus, Jain und den Anhängern der alten Bön-Religionen. Als Sitz der Götter und auf Grund zahlreicher Mythen wurde er für zahlreiche Religionen zum Mittelpunkt eines umfassenden Weltbildes. Seine Form gleicht einer Pyramide mit vier fast gleichmässigen Seiten, von denen jede in eine andere Himmelsrichtung zeigt. Sein Gipfel ist immer von Schnee bedeckt. Dadurch, dass der "Kailash" praktisch allein auf der Hochebene steht, wirkt er zudem wesentlich grösser. Kein anderer Berg in seiner Nähe macht ihm seine Sonderstellung streitig. Dass mit Brahmaputra (Tsangpo), Indus, Karnali und Sutlej vier der grössten Flüsse Asiens in der Nähe des Kailash

entspringen und in alle Himmelsrichtungen fliessen verstärkt den Mythos noch.

Jährlich strömen Tausende von Gläubigen aus Tibet, Indien und Nepal zum Kailash und in den kleinen Ort Darchen in 4500 Meter Höhe. An religiösen Feiertagen versammeln sich hier gleichzeitig 2000 Pilger und mehr. Viele kommen schon zum sechsten oder siebten Mal, um die 53 Kilometer lange Wanderung um den Berg (auf tibetisch "Kora") zu vollziehen. Gewandert wird dabei im Uhrzeigersinn (nur die Bön-Anhänger pilgern gegen den Uhrzeigersinn um den Berg). Wer gut zu Fuss ist bewältigen die "Kora" in zwei bis drei Tagen, manche schaffen sie sogar an nur einem einzigen Tag. Dabei ist die Umrundung ein ebenso beschwerliches wie unberechenbares Vorhaben, denn der schmale Pfad um den Berg steigt bis auf 5720 Meter Höhe an und auch während der nur kurzen Pilgersaison im Sommer drohen Schnee- und Hagelstürme. Geschlafen wird in den Gasträumen der Klöster, in Zelten oder einfach auf dem Erdboden. In diesem Jahr mussten die Pilger sogar noch Mitte Juni auf halbem Weg umkehren, weil Schneemassen den Weg blockierten.










Felsbrocken erschweren das Durchkommen

Auch bei Touristen gilt der Berg als launig, denn er verhüllt gern sein Haupt mit Wolken. Es soll Fernreisende aus Europa und Amerika geben, die bereits mehrfach am Kailash waren und trotzdem den Gipfel nie gesehen haben. Wir haben Glück, denn am Nachmittag des zweiten Tages ziehen die letzten Wolken ab und geben für weniger als eine Stunden den Blick auf den Gipfel frei.

Nach unserer Abfahrt vom "Kailash" umfahren wir in 4500 Meter Höhe die beiden höchstgelegenen Süsswasserseen der Erde, beide mit zahlreichen Mythen behaftet. Der fischreiche "Manasarovar See" (mit 330 Quadratkilometer etwa so gross wie der Gardasee) hat helles Wasser und eine fast kreisrunde Form, ähnlich einer Sonnenscheibe. Der "Rakastal See" dagegen (von der Grösse vergleichbar mit dem Lago Maggiore) hat dunkles Wasser und ist von seiner Form her einer Mondsicher ähnlich. Beide Seen sind durch einen Kanal verbunden, der aber nur in Jahren mit viel Regen Wasser führt.

Von hier aus führt die "Fernstrasse 219" nach Osten entlang der Grenze zu Nepal. Das Strassenniveau in über 4000 Meter Höhe wird nur unterbrochen durch die "täglichen Fünftausender", zu denen wir in langen Serpentinen aufsteigen. Hier herrscht bereits reger Busverkehr zwischen den jetzt grösseren Siedlungen in den Tälern des Hochlandes. Dank neuer Brücken stellen die früher bei Hochwasser oft heiklen Flussdurchfahrten heute kein Problem mehr dar.










Pause an einem der zahlreichen Seen

In den Schluchten des Flusses Tsangpo (Brahmaputra) haben Bautrupps eine neue Trasse in die steilen Felsabhänge gesprengt. Trotz permanenter Steinschlaggefahr wird der neu ausgelegte Asphalt freudig begrüsst, denn irgendwann ist man jeder Piste auch mal überdrüssig. Spätestens eine Tagesetappe vor Lhasa sollten wir eigentlich wieder richtigen Asphalt unter die Räder bekommen, aber nach wenigen Kilometern ist in schon in Xigaze wieder Schluss mit dieser Annehmlichkeit. Leider wird dieser Abschnitt der Fernstrasse gerade komplett erneuert. Damit die Strassenbauer in Ruhe arbeiten können, sperrt man die nächsten 80 bis 100 Kilometer gleich komplett ab. Für uns heisst das noch einmal zurück auf die staubige Piste und rauf in die Berge. Die Umleitung durch ein malerisches Seitental muss nicht mal extra ausgeschildert werden, denn es gibt nur diese eine Piste, die irgendwann tatsächlich auf die fertige Strasse im Tal trifft.










Treuer Pajero aus chinesischer Produktion

Dann haben wir unser Ziel erreicht. Knapp zwei Wochen nach dem Start in Kashgar, nach über 3000 Kilometer Piste entlang der Bergkette des Himalaya, sind wir in Lhasa. Am Fuss des Potala, der gewaltigen Tempelburg, im alten Tibet Sinnbild weltlicher und geistlicher Macht, endet unserer Reise über den "Xinjiang-Highway".

Artikel: Hans Peter Hauer, Auto-Reporter.net
Fotos: Auto-Reporter.net
* : Teil 1 erschien im Mai in den News



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