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|  REPORT: Die 6. Etappe war zur Freude der Teilnehmer "Breslau pur".

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| Was wollen Breslau-Teilnehmer? Sie wollen Schlamm, Matsch, Wasser und Schweiss. Zwar ist es in diesem Jahr nicht so trocken wie in 2006, aber es kommt "der Staubausgabe" ziemlich nahe. Versank die Breslau 2007 im Dauerregen und sommerlich ungewöhnlich kalten Temperaturen, ist die Breslau 2008 eine reine "Staubschlacht".
Staub gab es auch am Rally-Freitag, dem vorletzten Tag der diesjährigen Breslau. Doch am Freitag war alles anders. "Breslau pur" jubelten die Teilnehmer. Rund um das Camp musste ein knapp 140 Kilometer langer Rundkurs bewältigt werden, der es stellenweise in sich hatte. Trotz der Trockenheit hatte die Organisation einige spannende und heftige Schlammlöcher gefunden und eingebaut, der Rest wurde mit extrem schwieriger Navigation gespickt.
Navigation in ein einem Rundkurs (der seit drei Tagen im gleichen Gelände stattfindet) - wie muss man sich das als Aussenstehender vorstellen? Eigentlich ganz einfach. Das mehrere Quadratkilometer grosse Rallygelände wird zickzackartig gefahren, somit "reissen" die Teilnehmer viele Kilometer ab, obwohl sie sich immer im gleichen Gelände befinden. Mit jedem Tag wird die Navigation schwerer, da es keine "echten" Spuren mehr gibt, den man folgen kann. Jeder Tag gibt neue Spuren - und wenn es nicht regnet, bleiben die eben erhalten. Somit können sich die Teilnehmer nicht mehr an den bisherigen Spuren orientieren.
Es war wild. Von allen Seiten kamen einem Teilnehmer entgegen, jeder war der Meinung, er wäre absolut richtig. Selbst Profi-Navigatoren verfuhren sich regelmässig. Den Rest besorgten der Staub und die zahlreichen Schlammlöcher, von denen sich Einige erst während des Tages entwickelten. So kamen die ersten Trucks völlig problemlos durch, während sich die hinteren Lkw teilweise die Räder abrissen.
"Eine geile Etappe, das war so wie wir es wollen" jubelt MAN-Kat Pilot Thorsten Holz am Abend im Camp. Mit dieser Meinung war er nicht allein, das Starterfeld zeigte sich fast geschlossen beeindruckt.
An der Spitze sorgte am Freitag vor allem das Unimog-Team Hellgeth für eine Sensation: Sie kamen ca. 30 Minuten (!) vor dem ersten Pkw ins Ziel, hatten alle CPs und die komplette Strecke sauber gefahren. Auf die "üblichen Verdächtigen" (Strasse, Neese etc) wartete man lange, stattdessen kam Aussenseiter nach Aussenseiter über die Ziellinie. Darunter erstaunlich viele Polen - sollte da etwa geschummelt werden?
Der Verdacht lag bei einigen Teilnehmern nahe, zu gut waren viele Einheimische dabei. Doch sie hatten schlicht aufgerüstet, waren mit Laptops und topografischen Karten ausgestattet, schickten Teammitglieder als "Späher" in die Strecken - alles ungewöhnlich, aber legitim. Lediglich die neuerdings zahlreichen polnischen Streckenposten verwunderten die Teilnehmer - sie nahmen es mit ihrem Job nicht allzu ernst. Sie liessen Teilnehmer von jeder Richtung anfahren, schliefen auch mal ein und mussten gelegentlich geweckt werden, erlaubten Wendemanöver und Vollgas-Fahrten entgegen der Strecke.
Gleich mehrere "heisse Stellen" galt es zu bewältigen. In einem eher kleinen Schlammloch winschten und kämpften die Teilnehmer um die Wette, ein 6x6-Iveco, ein Unimog und ein IFA versenkten sich total. Die beiden IFA des "MAN Gera/Rhino"-Teams machten sich derweil viele Freunde und halfen, wo man nur helfen konnte. Rausziehen, winschen, buddeln - ein Zeichen der Fairness auf der Rally. Ein Motorradfahrer versenkte erst sein Motorrad und schliesslich sich selbst im Schlamm, musste mit einem Bergegurt herausgezogen werden. Auch der verbliebene Hummer von Eugen Eble hatte Pech, erst wurde die Beifahrerin von einem reissenden Bergeseil getroffen, dann riss bei der Bergung ein vorderes Rad ab.
Einer der Helden bei den Trucks war auch der Cottbuser Peter Niedergesäss, der schon in den Tagen vorher nicht nur mit Fairness, sondern der strikten Einhaltung des Roadbooks auffiel. Als echter Sportsmann fuhr er jedes, aber auch wirklich jedes ausgewiesene Schlammloch an, hielt Umfahrungen ein und half anschliessend weiteren Teilnehmern.
Belohnt wurde Niedergesäss dafür nicht, im Gegenteil. Vor allem den CP-Besatzungen und den polnischen Streckenposten war es ziemlich egal, ob ein Teilnehmer die Regeln einhält oder nicht. So durfte z.B. in einem Teilstück am Donnerstag ein Zaun nicht beschädigt werden - was hiess, das die Lkw in ein Schlammloch ausweichen sollten. Eine falsche Anfahrt des CP war laut Roadbook verboten - dennoch machte gleich zu Beginn ein anderer Lkw den Zaun platt, weitere Teilnehmer folgten und fuhren den CP von der falschen Seite an. Eine Bestrafung gab es trotz Beschwerde für die Falschspieler nicht. "Das nimmt der Sache ein wenig den Sportsgeist" hiess es am Abend im Camp.
Doch die Freitags-Etappe machte einigen Kummer wieder wett. "Diese Etappe war die schönste der Breslau" schwärmte man im Camp - ein lohnenswerter Abschluss der Breslau 2008, denn am Samstag wird lediglich noch ein kleiner Rundkurs gefahren, der laut Aussage von Veranstalter Klaus Leihener keine grossen Besonderheiten mehr beinhalten soll.
Danach ist alles offen. Zwar wurde der Pole Albert Gryszczuk bereits als neuer Nachfolger vorgestellt, doch über Details erfuhr man noch nichts. Bleibt es beim Start in Dresden? Bleibt die Organisation um Co-Veranstalter Franz Aigner, bleiben die legendären Strecken, bleibt es eine internationale Veranstaltung? Die Antworten wird es hoffentlich nach der letzten Etappe am Samstag geben...
Artikel vom 05.07.2008 I 11:30 Uhr
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