

|

 Abenteurer Rainer Zietlow unterbietet "Panamericana" Rekord um vier Tage.
Sie galten als die ewigen Duellanten: Die Abenteurer Matthias Jeschke und Rainer Zietlow. Jeschke machte einst den Höhen-Weltrekord für Pkw (mit Toyota), Zietlow "klaute" ihn weniger Wochen später (mit VW Touareg) und Jeschke? Startete erneut und holte sich den Titel (später mit Jeep) zurück, bis er von einem lokalen Suzuki-Proto geschlagen wurde.
Dann startete Matthias Jeschke mit Journalist Jörg Sand die "Panamericana" (Bild 5), man wollte die Strecke in unter 14 Tagen mit Biofuel bewältigen. Obwohl Volkswagen kurz vorher absprang, fuhren beide die Strecke im Touareg "Espedition", schafften den Weltrekord - und bekamen ihn dennoch nicht anerkannt, weil "Speed-Weltrekorde im öffentlichen Raum" nicht mehr zugelassen sind. Mit Jeschke´s letztem Projekt (Barentssee) wurde es ruhig um ihn.
Rainer Zietlow machte weiter, fuhr unterdessen diverse Projekte, immer wieder mit Volkswagen. Nur fuhr auch er mit VW die Panamericana - und unterbot den inoffiziellen Rekord (wenn auch mit normalem Diesel = weniger Logistik). Zietlow fuhr die 22.750 Kilometer von Alaska (USA) bis nach Feuerland an die Südspitze Argentiniens Strecke in nur elf Tagen, 17 Stunden und 22 Minuten.
Während seines Interkontinentaltrips befuhr Zietlow auch den bekanntesten Abschnitt des längsten Highways der Welt: Die Mexikaner waren es nämlich 1950, die ihren Bauabschnitt der legendären Panamericana als Erste fertigstellen konnten. Ihre Pionierleistung wollten Beamte des mexikanischen Verkehrsministeriums mit einem internationalen Autorennen feiern: Die "Carrera Panamericana".
Zugelassen waren zunächst nur fünfsitzige Limousinen im Serienzustand. So entschieden die Amerikaner Hershel McGriff und Ray Elliott die Premiere dieses heute legendären Rennens für sich, als sie mit ihrem Oldsmobile 88 nach sechs Tagen gewannen. Schon bei der zweiten Auflage der Rally im Jahr 1951 wurde die Beschränkung der Rennklassen aufgehoben. Sofort dominierten europäische Sportwagen: Sieger wurde ein italienisch-amerikanisches Team auf einem Ferrari 212.
Ermutigt durch Rennerfolge des 300 SL in Europa, beschloss der Mercedes-Vorstand seinerzeit, bereits im Jahr 1952 mit drei Fahrzeugen bei der Panamericana zu starten. Es folgte ein spektakulärer Triumph, der dieses Rennen zum Mythos machte. Karl Kling und Hans Klenk führten ihren 300 SL zum Sieg, dicht gefolgt von Hermann Lang und Erwin Grupp im zweiten Werkswagen.
Dieser deutsche Doppelsieg wurde aber erst durch einen Unfall zur Legende: Bei Kling/Klenk durchschlug während des Rennens ein Geier die Windschutzscheibe und verletzte den Beifahrer im Gesicht. Am letzten Tag startete das Team von Rang vier und erreichte nach einer furiosen Aufholjagd als erstes die Ziellinie.
Das Geheimnis dieses Erfolges war eine Idee Hans Klenks. Jahre später revolutionierte diese Idee den Rallysport: Bei einer ersten Erkundungsfahrt der Strecke notierte Klenk sich neben den Kilometerangaben zahlreiche Gefahrenpunkte. Das "Gebetbuch" (roadbook) der Rallyfahrer war geboren.
Die gesamte internationale Fahrerelite früherer Tage gab sich schon auf der Carrera Panamericana die Ehre. 1953 siegte Formel-1-Ikone Juan Manuel Fangio mit einem Lancia D 24. 1954 holte die noch heute lebende Porsche-Legende Hans Hermann einen dritten Rang mit dem damals noch unterlegenen 550er Porsche Spider. Übrigens: Seit diesem Erfolg nennt die VW-Konzern-Tochter ihre besonders sportlichen Modelle "Carrera".
Schwere und tödliche Unfälle begleiteten die Carrera Panamericana, weshalb sie schon 1954 verboten wurde. Erst 34 Jahre später lebte sie wieder auf. Als Klassikerveranstaltung mit Autos von gestern, die fahren, als gäbe es kein Morgen. Bis heute ist das knallhart gefahrene Oldtimer-Rennen nichts für weichgespülte Charaktere.
2011/12/14 | 21:18 CET | ARTICLE: MR/SY/AMPNET






|

|