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 Albania Rally: Schneller und taktischer Prolog direkt am Strand - Berghotel.
Der eigentlich kürzeste Tag der Rally wurde bereits für Einige zum Längsten: Nach einem schön gestalteten Showstart vor einem Pyramiden-Monument mitten in der Innenstadt von Tirana ging es zum Prolog an den Strand, nur knapp 40 Kilometer von Tirana entfernt. Doch die Teilnehmer hatten bereits eine grössere Strecke zu bewältigen.
In einer langen Offroad-Überführung wurden die Rally-Teilnehmer über Umwege zum Strand geführt, 100 Kilometer ging es über Pisten, Geröll und Wasser zu bewältigen. Zwar wurde die Sektion nicht zeitlich gewertet, aber es gab eine Vorgabezeit.
"Wir wollten den Teilnehmern einen Vorgeschmack geben auf das was kommt" erklärt Veranstalter Edvin Kasimati den Umweg. "Viele gehen es hier zu schnell an. Auf dieser Rally zählt weniger der Speed, als fahrerisches Können, Vorsicht und eine gute Navigation. Zudem bringt es uns (der Organisation) natürlich auch mehr Zeit."
Rainhard und Pauline Friedl (Österreich, Mitsubishi Pajero) kamen zügig durch: "Eine schöne, aber schon anspruchsvolle Strecke, hier konnte man sich schon schnell was kaputtfahren." Die Belohnung: Am Ende Platz 8 für die Startaufstellung zur 1. Etappe am Sonntag. "Das ist gut, weil man dort kaum überholen kann."
Im Anschluss traf man sich an einem belebten Strand, der sich schnell mit hunderten Schaulustigen füllte. Eine kleine Beachbar erlebte wohl dem Umsatz des Jahres, als auf einmal der gesamte Rallytross die Vorräte leerkaufte.
Anstatt 14 Kilometern war die Strecke nur 7 Kilometer lang - aber die hatten es in sich. Direkt am Wasser zwischen Dünen und steilen Felsen ging es durchgängig durch tiefen und extrem soften Sand - die ersten Fahrzeuge gruben sich schon am Start hoffnungslos ein. Untersetzung und "auf dem Gas bleiben" hiess das Pflichtprogramm.
Dennoch, schon auf den ersten 7 Kilometern warf es vier Motorräder und ein Auto aus dem Rennen. Beim Toyota Land Cruiser Pickup eines albanischen Teams ging spektakulär der Turbo hoch, mit einem lauten Knall und einer weithin sichtbaren weissen Rauchwolke blieb der Toyo mit Motorschaden stehen. Doch noch in der Nacht reparierte man das Auto, heute will man es erneut versuchen.
Zwei holländische Motorradfahrer, einen Schweden und einen Tschechen erwischte es ebenfalls. Sand, Wasser, zerstörte Felgen - schon standen die Mopeds in der Strecke. Ein Biker hatte gar doppeltes Pech: Er liess seine eigentlich kaum beschädigte Maschine direkt am Ufer stehen und ging die letzten 600 Meter zu Fuss ins Ziel - doch die Flut kam und versenkte das Bike im Salzwasser, ganze zwei Stunden brauchte das Bergungsteam, das Motorrad überhaupt zu finden.
Im Anschluss warteten weitere 70 Kilometer Überführung - aber "albanische" 70 Kilometer. Wer schnell fuhr, schaffte diese in zwei Stunden, denn es ging durch einsame Dörfer und Wälder mitten ins Gebirge, auf einspurigen, teils sehr engen Serpentinen-Strassen. Wer hier mit einem Servicetruck durchmusste brauchte harte Nerven... manchmal musste ein entgegenkommendes Auto bis zu einem Kilometer zurücksetzen, weil der Weg einfach zu eng war.
Die Belohnung folgte am Abend: Ein wunderschönes Ski-Winterresort mitten auf einem Bergplateau mit einem Hotel, das neu aufgebaut einem alten Schloss nachempfunden wurde - frei laufende Kühe mit Kuhglocken und die Bergatmosphäre erinnern hier eher an ein italienisches Alpendorf als an den Balkan. Hier bleibt der Rallytross zwei Nächte.
Am heutigen Sonntag steht ein kurzer Rundkurs auf dem Programm - doch kurz ist auch hier "relativ". Nach 80 Kilometern Überführung geht es weiter hinauf in die Berge, hier startet die eigentliche Wertungsprüfung mit knapp 60 Kilometern. "Das scheint heute ultragefährlich zu werden" meint Rainhard Friedl. "Wir haben ungesicherte Bergpassagen, Serpentinen, sehr viele Felsen und steile Abhänge."
Ein Blick ins Roadbook zeigt mehr: Harte Kurven über harte Kurven, ein "Achtung"-Zeichen und Totenkopf nach dem Anderen, teilweise bis zu vier (!) Ausrufezeichen hintereinander. Für ganz gefährliche Stellen hat man sich eine besondere Markierung ausgedacht: Die Roadbook-Bilder sind negativ, also Strecke weiss auf schwarzem Grund gedruckt - und von diesen Bildern gibt es eine Menge. Im Anschluss geht es zurück, dabei müssen nochmals 20 Kilometer Überführung gefahren werden.
2012/06/10 | 09:55 CET | ARTICLE: MR/HS








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