

|

 AMI Messe Leipzig 2010: Hyundai IX35/IX55 - Kippelnde Showeinlagen auf AMI.
Wir nehmen es vorweg: Diese Vorstellung richtet sich an die "echten Offroader" - und den Ansporn für diesen gesonderten Artikel gab das, was die neuen Hyundai live im Fahrbetrieb im Outdoor-Bereich der Messe zeigen - und eben nicht mehr können.
Traurig stellen wir uns die Frage: Was ist nur mit der Offroad-Abteilung von Hyundai passiert? Einst legte man mit dem "Terracan" in Sachen "Echter Offroader" vor, bewegte sich in der elitären und aussterbenden Familie derer von Nissan Patrol, Toyota Landcruiser, Mercedes G oder Land Rover Defender. Mit dem "Santa Fe" hatte man eine immer noch harte SUV-Alternative im Programm, die dann dem "Tucson" - einem schon weicheren aber immer dennoch vielfältig einsetzbaren Nachfolger - wich.
Vom Offroad-Profi zum weichgespülten SUV-Anbieter
Im vergangenen Jahr präsentierte man mit dem "IX55" eine selbsternannte Alternative zu Audi Q7 oder Volvo XC90. Keine Frage, gut ausgestattet, perfekt verarbeitet, mit vielen technischen Raffinessen, im Vergleich preislich unschlagbar und immerhin einem komfortablen Fahrwerk für zumindest schlechte Strassen. Der IX55 kam hierzulande spät, wurde er doch in Korea bereits 2006 als "Veracruz" auf den Markt gebracht.
Doch mit dem IX55 starb auch der letzte Hyundai-Geländewagen "Terracan". Zu unbrauchbar war und ist dessen Nachfolger schon dank zu langer Überhänge, wenig Bodenfreiheit und viel zu kleinen Radkästen im Gelände. So dürfte selbst der Begriff "SUV" schon falsch kategorisiert sein - denn ein SUV kann wenigstens noch ein bisschen was ausserhalb des Asphalts.
Als kleinen Bruder des IX55 präsentiert Hyundai heuer in Leipzig den Tucson-Nachfolger "IX35", den man sicherheitshalber gleich als eigentlich undefinierbaren "Crossover" bezeichnet - also nichts Halbes, nichts Ganzes. Immerhin, wen nun immer noch der Begriff "Koreaner" stören sollte, der 35er wurde in Deutschland entwickelt und wird in der Slowakei beim Konzernbruder Kia gebaut. Damit sind zumindest einmal die Stammtisch-Parolen ausgeräumt.
Doch der "Trend zum Lutscher" geht leider auch beim IX35 weiter. Der Neue wurde gegenüber dem Vorgänger Tucson tiefer, die Überhänge aus Offroader-Sicht zu lang, die Bodenfreiheit Kombi-ähnlich - naja, und grosse Offroad-Reifen würden schon im ersten Schlagloch in den Radkästen poltern. SUV? Nein. Crossover? Hmm. Der IX35 ist eher ein aufgeblähter Allrad-Kombi - mehr nicht.
Offroad-Parcours fast nicht ohne gefährliche Einlage machbar
Wir ersparen uns an dieser Stelle daher auch die technischen Details - denn was bei Hyundai sicherlich gut gemeint war, präsentiert man im Leipziger Aussen-Gelände zugleich als abschreckendes Beispiel. Eigentlich will man zeigen, was IX35 und IX55 so können - doch die Vorführung dürfte zumindest "Offroader" mehr erschrecken als überzeugen.
Als gefährlich kann man die dort vorgeführten Abfahrten der Offroad-Rampe bezeichnen. Aufgrund der tiefen Lage, den zu langen Überhängen und zudem noch extra angebrachten Chrom-Bügeln schaffen die Allradler nicht einmal die verschränkt gebaute Abfahrt vom Berg, ohne Schaden zu nehmen. Das hat zur Folge, das die hoch konzentrierten Fahrer rutschend im Abhang (!) einlenken müssen - ein absolutes "No-Go", denn somit ist man in jeder Runde einem Umkipper gefährlich nahe.
Ein paar Meter weiter will man im Schräghang die Seitenneigung vorführen - doch der Kenner bemerkt schmunzelnd, das selbst die Einfahrt dank quasi "Null-Verschränkung" und somit fehlender Traktion schon zu einer echten, kippligen Hürde wird.
Der neue IX35 ist wie sein grosser Bruder IX55 ein netter, höherer Kombi, günstig, gut verarbeitet und passend für die brave Familie. Doch die Zeiten der Geländewagen sind bei den Europa-Koreanern vorbei. Somit beweist Hyundai in Leipzig, wohin man mit den aktuellen Fahrzeugen auf keinen Fall mehr fahren sollte: Ins Gelände. Schade, denn so muss sich die 4x4-Gemeinde erneut von einem einst zum Geländewagen bekennenden Autohersteller verabschieden. Für uns somit leider der "Offroader-Flop von Leipzig".
2010/04/12 | 04:28 CET | ARTICLE: MR/HS


|

|