

|

 Australasian Safari: Ausfälle en masse - Und ein kleiner Subaru führt alle vor.
Heiss, kalt, heiss, kalt: Das Wetter in Australien steht und fällt mit der Sonne. Scheint sie, ist es extrem heiss - kommen Wolken (und davon haben wir in diesem Jahr eine Menge), kann man sich prompt einen Pullover überziehen...
Genau so abwechselnd wie die Temperaturen sind auch die Etappen. Die Tage sind lang, die freie Zeit knapp - daher eine Zusammenfassung der letzten beiden Etappen.
In der 3. Etappe am Dienstag wurde es landschaftlich wunderschön und abwechslungsreich zugleich: Satte 409 Kilometer in Wertung, aufgeteilt in drei Stages warteten auf die Teilnehmer in einem grossen Rundkurs um die Stadt Carnarvon. Zu Beginn ging es entlang am wunderschönen Strand, tiefblaues Wasser, weisser Sand, Wale und Delfine im Hintergrund - unbeschreiblich schön.
Nach einer kleine Überführung ging es weiter entlang des Strandes, über gigantische Sanddünen, durch kleinere Stranddünen, dann östlich zum "Lake McLeod" um dann später nach einer weiteren kurzen Überführung die westliche Wüste mit roten, schroffen Felsen zu entern.
An der Spitze der Pkw kämpften John Hederics im orangen Holden Colorado, Nunzio Coffaro im Overdrive Toyota, Kerry Turley im Nissan Patrol und Geoff Olholm im Mitsubishi Pajero um den Tagessieg - und mit Ausnahme von Coffaro (erhielt nach seinem Ausfall in SS02 12 Stunden Zeitstrafe) auch um den Gesamtsieg.
Doch diesmal traf es Olholm: Nach einem Einschlag musste der Mitsubishi aus der Strecke geschleppt werden, ebenfalls 12 Stunden Zeitstrafe. Und auch der Nissan von Kerry Turley musste nach einem Defekt Speed rausnehmen, verlor massiv an Zeit.
Lachender Dritter war erneut der kleine, seriennahe T2 Subaru Forester von Rob Herridge und Sam Hill: Konsequent fuhr man frech nach vorne, um am Abend tatsächlich Platz 2 in der Tageswertung - und Gesamtwertung zu übernehmen.
Doch warum ist der Subaru so schnell? Nun, zum einen wurde das Auto nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr sehr sauber und intelligent aufgebaut, zum anderen ist der Fahrer hier nicht Irgendwer. Rob Herridge gilt in Australien wie Walter Röhrl als WRC-Rallylegende, war mehrfacher Australischer Meister und startete in der WRC-Weltmeisteschaft mit Subaru Legacy und Impreza.
Zudem ist der nun etwas ältere Mann mit dem weissen Bart ein schlauer Fuchs - das konnten wir live in den Dünen erleben. Anstatt wie die anderen Teilnehmer einfach "reinzukloppen" um dann minutenlang im Sand zu buddeln, blieben er und Navigator Sam Hill einfach mal auf einer Düne stehen, beobachteten die besten Teilnehmer und fuhren einfach die sicheren Spuren nach. Und auch sonst fährt man schnell, aber nicht am Limit: Das sieht man vor allen an den zahlreichen Sprunghügeln, bei denen der Subaru - sorry - dann einfach nur langweilig rübergleitet. Aber das ist das Rezept...
Lediglich John Hederics und Kees Weel im Werks-Holden Colorado fahren als einziges Profiteam noch um einen absehbaren Gesamtsieg. Beide sind ebenfalls "Alte Hasen" im Rallysport - und fahren bewusst kein nagelneues Auto.
Der Holden ist eigentlich ein altes Modell, zwei Generationen vor dem aktuellen Colorado. Allerdings wird er immer noch gebaut und verkauft, quasi als günstiger Einsteiger-Pickup. Grosser Vorteil: Das Auto ist stabil und mit überschaubarem elektronischen Schnickschnack - was nicht drin ist, kann eben auch nicht kaputtgehen...
Im hinteren Auto-Feld wechseln die Teilnehmer nunmehr täglich die Positionen - und auch die Ausfälle nehmen zu. "König" der Ausfall-Kandidaten ist Dave McShane im Ford Protruck: Er ist zwar jeden Tag gestartet, aber nicht einmal angekommen. Dafür dürfen die Mechaniker jeden Abend quasi sinnlos Überstunden schieben.
Leider raus ist auch der historische Datsun 260Z von 1975 - und nach einem Überschlag auch total zerstört. Doch auch Profis hat es erwischt: Bruce Garland im Werks-Isuzu D-Max riss sich die hintere Aufhängung ab, Des Harrington im Nissan Patrol Proto blieb mit Motorschaden stehen, John Purshouse im Mitsubishi L200 schied ebenfall mit technischen Problemen aus.
"Feierabend" hiess es auch für den Volkswagen Amarok mit deutscher Seikel-Technik und Eibach-Fahrwerk. Sam Beck und Chris Kenny aus Melbourne fuhren täglich brav und langsam dem Feld hinterher, mehr war mit dem Amarok auch nicht drin. Doch dann wollte der deutsch-argentinische Pickup nicht mehr: In den Dünenetappen zeigte der Amarok seine Schwächen, die Kupplung wollte nicht mehr und gab ihren Dienst auf. Zwar reparierte man die Kupplung noch - doch nur, um sie in der nächsten Sand-Etappe wieder zu vernichten.
Eein kurzer Blick auf die Motorräder und Quads: Hier wechseln die Top-Fahrer "wie die Fliegen". Zuerst erwischte es den Vorjahressieger Todd Smith gleich zweimal mit einem Motorschaden an seiner Honda, dann fiel Robb Fagotter zurück und, und, und...
Der Holländer Alex van Ginkel hingegen fuhr sich langsam aber kontinuierlich immer weiter an die Spitze, verteidigte zuerst seinen 10. Platz um dann nach der 4. Etappe sogar auf Platz 8 vorzurücken. Der Italiener Manuel Lucchese wird wie im Vorjahr täglich auf´s Neue vom Pech verfolgt: Erst versagte sein Mousse in den Reifen, dann stürzte er schwer (konnte aber weiterfahren), anschliessend versagten die Bremsen und auf der letzten Etappe ging der Motor einfach aus... Der sympathische Italiener hat es nicht leicht...
Und weiter geht es in Australien. In Stage 4 fuhren die Teilnehmer in zwei Etappen über knapp 300 Kilometer in den Mini-Ort "Gascoyne Junction", der eher einer Oase mitten in der Wüste gleicht. Einige Häuser, eine Schule und ein Shop mit Kaffeeautomat, das wars. Man ist quasi am "Ende der Welt", denn auch die Asphaltstrasse endet hier und wird zur Sandpiste.
Die Etappe war knackig, im ersten Part schnell und später knifflig, mit einigen Sanddünen und später knackigen Trial-Passagen. In der Gesamtwertung gab es keine weiteren Veränderungen - nachwievor führt der Holden das Feld vor dem Subaru an, mit grösserem Abstand gefolgt vom Nissan Patrol.
2012/09/27 | 12:26 CET | ARTICLE: MR/HS







|



|

|