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 Australasian Safari BLOG: Deutsche Mädels, Howdies, Steaks und Wild Turkey.
Wir sind im Outback angekommen - nicht das "Ayers Rock" Outback das viele aus den Touristen-Prospekten kennen, sondern dem eigentlichen Outback, der beginnenden "Golden Desert" in Western Australia. Bereits im vergangenen Jahr haben wir über die Phänomene dieser Region berichtet, die sich nun mit einem Lächeln im Gesicht wiederholen. Das macht Spass.
Wir meinen damit vor allem die kleinen Dörfchen, die man hier stolz "Town" nennt und in denen die Zeit stehengeblieben ist. Nach "Mount Magnet" am Samstag sind wir heute in "Sandstone" angekommen. Die Unterschiede sind allerdings gravierend. Kam einem Mount Magnet wie ein Slum mit hässlichen Bretterbuden, vielen Aussteiger-Aboriginees, Staub und Dreck vor, ist es in Sandstone genau umgekehrt. Gekehrte Strassen, Blumen, gemähter Rasen - die Menschen legen hier Wert auf einen netten Lebensstil.
Nur kurz zum Hintergrund. Zur Goldgräber-Hochzeit gegen 1907 waren hier 8.000 Menschen vor Ort, es wurde fleissig massiv mit Stein gebaut, ein Bürgermeisterhaus, ein Post-Office, später eine Bahnstation. Es gab sogar eine eigene Brauerei. Mit dem Wegfall des massenhaften Goldabbaus und der Industrialisierung blieben auch die Menschen weg. Heute sind es knapp 200 Menschen, die das Städtchen bevölkern.
Die sind wie überall in dieser Region cool drauf. "Howdie Buddy, how´s going" nuscheln sie wie im Vorjahr bei jeder Begegnung. Es gibt ein Hotel(chen) und eine Bar, in der sich harte Männer wie Frauen gleichzeitig schon am Nachmittag treffen. Der Dorf-Mittelpunkt.
Und wie im letzten Jahr steht hinter dem Tresen ein hübsches Mädchen. Wir erinnern uns (diese Mädels sind nicht von hier) und wir bieten unserem brasilianischen Kollegen "Coffee" eine Wette an: "Wetten, die Hübsche ist aus Deutschland"? "So ein Quatsch" erwidert Coffee... und fragt nach. Sie kommt: Aus Deutschland, besser aus der Nähe von Düsseldorf. Das Bier haben wir genossen.
Das Mädel freut sich, hier in der Einsamkeit mit uns ein paar deutsche Worte zu wechseln. Wer im letzten Jahr nicht aufgepasst hat: Hierzulande gibt es keine "Austausch Aupairs", sondern sogenannte "Backpacker", also europäische Mädchen, die hier im Schnitt ein Jahr verbringen. In der Regel kommen die aus Deutschland oder Skandinavien - das ist hier ganz normal.
Apropos lokale Bar. Draussen steht ein ziemlich benutzter Nissan Pickup, voll mit Arbeiter-Werkzeug. Am Heck ein grosser Aufkleber: "Meet me at the Sandstone Pub". Scheint ein zufriedener Stammkunde zu sein. Stammkunde ist auch eine besondere Lady. Mitte 30, ziemlich tough, Rastalocken, knackige Figur - aber vom Kopf bis werweisswohin tätowiert. Nicht besonders professionell, sieht eher nach Eigenarbeit aus.
Die Tatoo-Dame trinkt "Wild Turkey" aus einer Bierflasche - sieht zumindest so aus. Unsereins kennt Wild Turkey nicht, die Lady fragt: "Auch eines? Ich lade Dich ein." Wer sagt schon nein zu einem lokalen Bier. Das deutsche Thekenmädel grinst, die Tatoo-Lady grinst - und man sieht erst in letzter Sekunde den Aufdruck "Bourbon with Cola"... da war der erste Schluck schon weg. Das ist neu gelernt: Hier trinkt man gerne am Nachmittag schon die ganz harten Sachen. Und wer "Jim Beam mit Cola" aus deutschen Dosen kennt: Vergesst es. Ein Fläschchen "Wild Turkey" bei aktuell 34 Grad - und man macht besser ein Nickerchen.
Draussen im Camp hat der Caterer erneut den Grill angeschmissen. Nach Taccos, Geschnetzeltem oder gebratenen Würstchen am Samstag liegen heute Rinder- und Putensteaks auf dem Grill. Doch es ist kein normales Barbeque. Ganz im Sinne der Tradition haben die Sandstone-Einwohner auf dem lokalen Golfplatz einen Grill aus einer alten Minen-Lore gebastelt - und weil wir das "ganze Programm" mögen, wird heute auf der mit Feuer fast zum glühen gebrachten Lore gegrillt.
Achja, kennen Sie "Richard F. Donald Hill"? Der gute Mann scheint in diesem Dorf die Hosen anzuhaben - oder hätte es gerne. Am Dorf-Nachrichtenbrett hat er eine selbstverfasste Nachricht aufgehangen. Er sei der Besitzer aller Gold-Ländereien, überhaupt sei er der King und jeder, der sich seinen Wünschen widersetzt, bekommt Ärger.
Land betreten verboten, Campen verboten, Gold sammeln verboten - und wer gar einen Metalldetektor mitbringt, bekommt richtig Ärger. Wir denken an einen netten Scherz der Dorfbewohner - doch ein langhaariger Sandstoner erklärt mit einem Grinsen: "Der schiesst echt auf Jeden." Ob das nun wirklich ernst gemeint ist?
2011/09/25 | 11:46 CET | ARTICLE: MR/HS


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