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 Australasian Safari: Speedy 500 km SS02 - Wechsel in Top 10, viele Ausfälle.
Da soll noch mal einer sagen, die "Südamerika-Dakar" sei schwer. Wer sich in der Rally- und insbesondere Amateurszene auskennt weiss, die "neue" Dakar ist eine Fahrt auf der Autobahn gegenüber vielen anderen Marathonrallys.
Was einen auf einer "Dakar" in Südamerika fertig macht sind nicht die Strecken, sondern die Überführungen. Die sind lang und machen müde. Das gibt es hier nicht. Strecken, Strecken, Rundkurse... und zwischendurch "mal" ein paar Kilometer auf Asphalt. Australien zählt zur "Dakar Challenge" - und wer es hier schafft, der schafft auch - zumindest die Wertungen - einer Dakar.
Hier sind es die Etappen, die den Teilnehmern alles abfordern. Das erwischt vor allem die hart, die dachten, man könne mit viel Geld und teurem Equipment man schnell einen Sieg einfahren. Wie heisst es so schön bei den Simpsons: "Haaa-Haaa"!
Nur "schnell fahren" ist in Australien die eine Sache. Es gibt keine "Fast Assistance" - also Service im Rennen. Der einzige Service wartet an festgelegten Servicepunkten. Geht in der Strecke etwas kaputt, kann man selbst reparieren (und weiterfahren), oder (im ungünstigen Fall stundenlang) auf der Service warten, bekommt eine Strafzeit, doch der Tag ist dann gelaufen.
In der 2. Etappe am Montag ging es von Kalbarri weiter hoch in den Norden in die Stadt Carnarvon, dabei mussten 490 Kilometer in Wertung und 60 Kilometer zusätzlich an Überführungen bewältigt werden.
Der Tag begann direkt neben einer Farm nahe des Strandes vom Kalbarri. Im ersten Teil wurden 230 Kilometer gefahren, nach einem Servicepark im kleinen Ort Hamelin warteten weitere 260 Kilometer auf die Teilnehmer.
Es wurde schnell, verdammt schnell. Zu Beginn etwas tricky in versandeten Bergen, dann durch die Dünen entlang am Strand bis die Landschaft wechselte: Unglaubliche Weiten, Wüste pur, nur ein wenig Kamelgras.
Sengende Hitze stand über der Savanne, leichter Wind und extrem viel Staub, der es nicht einfacher machte. Mit Vollgas jagten die Teilnehmer über die Pisten, bevor es wieder etwas grüner wurde. Kaum Hügel oder Senken - aber wenn sie kamen, dann richtig.
Schnell fahren ist alles? Service wird es richten? Nee... So passierte es den Venezuelanern Coffaro / Meneses mit ihrem Overdrive Toyota Hilux. Gleich zu Beginn fuhren beide auf Angriff, liessen den Toyota durch die Etappen fliegen - und kamen nicht weit: Nach einem Einschlag zerstörten sie sich die vordere Aufhängung, eine eigene Reparatur war nicht möglich.
Mehrere Stunden benötigte der Service, um die Stelle zu erreichen. Der Toyota wurde rausgeschleppt und am Abend repariert. Man fährt zwar weiter, aber die Chancen für einen Platz auf dem Podium sind gleich null.
Erwischt hat es auch Isuzu-Werksfahrer Bruce Garland. "Verdammt, ich könnte mich so ärgern. Dabei bin ich es doch immer, der sagt, man solle es langsam angehen. Aber irgendwie hat es mich gepackt - und nachdem ich sogar den Toyota überholte, habe ich nicht mehr nachgedacht" berichtet der Dakar-Veteran. Er erwischte einen Zaun, riss sich die hintere Achse samt kompletter Aufhängung raus. "So einen dummen Fehler habe ich mindestens seit 20 Jahren nicht mehr gemacht."
Der Haken an der Sache: Garland muss sein Auto noch Ende der Woche in Richtung Südamerika (via Frankreich) verschiffen, Schäden sind also äusserst unpassend. Noch dümmer: Alle Schäden sind "echte" Prototypen-Schäden, sprich, mal schnell ein Ersatzteil austauschen ist nicht.
Und so sieht es im Camp aus wie in einer Werkstatt: Das Auto ist komplett zerlegt, die Aufhängungen werden aus dem kompletten Metallblock neu ausgeschnitten und Stück für Stück zusammengeschweisst. "Wir haben keine Zeit, das muss jetzt für die Dakar halten" meint Garland. "Präsizion ist also angesagt - und das mitten im Camp!"
Überhaupt war es der Tag der (teils nur vorläufigen) Ausfälle. Insgesamt 9 Autos sahen das Ziel nicht, darunter ein T2-Toyota Pickup, der Ford Protruck, das Polaris Side-by-Side, einige Nissan Patrol und Mitsubishi Pajero.
Und so war es "Der Tag" für die langsameren, aber konstanten Teilnehmer im Feld. Gleich zwei Thailändische Isuzu D-Max T2, sonste eher im "Touristen-Tempo" unterwegs, kamen in die Top 10 - und zur Überraschung Aller schafften es sogar der tiefergelegte, zweiradangetriebene Nissan 260Z von 1975 und der nahezu total serienmässige Volkwagen Amarok problemlos ins Ziel.
Dennoch blieb es an der Spitze superspannend. Auch nach 400 Kilometern in Wertung waren die ersten vier Fahrzeuge nur wenige Sekunden bis Minuten auseinander. Ein "Zahn-um-Zahn"-Rennen lieferten sich der Mitsubishi Pajero von Geoff Olholm und der Holden Colorado des Teams Hederics / Weel, die absolut schmerzfrei durch die Strecke jagten, teils Stosstange-an-Stosstange (!).
Die schnellsten Nissan Patrol hatten so ihre Probleme und so profitierten vor allem der Mitsubishi L200 Triton von Purshouse / Doble und der Isuzu D-Max T1 des Teams Di Lallo / Masi von den Ausfällen.
Doch die "Helden des Tages" kamen mit einem bubbernden Sound - und einem eigentlich kaum geeigneten SUV ins Ziel: Das australisch-britische Duo Herridge / Hill schaffte es tatsächlich mit einem nahezu serienmässigen Subaru Forester (!!!) zwischen den T1-V8-Boliden auf Platz 4 ins Ziel.
Im vergangenen Jahr dümpelte man dem Feld auf dem letzten Platz noch hinterher, verbrauchte sogar das Fahrwerk des privaten Zweit-Foresters der Ehefrau um ins Ziel zu kommen... Doch in diesem Jahr: Holla! Schnell, stabil, pfiffig - und das mit einem SUV, dem man off-road wohl noch weniger zutrauen würde als einem BMW X1.
Und so kam es schliesslich, das am Ende "Die Letzten" mal wieder "Die Ersten" sind... Wohlgemerkt, wir haben erst die zweite Etappe der 7-tägigen Rally hinter uns...
Am Dienstag geht es wieder weit hinaus. Zwar bleibt das Camp in Carnarvon, das tut den Kilometern allerdings keinen Abbruch. Drei Stages mit 71, 144 und 198 Kilometern - also insgesamt 413 Kilometer in Wertung stehen auf dem Plan. Und: Es geht in die Dünen.
"Die einzigen Dünen, die denen einer Dakar ähnlich sind" meint Organisator Justin Hunt, der in diesem Jahr sehr gut gelaunt durch das Camp marschiert. Kein Wunder, die Strecken, die Organisation, das Catering - alles in top, wie in den Vorjahren setzt man Masstäbe im Marathonrally-Sport. "Aber eines freut mich am meisten: Die Teilnehmer sind nicht nur happy, sondern auch sehr zufrieden mit den Roadbüchern" so Hunt. Denn die hatten in den Vorjahren manchmal so ihre Tücken...
2012/09/25 | 05:30 CET | ARTICLE: MR/HS







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