

|

 Balkan Offroad: Heisser Auftakt, spannende Strecke, teils harte Navigation.
Tag Zwei in Bulgarien und die erste grosse Etappe. Bereits früh am Morgen ging es los, zwei Stages mit zusammen knapp 180 Kilometern standen auf dem Programm. Es ging durch wunderbare Landschaft, über schnelle Pisten, Täler, Berge, durch zwei Flüsse sowie zahlreiche Steinfelder - kurz, es wurde von Allem etwas geboten.
Doch eines war sehr tricky: Die Navigation. Vor allem die Motorräder traf es gleich in der ersten Stage. Ein Fehler bei der Aufzeichnung des Roadbooks zeigte Bäume als Orientierung auf, in Wirklichkeit waren aber Strommasten gemeint. Da die Landschaft hier sehr ähnlich ist, kamen die (selbst navigierenden) Moped- und Quadpiloten schnell durcheinander.
"Manchmal hatten wir keine Ahnung wo wir sind" berichtet Johannes Lukas aus Österreich, "ich für meinen Teil musste sogar abbrechen, bin dann zurück ins Camp." Ähnlich erging es auch Landsmann Hans Sachs, beide haben den zweiten Teil nicht beendet.
Andere hatten mehr Glück. Während sich die Autos im Mittelfeld ein heftiges Rennen um wenige Minuten lieferten, irrten einige Quads umher, fanden teils nicht mehr zurück in die Stage. Gleich 5 Quads beendeten die Etappe nicht komplett. "Im ersten Teil waren ein paar Fehler, aber man hatte den Bogen schnell raus" meint der Tscheche Robert Visek. "Ansonsten war es eine klasse Strecke, viel Abwechslung, viel Speed, anspruchsvolle Navigation."
In fast allen Klassen gab es auch schon die ersten Ausfälle - hauptsächlich technisch bedingt. So trat der Mitsubishi Pajero Evo des Teams Trifonov/Susev nach einem Schaden im Prolog gar nicht mehr an, wurde schon früh auf den Trailer geladen. An der Pkw-Spitze hingegen lieferten sich Minchev/Stoyanov (03:33:30) und Lagadov/Nikolov (beide Mitsubishi Pajero) ein spannendes Rennen, beide kamen nur 27 Sekunden hintereinander ins Ziel. Der einzige Toyota im Feld des Teams Trayanov/Marinkov hatte mit Platz 3 schon fast eine Stunde Rückstand (04:29:19).
Der einzige ausländische Pkw-Starter, Oliver Solyom aus Ungarn, musste sich hingegen erst einmal einfahren, fuhr mit seinem Hawkia in 05:07:27 Stunden den letzten Platz ein. Vlastimil Tosenowsky im Mini Rage-Buggy hielt tapfer durch, hatte vor allem mit den Flussdurchfahrten zu kämpfen. Doch auch er schaffte die Etappe, wenn auch mit 05:30:15 Stunden nicht gerade schnell.
Bei den Motorrädern ging des Tagessieg bei der kleinen Klasse nach Österreich (Klaus Pelzmann, 03:23:53) und bei den schweren Bikes nach Italien (Ugo Filosa, 03:11:16). Die Quads dominierten mit Daniel Tsomidis (03:12:48), Chris Stamboldzis (03:25:30) und Nikos Kagas (04:28:04) gleich drei Griechen.
Erneut war es wieder ein richtig heisser Tag, der sich stellenweise nur im Schatten ertragen liess. Umso mehr freuten sich vor allem die Biker auf die beiden Flussdurchfahrten - diese Abkühlung war wirklich passend.
Kleine Geschichte am Rande, die vor allem die Ausländer zum Schmunzeln brachte. Mitten im Fluss hielt ein Rentner mit seinem schicken, neuen Mercedes C-Klasse. Und ausgerechnet mitten in der Strecke will man nun - kein Witz - das eigentlich saubere Auto waschen. Mit viel gutem Zureden liess sich der Mercedes-Liebhaber überreden, doch wenigstens neben der Strecke zu waschen. Dennoch war die ganze Aktion am Ende umsonst: Ein Schäfer schickte seine Kühe, Schafe und Esel zum Trinken ins Wasser - und die rieben sich genüsslich am sauberen Mercedes.
Interessant auch die Anfahrt zum ersten Fotopunkt. Unser Presse Mercedes G zeigt wie in Russland Wirkung. Anscheinend ist es ein ungeschriebenes Gesetz, das man sich in einigen Ost-Ländern mit einem schwarzen G ziemlich viel herausnehmen kann. Unser Fahrer hielt tapfer zwischen 80 und 110 km/h in der Stadt, missachtete fast alle roten Ampeln, hupte einen Fahrschulwagen von der Strasse und drängelte einen Polizeiwagen. Die Journalisten-Crew (Deutsch/Tschechisch/Griechisch) kam aus dem Grinsen nicht mehr raus.
Am Dienstag wird es ein langer Tag. Von Kardjali in Bulgarien geht es über 380 Kilometer nach Griechenland. "Es wird sehr schnell" berichtet der griechische Organisator Meletis. "Erst fahren wir in den Bergen, dort ist es etwas kühler. Dann geht es wieder ins heisse Tal. Allgemein ist die Strecke sehr Baja-ähnlich."
2011/09/04 | 17:26 CET | ARTICLE: MR/SY


|

|