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Budapest-Bamako: Das Experiment einer besonderen Marathonrally




Man hatte uns vorgewarnt: Die "Budapest-Bamako" ist keine normalen Marathonrally. Vielmehr noch, sie sei eher eine Spassveranstaltung für ausgediente Pkw. Das war sie in den letzten Jahren auch - und ist es in der Touristenklasse immer noch. Doch nach der Absage der Dakar 2008 und Verschiebung ins "Exil" nach Südamerika boomte die "BB", so das Veranstalter Andrew Gál sich entschied, eine "Racing-" und eine "Touristen-Klasse" zu gestalten. Die Touris fahren auf Asphalt und Pisten, die Profis mittendurch.

Veranstalter Gál wollte aber auch keine normale Marathonrally, er wollte etwas Besonderes. Im Vordergrund steht für ihn der Entdeckungsgeist, die Gemeinsamkeit, das Feiern, das Erreichen privater Grenzen. Gleichzeitig will er Unfälle minimieren - daher hat er ein relativ ungewöhnliches Wertungssystem entworfen. "Ich will, das die Teilnehmer anhalten und aussteigen müssen" so Gál.

Statt einer gewöhnlichen Zeitwertung gibt es also ein Punktesystem, das sich aus verschiedenen Aufgaben zusammensetzt. Bereits ab Ungarn können - müssen aber keine Punkte gesammelt werden. Wer hier Zeit hat, nimmt alle Aufgaben wahr und bekommt einen Punktevorsprung. Doch die meisten warten auf Afrika, wollen nicht schon in Europa etwas riskieren.

Eine der Aufgaben entspricht zum Beispiel ähnlich einer Schnitzeljagd das Suchen von versteckten Zahlen, Aufgaben oder GPS-Punkten. Die Teilnehmer müssen an der letzten möglichen Stelle das Auto anhalten und zu Fuss mit dem GPS-Gerät die Aufgabe suchen, die sich entweder in unwegsamen Terrain, auf Hügeln oder in touristischen Anlagen verstecken.

"Das hat mehrere Vorteile. A) Wir nehmen Tempo raus, B) die Teilnehmer sind weniger müde weil sie mehr physisch gefordert werden und C) wir schaffen eine Chancengleichheit. Ein VW Race-Touareg z.B. könnte hier also nicht nur mit Speed punkten" erklärt Veranstalter Andrew Gál seine ungewöhnliche Strategie.

Gál möchte seine Rally ausbauen, sieht die Chancen, die er nach dem Dakar-Rückzug aus Afrika hat. In Afrika hat er einen sehr guten Leumund, was vor allem daran liegt, das die "BB" eine Menge Geld in die Länder bringt. "Unsere Rally ist auch eine Charity Rally" erklärt Andrew. So ist z.B. ein kompletter Lkw mit Sachspenden der Teilnehmer und Ungarn dabei - und sogar der ganze Lkw wird letztlich gespendet.

"Im letzten Jahr haben wür über 700.000 Euro an Spenden gesammelt, in diesem Jahr sind es weitaus mehr." Kein Wunder, das die Afrikaner Tor und Tür öffnen, ja sogar die Visa "mal eben so" per Aufkleber ausgestellt werden. Das hat eine Dakar-Rally in 30 Jahren nicht geschafft.

Betrachten Sie die Berichterstattung der "Budapest Bamako" also als eine Art "Experiment". Wir schauen uns einmal an, wie diese Rally funktioniert und warum sie einen derartigen Boom ausgelöst hat. Entspannen Sie sich und lehnen Sie sich zurück - und geniessen Sie einmal eine Rally, in der es nur zweitrangig um den sportlichen Part geht.

Artikel vom 18.01.2009, Artikel: Redaktion/hs

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