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Budapest-Bamako: Schön, brachial, genial - die 1. Etappe






Die Nacht vor der 1. Etappe war für einige Teilnehmer sehr kurz. Als letztes Team traf das Hummer Rallyteam Tschechien nach der 3-Tage-Marathon-Überführung im Camp Erfoud direkt neben einem Dünenkamm ein - um 4:30 Uhr morgens, knapp 2,5 Stunden vor dem neuen Briefing zur ersten Etappe. Das Briefing wurde daher auf 8:00 Uhr verschoben, um den Nachzüglern noch etwas mehr Zeit zu geben.

Noch während des Briefings erklang ein ungewohntes Geräusch über den Köpfen der Teilnehmer - ein Motor-Paraglider hatte seine Maschine aufgebaut, war gen Himmel gestartet und kreiste nun über den Teilnehmern. Das übrigens ganz bewusst, denn der Paraglider stellt die Luftversorgung sicher, um eventuell verunglückten Teilnehmern zu helfen oder vemisste Teilnehmer zu finden.

Gegen 9:00 startete ein Teil der Racing-Fahrzeuge schliesslich in die langersehnte 1. Etappe der Rally. Die erste Überraschung folgte umgehend: Das schlechte Wetter und der Regen der Vortage hatte die kleinen Dünen hinter der Ortschaft in eine weiche Schott-Landschaft verwandelt, die man zudem schlecht einschätzen konnte. Nasser Sand und gelber Schlamm sahen von oben gleich aus... Wenigstens schien die Sonne und lenkte vom immer noch eiskalten Wind ab.

Es kam was kommen musste: Nachdem die ersten Teilnehmer in die Etappe einstiegen, wurde die schlammige Strecke immer ausgefahrener und tiefer, nach knapp der Hälfte der Teilnehmer steckte der Rest hier und dort fest. Vor allen die Teilnehmer mit ungewöhnlichen Fahrzeugen - darunter ein höhergelegter VW Passat Syncro, ein Fiat Ducato 4x4 und ein Iveco Daily 4x4 - entschieden sich, die Etappe bereits hier zu beenden und über Asphaltstrassen ins nächste Camp Foum Zgid zu fahren.

Den Rest erwartete eine Etappe, die einer "Dakar" in nichts nachstand und bei einer Amateurrally eigentlich schon zu der Kategorie "Fortgeschrittene" zählen würde. Nur ist man hier nicht auf einer klassischen Amateurrally, sondern auf einer Amateur-Abenteuerrally. Würden die Teilnehmer das schaffen?

400 Kilometer Offroad, 600 Kilometer ingesamt galt es zu bewältigen, die Beschreibung lautete "leichtes Offroad und kleine Dünen". Der Tag wurde abwechslungsreich wie selten. Zu Beginn führte die Strecke durch kleine bewohnte Oasen mit zahlreichen Palmenhainen, gefahren wurde auf üblichen Offroad-Wegen malerisch durch zahlreiche kleine Berge und unzählige Kurven. Mit dem letzten "Dorf" endeten auch die bis dato noch angenehmen Wege - fortan führte der Track nur noch über alte, zugewehte und teils verschüttete Mini-Pisten, an die nur noch optische Spuren erinnerten.

Wie in den Vortagen lag der Schwerpunkt in der Navigation, denn es gibt kein richtiges Roadbook, sondern nur ein Infoblatt, auf dem einige GPS-Punkte sowie (wenn vorhanden) Aufgaben verzeichnet sind. Entsprechend unterschiedlich fallen die Richtungen aus, in die sich die Teilnehmer bewegen - dumm, wenn dann mal ein Berggürtel den eigentlich gut gewählten Weg versperrt. Entsprechend schwer wird es auch, die Teilnehmer zu fotografieren. Zwar hat die Presse einen Original-Track, aber den traf kaum Jemand.

Die Strecke führte weiter durch langgezogene Tälern zwischen gigantischen Felswänden, über Schotter, querfeldein oder durch kleine, versandete Passagen. In der Mitte wartete ein kleines Dünenfeld, das eigentlich nicht durchfahren werden sollte. Dennoch legten sich Einige den Track hier durch.

Passendes Timing: Mit Erreichen des Dünenfeldes setzte ein heftiger Sandsturm ein, die Sicht betrug nur noch 100 Meter. Die Dünen waren somit unfahrbar, also zurück auf dem alten Track und drumherum durch 100% Offroad. Dies erwies sich fortan als äusserst brutal. Über 50 Kilometer ging es durch ein 2 Kilometer breites Steinfeld, in dem es nur einen ausgefahrenen, aber dennoch harten Weg ging.

Wer den Weg nicht fand, hatte Pech. Denn statt kleiner Steine waren diese hier minimum 30 Zentimeter hoch, im Bestfall rund aber meistens kantig und extrem scharf. Entsprechend sah man dann alle paar Kilometer irgendwo einen Offroader mit kaputtem Reifen stehen - im ungünstigsten Fall hatte man sein Auto auf einen grossen Stein "gehebelt".

Also eine klassische "Dakar"-Etappe, lang, hart, wunderschon und dennoch zeitweise äusserst brutal und materialmordend. Und - glauben Sie uns - wäre diese Strecke auf der Dakar, einen Ausfall eines Werks-Boliden hätte es mindestens gegeben, zu heftig waren die Steine und brutalen Wadi-Kanten, in denen es teilweise bis zu 1,50 Meter steil abfiel. Die BB-Teilnehmer verzeichneten noch keine Ausfälle, auch wenn Viele schnell fuhren, der Grossteil war eher behutsam unterwegs.

Besonders faszienierend für Auge und "Feeling": Der Regen der vergangenen Tage und die vollen Wadis (ein seltener Anblick) hatten die Wüste teilweise in blühende Landschaften verwandelt. Grüne Wiesen auf Wüstensand, überall kleine Blumen mit lilalen und gelben Blüten. Wie schnell die Wüste doch leben kann.

Gegen Ende der Wertungs-Etappe warteten noch 180 Kilometer Überführung, insgesamt kamen so heute fast 600 Kilometer zusammen. Den Teilnehmern wurde heute nichts geschenkt, auch wenn es eine Abenteuer-Rally ist. Entsprechend kamen die letzten Teams erst tief in der Nacht im neuen Camp an.

Am Donnerstag gibt es zur Belohnung eine leichte Etappe, quasi "ein halber Ruhetag". Zu Beginn müssen die Teilnehmer ein kleines Gebirge erklimmen, auf der Spitze wartet eine Aufgabe. Danach geht es weiter auf alten Original-Tracks der Dakar, weite sandige Flächen, laut Aussage der Organisation mit Highspeed zu fahren. Ziel ist die Kleinstadt Assa, knapp 450 Kilometer von Foum Zgid entfernt.

Artikel vom 21.01.2009, Artikel: Redaktion/hs

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