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 | Budapest-Bamako Spirit: Korrekt unterwegs mit dem Ordnungsamt |
 Ordnung muss ein - auch auf der Budapest-Bamako Rally 2009. Und so entdeckt man zwischen den Teilnehmern tatsächlich einen Mitsubishi L300 des ungarischen Ordnungsamtes, mit Original-Beschriftung, Blaulicht und Martinshorn, die drei Insassen zudem mit Dienstkleidung der Behörde. Ein Gag? Eine Auflage aus Ungarn? Nein - die drei Jungs vom Ordnungsamt sind echt, fahren hier aus Spass und als PR-Gag in ihrem Urlaub mit.
Wie in Deutschland sind die Kollegen des Ordnungsamtes auch in Ungarn nicht gerade beliebt. Auf der Rally ist das anders. Die drei Beamten sind bis ins letzte Detail ausgestattet, transportieren einen halben Supermarkt durch Afrika. Selbst der Spritzer Zitrone für den Nachmittagstee wurde nicht vergessen. Wenn man also etwas braucht, geht man zu den Jungs vom Ordnungsamt - und diese helfen gerne.
Auf den Strassen ist der originale Dienstwagen eher langsam unterwegs, im Gelände hingegen lassen es die Jungs überraschend krachen. "Fahrt doch mal einen Tag bei uns mit" hiess es von den Beamten. Da hier sowieso alles anders läuft als sonst und unsere private Infrastruktur kaum nutzbar ist, haben wir das Angebot gerne angenommen.
Das erste Abenteuer erlebten die drei Halb-Polizisten bereits auf der Anfahrt. Das Getriebe machte schon in Spanien Probleme, so verblieb man dort und liess den alten Mitsubishi reparieren. Im Eiltempo ging es dann der Rally hinterher - um sie in der West-Sahara wieder einzuholen.
Das Pech blieb den Dreien hold, auch wenn man alles immer wieder in den Griff bekam. Auf unserer gemeinsamen Etappe kam dann auch, was kommen musste. Gegen Mitternacht "in the middle of nowhere" liessen sich die Gänge nicht mehr einlegen. Im Schneckentempo ging es 100 Kilometer bis zum nächsten Dorf. Hier half ein freundlicher Tankwart: Er organisiert mittlerweile um 1:30 Uhr nachts einen Mechaniker - und man glaubt es kaum - dieser hatte nach kurzer Suche auch ein passendes Ersatzteil parat.
Während der Reparatur lud uns der Tankwart zu frisch gebrühtem Tee mit Keksen ein und wechselte den Kanal im Fernsehen: Ein Musiksender. Nun sollte man denken, in einem islamischen Land wie Mauretanien seien gewisse TV-Programme nicht zu empfangen. Das ist auch so - aber nicht für den Tankwart. Er richtete seine Satellitenschüssel anders aus - und voilá, statt keuschem TV gab es nun krachende Hip-Hop-Musik mit halbnackten Tänzerinnen und viel Po-Gewackel.
Auch die Ordnungshüter im Auto nutzten die Zeit und bauten ihre mobile Küche auf. Binnen Minuten gab es erstmal heisse Nudeln für Alle, dazu einen frischen Kaffee und erneut Kekse.
Es sollte letztlich bis 2:00 Uhr nachts dauern - die Reparatur war fertig, zum Camp waren es nur noch ca. 80 Kilometer. Gegen 3:30 Uhr wurde das Camp schliesslich erreicht, alle waren hundemüde, wollten nur noch ins Bett - denn um 7:00 Uhr wurde schon zum Start der nächsten Etappe gerufen.
Eine Frage stellten wir uns zu Beginn des "Ordnungsamt-Tages": Verhalten sich die Ordnungshüter auch im Urlaub in Afrika korrekt - oder können sie auch über ihren Schatten springen? Raten Sie mal...nein, mit Schattenspringern hat man auch in Afrika nichts gemein.
Mit einem Schmunzeln beobachteten wir, wie jedes Verkehrszeichen strikt eingehalten wird - auch wenn es manchmal einen anderen Sinn hat als in Europa. So bedeutet z.B. das Schild "Stop - Gendarmerie" nicht, das man hier sofort stoppen soll - sondern das in einigen hundert Metern ein Kontrollpunkt kommt, an dem man dann anhalten muss. Für die Ordnungshüter war das unklar - und so standen wir des öfteren einsame Minuten an einem einsamen Schild, bis sich letztlich irgendein Polizist 300 Meter weiter erbarmte, uns wild gestikulierend doch endlich zu empfangen.
Ordnung muss eben auch in der Wüste sein - gelernt ist schliesslich gelernt. Aber der Tag mit den Jungs war schön, man fühlte sich "gut bemuttert" und fand neue Freunde - drei supernette Menschen, über die man im echten Leben und unter anderen Umständen wahrscheinlich nur fluchen würde.
Artikel vom 30.01.2009, Artikel: Redaktion/hs
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