

|

 Budapest-Bamako: "Wir lassen uns von Terrorwarnungen nicht mehr ärgern".
Die Budapest-Bamako hat in diesem Jahr stark gelitten - die Rally wurde nach Terrorwarnungen gekürzt, ein Teil der Teilnehmer fuhr dennoch auf eigene Faust nach Mali - ohne Probleme.
In den Augen des Gründers Andrew Szabo eine Katastrophe, die man anders hätte lösen können. Szabo zog die Notbremse und übernimmt die Rally wieder von den neuen Veranstaltern Andras und Thomas Polgar. Im Gespräch mit marathonrally.com berichtet Szabo über die Bamako 2010 und die "neue" Zukunft der Rally - und: Er hat die "Schnauze voll" von ewigen Terror-Warnungen.
MR: Was unterscheidet die BB von anderen Rallies und was passierte 2010?
Andrew Szabo: "Die BB ist das, was die Dakar einst war. Ein Nicht-Kommerzielles Langstreckenrennen und -Abenteuer auf schwierigen Wegen, mit schwieriger Navigation, durch Afrika und durch die Sahara. Die Dakar hat sich verändert, die Wünsche der Menschen nicht. Was die Dakar heute nicht mehr kann, wollen wir bieten - ein Abenteuer zu einem kleinen Preis.
Auch Afrika hat sich eigentlich nicht verändert. Es gibt hunderte potentielle Strecken in einer wunderschönen Landschaft inmitten überwiegend gastfreundlichen Menschen. Die BB wollte und will die Dakar für diejenigen ersetzen, die einfach nur ein finanzierbares Abenteuer unter besonderen Bedingungen suchen. In den vergangenen Jahren war das BB-Motto jeweils das, was die Teilnehmer daraus machten. Wir boten eine Rally, bei der ein "300-Euro Polski Fiat" ebenso mitfahren kann wie ein Profi-Fahrzeug.
2010 habe ich mich offiziell aus der Organisation zurückgezogen und überliess den Event einer neuen Crew, die daraus eine professionellere Rally machen wollte. Doch zwei Tage vor dem Start kam eine Terror-Warnung der ungarischen Regierung für Mali und Mauretanien. Die neuen Veranstalter änderten daraufhin die Rally und beendeten sie ausgerechnet in Agadir, aus meiner Sicht eine der hässlichsten Städte in Marokko."
MR: Hättest Du als Veranstalter anders entschieden?
Andrew Szabo: "Ja, auf jeden Fall. Die Budapest-Bamako war schon immer eine Challenge, auch in der Organisation. Wenn Du eine Düne vor Dir hast kehrst Du ja auch nicht um, man versucht rüberzukommen oder fragt Freunde, ob die einem helfen. Aber man gibt nicht auf, das ist nicht die BB. In diesem Jahr war es keine Düne, aber zwei Tage vor dem Start die Reise-Warnung der Behörden. Das haben die neuen Veranstalter aus meiner Sicht falsch gelöst."
MR: Die spanischen und portugiesischen Teilnehmer sollten in diesem Jahr extra in Budapest starten obwohl es unsinnig erschien. Wie siehst Du das?
Andrew Szabo: "Naja, wir hatten in jedem Jahr 5-10 Teams aus dem Süden Europas, die sind natürlich immer erst in Frankreich, Spanien oder Portugal dazugestossen. Nach der Änderung hatten wir nur noch einen Teilnehmer aus dem Süden - das muss nicht sein. Es macht keinen Sinn für sie, 3.000 Kilometer durch Europa zu fahren, nur um auf dem Podium zu stehen."
MR: Ok, Du hast gesagt, Du bist 2011 wieder dabei?
Andrew Szabo: "Ja. Ich habe die Rally wieder übernommen und wir wollen 2011 neu durchstarten. Die Rally erwacht gerade aus einem bösen Traum. Wir wollen im kommenden Jahr weniger Stages durch Mauretanien fahren, dafür neue Stages im Senegal schaffen. Mein Traum ist es, den berühmten "Lac Rosé" in Dakar einzubauen. Dazu werden wir neue Tarife einführen und die Rally attraktiver machen."
MR: Was meinst Du damit?
Andrew Szabo: "Naja, was hältst Du z.B. von "Gratis"? Wir werden eine Kategorie schaffen, in der die Teilnahme kostenlos ist. Wer z.B. ein besonders lustiges Auto mitnimmt oder mit einer Ambulanz startet (um diese zu spenden) kann so mitfahren. Dazu wird es eine "Bamako-Roadbook" Tour geben - für 300 Euro Startgeld. Das bedeutet, man bekommt die Roadbooks und kann sich der Rally anschliessen, fährt aber auf eigene Faust und man hat keinerlei Ansprüche auf die Dienstleistungen der Rally."
MR: Das klingt nach einer "Anti-Kommerzialisierung"...
Andrew Szabo: "Genau... wir wollen aus der Rally kein Geschäft machen. Die BB ist eine Legende geworden und hat viele Nachahmer gefunden, genau aus diesem Grund. Wir arbeiten quasi wie eine private Expedition, nur eben in der Gruppe. Gemeinsame Geschichten am Lagerfeuer, neue Freunschaften etc. sind uns wichtiger als Sieger und Vermarktung."
MR: Aber was, wenn wieder eine Terror-Warnung kommt?
Andrew Szabo: "Ich glaube, jeder der an so einer Veranstaltung teilnimmt weiss, das wir keine "Urlaubsfahrt nach Malaga" machen. Nur weil Terroristen ein Flugzeug in die Luft sprengen, stellt man die Luftfahrt nicht ein. Man verbessert die Sicherheit.
Ein Grossteil der Teilnehmer ist trotz der Warnung nach Mali gefahren, ohne Probleme. Wir hatten 15 Fahrzeuge des Militärs dabei - jedes Camp wurde bewacht, wie auch schon 2009, Ihr wart selbst dabei. Ein Organisator muss eben für mehr Sicherheit sorgen. 100 Prozent sind nie möglich, aber wir leben in einer Demokratie und müssen uns nicht vorschreiben lassen, wie wir unsere Freizeit verbringen sollen."
MR: Wie soll es nun 2011 weitergehen?
Andrew Szabo: "Es wird drei Kategorien geben, aber alle drei haben die Navigation und das Abenteuer im Vordergrund. In der Racing Kategorie geht es durch unterschiedliches Gelände, mit kniffliger Navigation, aber eher als Gleichmässigkeitsprüfung denn einem gezeiteten Rennen. Dann gibt es die Touring Kategorie für alle, die einfach nur auf der Strasse mit nach Bamako fahren wollen. Als Ergänzung gibt es die Adventure Kategorie, die entspricht in etwa der Touring-Gruppe, kann aber auch mit normalen Pkw ohne Allrad gefahren werden."
MR: Warum wird wieder Speed rausgenommen?
Andrew Szabo: "Naja, wir hatten - nur in Marokko - mehrere schwere Unfälle, ein Teilnehmer hat sich sogar das Genick gebrochen, aber überlebt. Auf der inoffiziellen Route nach Bamako hingegen gab es nicht einen Unfall. Wir wollen Spass und Abenteuer und keine Verletzten oder gar Tote."
MR: Was willst Du noch ändern?
Andrew Szabo: "Als Erstes werden wir die Wertungen in Europa einstellen, damit auch Teilnehmer aus dem Süden Europas mitfahren können, ohne Punkte in Europa zu verlieren. Zudem nehmen wir so ein wenig den Zeitdruck raus. Zudem wollen wir ein Überwachungssystem für die Fahrzeuge einführen, zum einen um besser auswerten zu können aber hauptsächlich, um mehr Sicherheit zu schaffen."
MR: Gerüchten nach hast Du noch mehr vor?
Andrew Szabo: "Ja, wir planen eine eventuelle Sommer-Abenteur-Rally entlang der Seidenstrasse, Start ist in Budapest, Ziel in Bishkek in Kyrgyzstan. Aber es ist noch zu früh darüber zu sprechen..."
2010/03/07 | 13:20 CET | Editor: MR/HS


|

|