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 El Chott Tunisia BLOG: Vortour beendet - das "neue" Tunesien wartet.
Während sich die FIA-Profis auf den Start der "OiLibya Rally of Tunisia" vorbereiten, hat jüngst auch die Lizenz-freie Alternative "El Chott" die Vortour beendet und kommt mit vielen Eindrücken aus dem "neuen" Tunesien zurück. Veranstalter Jörg Schumann hat die Erlebnisse emotional sehr schön zusammengefasst, so das wir uns entschieden haben, den (fast) vollen Wortlaut abzudrucken. Die Ergebnisse der Vortour fassen wir in der kommenden Woche gesondert zusammen.
Von Jörg Schumann: "Mit fünf Teams, zwei Fahrzeuge ausgerüstet für den extremen Einsatz in den Dünen, haben wir uns nach Tunesien auf den Weg gemacht. Auf der Fähre bestätigte sich unser erster Eindruck vom Hafen in Genua: Es waren kaum Touristen an Bord. Neben unserem Team lediglich eine zweite Expeditionsgruppe aus Deutschland mit ca. 20 Personen, keine Franzosen, keine Italiener. Insgesamt ein verlorenes Grüppchen im Speisesaal.
Dieses Erlebnis wiederholte sich Tag für Tag: Das beste Haus am Platz in Gabes: Fast leer. Im Touareg in Douz: 3 Zimmer belegt. Die Starwars-Kulissen ohne Besucher. In Ksar Ghilane: 4 Franzosen, die einzigen Gäste ausser uns. Kein Bäcker, keine Karavanen, keine Quadtouren. Resümee: Ein Tourismusland ohne Einnahmen. Und das völlig grundlos.
Ausser einigen mutwillig beschädigten Zäunen und Häusern, vermutlich von besonders Getreuen des Ben-Ali-Regiemes, deutete nichts auf die vergangenen Unruhen hin. Die wichtigen Kreuzungen und Kreisverkehre werden wie eh und je von der Polizei kontrolliert, ebenso wie die dort durchfahrenden Einheimischen.
Die Tatsache, dass besonders im Süden einige wichtige Verkehrsknoten vom Militär bewacht werden, hängt mit den Ereignissen in Libyen und den von dort kommenden Flüchtlingen zusammen, owohl auch davon noch nicht einmal in Remada etwas zu sehen war. Und damit sind wir auch schon im Sperrgebiet: Genehmigungen und Einreise nach der gleichen Prozedur wie in den letzten Jahren. Lediglich die begleitenden Militärs waren besonders jung. Die erfahreneren Dienstgrade sind an die libysche Grenze abkommandiert.
An- und Abreise auf El Borma- und Pipelinepiste fanden, abgesehen von einigen Trucks, ohne jegliche Fahrzeugbegegnungen statt. Und die Unterbringung im Camp Oasis war ebenso exclusiv, denn wir waren auch hier seit langem die ersten Gäste.
Wir, und damit meine ich alle Aussenstehenden, Politiker, Beobachter, frühere und künftige Tunesien-Touristen gleichermassen, können zur Unterstützung der entstehenden Demokratie in Tunesien einen wichtigen Beitrag leisten. Wirtschaftliche Hilfe durch zügiges Wiederankurbeln des Tourismus. Auf alle guten Ratschläge, westlichen Vorbilder und sonstigen Absichtserklärungen können die Tunesier gut verzichten.
Nach Fernsehbildern von Aufstand und Chaos sollte es jetzt unbedingt Bilder von buntem arabischem Alltagsleben und selbstbewussten jungen Leuten geben. Ich finde, das ist ebenso eine Nachricht wert.
Unser Guide im Sperrgebiet, Mohamed Gaydi, erklärte: "Uns geht es in Tunesien derzeit nicht besser oder schlechter als unter Ben Ali, wir werden wie eh und je von der Polizei kontrolliert, aber wir werden dabei mit Respekt behandelt und wir müssen keine Angst mehr haben, etwas zu tun oder zu sagen, was die Obrigkeit gegen uns aufbringen könnte. Ich lebe wie bisher auch, aber mit mehr Stolz, ich trage meinen Kopf etwas höher."
2011/04/30 | 16:12 CET | ARTICLE: MR/SY/SCHUMANN


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