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 | Erg Oriental: El Borma Jubel und -Frust Montag und Dienstag |
 Sie haben es bereits im Ticker gelesen - die zweite grosse Runde, die für den Dienstag vorgesehen war, wurde gecancelt und die Teilnehmer gebeten, das Sperrgebiet zu verlassen. Als Begründung wurde ein Vorfall in Algerien nahe der tunesischen Grenze genannt, man könne die Sicherheit der Teilnehmer nicht weiter garantieren. Daher wurde umgeplant, es ging am Dienstag auf der Piste in "Fast Speed" zurück nach Ksar Ghilane, von dort aus starten die Teilnehmer mit einem letzten Dünenkurs am Mittwoch nach Douz.
Doch zum Montag - denn diese Etappe bewies, warum man in den Süden nach El Borma wollte. Direkt vor dem Camp wurde gestartet, es ging über 247 Kilometer in einen grossen Rundkurs, der zweimal bewältigt werden musste. Schnelle Pisten wechselten sich mit hohen und langgezogenen Dünen ab, deren Sand erstaunlich weich war. Wer gut "Dünen lesen" konnte kam super durch - wer darin noch nicht soviel Erfahrung hatte, musste umso mehr buddeln...
Alles richtig machten Dr. Ulli Müller und Willi Janke im Toyota Land Cruiser. Nach ihrem verpatzten zweiten Platz am Sonntag arbeiteten beide diesmal perfekt zusammen, Müller bewies seine wahren Fahrkünste und Janke navigierte perfekt. Mit 5:12 Stunden beendeten sie die Etappe trotz kurzer Tankpause (!) als Erste und zudem endlich einmal ohne Strafzeiten - verhältnismässig knapp vor dem Land Rover Defender des Ehepaares Windfeder (5:29 Stunden) und dem österreichischen Duo Gorecki/Gorecki (Toyota, 5:45 Stunden), das seit einigen Tagen ungeahnte Dünen-Fahrkünste entwickelt und sich kontinuierlich nach vorne kämpft. Karl Heinz Porschen und Steffen Körver (Käfer-Range Rover) kamen als Vierte über die Ziellinie, führen aber dennoch die Gesamtwertung mit grossem Vorsprung an.
Gleich zwei Pkw-Teams, die an vorderster Front kämpften, erwischte es gestern - und alle Chancen auf einen eventuellen Sieg sind definitiv dahin. Vorjahressieger Stephan Arendt musste mitten in der Strecke anhalten und den Explona-Notruf auslösen, weil sein Beifahrer Thorsten Giering kollabiert war. Das Explona-System funktionierte wieder perfekt, alarmierte die Organisation im Camp und Rallychef Jörg Steinhäuser via SMS über den Alarm, Nach nur wenigen Minuten war die ORMS-Rettung vor Ort und versorgte den Beifahrer, der zuvor über mehrere Minuten an einer Buddel-Aktion beteiligt war, die wahrscheinlich als Auslöser für den Zusammenbruch zählt. ORMS-Chef Klaus Spörl nahm Giering schliesslich ins Camp mit, schon am Abend war der Navigator wieder fit. Als Zweiten erwischte es Frank Tinla (Land Rover Defender), der mit einem defekten Turbolader liegenblieb und die Etappe als Letzter beendete.
Die einhellige Meinung bei Allen: Das war eine Super-Etappe! "Wir haben unheimlich Spass gehabt" sagt Land Rover Pilot Markus Lampert am Abend, "vor allem die hohen Dünen und steilen Abfahrten waren klasse. Auch wenn es manchmal knifflig war, wir haben immer unseren eigenen Weg gesucht und sind nicht den Spuren gefolgt, dann macht es am meisten Spass."
Bei den "Grossen Jungs" machten erwartungsgemäss wieder Martin Mikulencak und Mila Janacek im Racing-Hummer H1 den Tagessieg klar und behaupten weiter ihre Führung in der Lkw-Wertung. Doch nicht nur das, beide waren eigentlich das zweitschnellste Fahrzeug im Rennen, bekamen aber eine Zeitstrafe wegen der Inanspruchnahme der Buggy-Tankstelle und liehen sich Sprit von den Buggy-Mädels. "Es war Wahnsinn, wir haben den Tank beim Leerlaufen beobachten können" berichtet Martin, "das ging aber allen Teilnehmern so. Viele sind zum Tanken reingefahren, wir haben es nur zur Buggy-Tankstelle geschafft."
Auch die Svobodas im Renn-Tatra kämpften mit dem lieben Sprit - aber nicht wegen des Verbrauches. "Wir haben zwei Tanks am Lkw und wollten umschalten - doch irgendwie haben wir den Zulauf zwischen den Tanks abgerissen und der ganze Sprit lief nach und nach aus" meint Fahrer Frantisek Svoboda. "Zum Glück ist unser Tatra ein Allesfresser, wir haben den Tank dann mit Motoröl gefüllt und sind gerade noch bis zur Tankstelle im Camp gekommen, dann sprang er nicht mehr an." Wenigstens hielt die Kabine des Tatra, deren Aufhängung die ganze Nacht hindurch gefixt wurde.
Was man so alles in der Wüste erledigen kann bewiesen Dirk Ortmann und Reinhard Felseis im alten "Steini"-Land Cruiser. "Wir hatten Probleme mit einer abgerissenen Ölleitung, alle Reparaturversuche brachten nichts, weil kein Ersatzteil, Schlauch oder Schelle dem Öldruck lange standhielt. In El Borma gibt es einen grossen Schrottplatz mit fast Allem, was das Herz begehrt. Nach vielem Bitten und Betteln durften wir uns mitten in der Nacht umschauen und suchten nur mit Taschenlampen bewaffnet ein geeignetes Teil. Wir fanden allerdings nur Mitsubishi-Zubehör, was letztlich nicht am Toyota laufen wollte" erzählt Ortmann. "Am Morgen sind wir dann in eine kleine Werkstatt der Ölbohrfirma gefahren, die konnten und dann helfen und haben den Toyo repariert. Leider reichte es dann nicht mehr für eine volle Etappe."
Bei den Buggies fuhren wieder die beiden Mädels Annett Fischer und Katrin Sophia Wustmann wie die Weltmeister, schonten kein bisschen das Material und liessen es woimmer es ging ordentlich krachen oder fliegen. Trotz einer Reparatur zwischen den beiden Runden kamen sie als einziger Buggy komplett durch, beendeten die Etappe in 9:04 Stunden. Titus und Julius Dittmann führten das Feld für kurze Zeit sogar an, doch dann stoppte der tiefe Dünensand den Vorwärtsdrang. Ein schlechter Tag hingegen für das Varelmann-Ehepaar: Auch ihr Buggy gab heute ganz den Geist auf, beide sind wie auch Ullrich Varelmanns Bruder Stephan ganz aus dem Rennen.
Apropos Skater-Legende Titus, der ist wie immer für eine besondere Geschichte gut. "Wir hatten einen Defekt am Antrieb, es ging nur noch ein Rad. Also bin ich nebenher gelaufen, um Gewicht zu sparen. Doch mein Sohn Julius war zu schnell und plötzlich hinter den Dünen verschwunden. Ich lief hinterher, hatte ihn aber aus den Augen verloren. Ich hatte mein Skateboard dabei, das als Sandblech umgebaut wurde und sah damit wohl ein wenig komisch aus. Da kam der Hummer von Martin und Mila und beide fragten mich völlig perplex, warum ich denn mit einem Skateboard durch die Wüste laufen würde - sie hatten schon eine Fata Morgana vermutet. Ich erklärte die Situation und beide beschlossen, mich beim nächsten CP abzuliefern, damit mir nichts passiert. Ich stieg in den Hummer ein, wir fuhren los und passierten nach vier Kilometern meinen Sohn, der wohl auf mich wartete und den Daumen hoch zeigte. Ich winkte, aber er sah mich nicht und so fuhren wir weiter. Weil Julius nach einer Ewigkeit immer noch nicht am CP ankam, lief ich von dort in die Dünen zurück. Dummerweise hatte er tatsächlich nicht bemerkt, das ich im Hummer sass und wartete immer noch. Ich bin in meinem Leben noch nicht soviel durch die Dünen gelaufen...aber auch so kann man abnehmen."
Am Abend dann die Überraschung bei der Fahrerbesprechung: Die 8. Etappe am Dienstag wird gecancelt, genaue Informationen folgen am Dienstag Morgen. So kam es dann auch, Fahrerbriefing um 11:00 Uhr und die Bekanntgabe, das man auf der Piste in Wertung nach Ksar Ghilane fahren würde. In Highspeed startete man dann gegen 11:45 Uhr auf die Piste, die Soldaten öffneten alle Schlagbäume und mit Highspeed ging es bis zum Grenz-Posten des Sperrgebietes knapp über Bir Aouine, hier wurde schliesslich das Ziel aufgebaut. Nach dem letzten Stand gewannen Ulli Müller und Willi Janke die Etappe erneut, alle Details folgen am Mittwoch.
Von Ksar Ghilane geht es in einer "neuen-alten" Ersatz-Route (in etwa die 2. Etappe rückwärts) am Mittwoch Morgen nach Douz, dabei ist eine Vorgabezeit von sieben Stunden angesetzt. "Es wird lange dauern, aber die Schnellsten könnten bereits gegen 13:00 Uhr in Douz ankommen" berichtet Ralf Müller, der die Strecke gemeinsam mit dem Rennleiter heute abfuhr.
Artikel vom 10.11.2009, Fotos: Redaktion/hs/Jan Holtz

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