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 | Erg Oriental: Erster Rallytag in der Dunkelheit beendet |
 Keine Pause - am ersten Rallytag (Montag) ging es gleich "ans Eingemachte". Nach dem obligatorischen Startfoto vor dem Hotel wartete zuerst eine 310 Kilometer lange Überführung, der Start sollte gegen 14:30 Uhr nahe der Stadt El Hamma stattfinden. Doch 300 Kilometer in Tunesien sind nicht wie in Deutschland - und so kamen Viele mit einiger Verspätung zum Start.
Die Wertungsstrecke selbst war mit 127 Kilometern von El Hamma nach Douz eigentlich relativ überschaubar - doch die Tücken verbargen sich gegen Ende der Etappe. Zu Beginn waren vor allem die Navigatoren gefragt, schnelle Pisten mit teils kniffligen Abzweigen, hier konnten erfahrene Veteranen wie Willi Janke punkten, der nach der Sahara Masters vor einer Woche gleich hiergeblieben war um auch auf der Erg Oriental mit Dr. Ulli Müller (Toyota Land Cruiser) zu starten. Ca. 20 Kilometer vor dem Ziel gingen die Pisten in sandige Kamelgrasfelder über - es folgten ein paar Kilometer kleine aber extrem weiche Dünen. Es sollte ein langer Abend werden...
"Das Fahrerfeld war eigentlich total auseinandergerissen" berichtet Buggy-Pilotin Annett Fischer, "als die Dünen dann anfingen, steckten die Teilnehmer überall, Wir sind - anders als unsere Borossi-Kollegen - prima durchgekommen, waren am Ende der schnellste Buggy." Die "Buggy-Brothers" Varelmann sowie Skater-Legende "Tito" hatten mit technischen Problemen zu kämpfen, Tito musste letztlich herausgeschleppt werden. "Das habe ich gemacht" berichtet eine stolze Heike Elfenthal, die das erste mal (mit einem serienmässigen Toyota HZJ) als Teilnehmerin bei einer Rally gestartet ist. "Wir haben uns nicht einmal festgefahren, dafür den Buggy rausgezogen und auch einen festgefahrenen Medical, das ist doch super für das erste mal."
Der einzige Motorrad-Pilot in Wertung schaffte es mit letzter Kraft ins Ziel - aber nicht aus Erschöpfung, sondern wegen akuten Spritmangels. "Es war wirklich der letzte Tropfen" berichtet Michael Hanniger, "zum Glück haben mich die Daktec-Jungs im Ziel aufgetankt. Ansonsten war die Strecke schön, am Ende knifflig aber prima."
Im Ziel wartete die Organisation, wartete und wartete. Nur ein einziger Teilnehmer schaffte es noch bei Tageslicht ins Ziel, allerdings von der falschen Seite. Das tschechische Tatra-Team verblies erst alle Teilnehmer auf der Piste, führte dann das Feld an - bis die Navigationstechnik ausfiel. "Wir haben dann eine Staubfahne vor uns gesehen und sind dieser gefolgt" berichtet Navigator Vaclav Svoboda, "dummerweise war das der Rallychef Steini, der eine Abkürzung fuhr. So sind wir dann auf der Strasse gelandet und von der falschen Seite zum Ziel gefahren." Dafür durften Fans und Organisation dann in den Genuss des technischen Rally-Meisterwerks kommen... Fahrer Frantisek Svoboda nutzte die Wartezeit, um noch ein wenig in den Dünen zu spielen - aber nicht im Schrittempo, sondern mit geballter Kraft und mit bis zu 150 km/h. Wer wollte durfte eine Runde mitfahren - und das nutzen Viele.
Ein anderer Tscheche führte das Feld lange an: Der ehemalige FIA-Weltmeister Mila Janacek, unterwegs in einem der vier Rally-Hummer H2 (von 12 Hummern insgesamt). "Die ersten 108 Kilometer waren geil, wir haben uns ganz nach vorne gekämpft und das Feld lange angeführt. Doch dann kamen die Dünen - und wir haben uns wie Anfänger benommen. Luftdruck: Voll. Elektronische Helferlein: Alle an. Es kam was kommen musste, wir steckten richtig tief drin, mussten den H2 dreimal ausbuddeln. Jetzt wollen wir nur noch ins Bett!"
Im Konvoi kamen die meisten Teilnehmer ins Ziel, suchten sich gemeinsam ihren Weg durch die dunklen Dünen. Schnellster im Ziel und davon völlig überrascht: Quad-Pilot Gerhard Arzberger. "Entschuldigt bitte, das Ihr auf mich wartet - aber ich musste eine Stunde lang mein Quad reparieren" erklärte er fast schon enttäuscht kurz vor dem Ziel beim Presseauto, das mit Blaulicht (wie auch die Medicals) den richtigen Weg zum Ziel in der Dunkelheit wies. "Nein, Du bist nicht der Letzte - Du bist der Erste!!!" entgegnete man ihm... völlig überrascht liess er einen Jubelschrei los und driftete vergnügt die letzten Meter zum Ziel.
Die gute Nachricht: Gegen 21:10 Uhr waren alle fehlenden Teilnehmer lokalisiert, zwei Pkw müssen heute Nacht noch vom Bergetruck von Sepp Ziegler heraus geholt werden. Die schlechte Nachricht: Der VW-Bulli von Bernd Jäger hat den ersten Rallytag nicht überlebt - Motorschaden auf der Piste. Durch die späte Ankunft der Teilnehmer lagen zudem gegen Redaktionsschluss noch keine Ergebnisse vor, diese reichen wir nach.
Am Dienstag geht es von Douz direkt weiter ins Camp Mars nahe des berühmten Tempelberges. Von 175 Kilometern insgesamt sind lediglich 2 Kilometer als Überführung ausgeschrieben - dafür locken im Roadbook eine Menge Dünen...
Artikel vom 02.11.2009, Artikel: Redaktion/hs

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