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Erg Oriental: Härte am Donnerstag, Highspeed am Freitag






Am Donnerstag wurde es (wie kurz berichtet) auf der vierten Etappe nochmals richtig heftig. Knapp 120 Kilometer sollten in zwei Runden bewältigt werden, zuerst hiess es "Mix aus Pisten und Dünen", doch "da waren keine Pisten" wie Land Rover Pilot und Vorjahressieger Stephan Arendt berichtete. "Es war brutal, viele kleine und grossen Dünen, viel sehr weicher Sand und erneut steile Anstiege. Gefühlt hatten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h."

Für die erste Runde hatte die Rennleitung fünf Stunden vorgegeben, für die zweite Runde vier Stunden. Doch die Vorgabezeiten waren wie in den ersten Tagen für die Amateure kaum zu schaffen. Wer die erste Runde nicht in der Vorgabezeit beendete, sollte herausfahren. Es zeigte sich: Keiner schaffte die Zeit. Tagessieger bei den Pkw waren erneut die Kölner Karl-Heinz Porschen und Stephan Körver, die nach 5:31 Stunden aus der Strecke kamen - satte drei Stunden vor Arendt/Giering, die allerdings mit den Teamkollegen Tinla/Ehlermann und Windfeder/Windfeder zusammenfuhren und immer Rücksicht auf den Langsamsten nahmen. Nur sieben Fahrzeuge blieben unter 10 Stunden, danach wurden die Zeiten ausschliesslich durch Strafzeiten entschieden.

"Das ist ein Rally Trial Tunesien" witzelte Land Rover Navigator Ralf Ehlermann am Abend, "ein extrem hoher Anspruch, aber auch sehr schön. Ich liebe die Wüste und den Sand, bin bei vielen FIA-Rallys dabei gewesen - dort habe ich aber noch nie einen solchen Schwiergkeitsgrad erlebt. Wir blieben als Gruppe zusammen und hatten unseren Spass, doch eine zweite Runde wäre nicht machbar gewesen."

Letztlich entschied die Rennleitung, die Etappe nach der ersten Runde abzubrechen, da ansonsten kein Teilnehmer das Ziel bei Tageslicht erreicht hätte. "Sicherheit geht nunmal vor" meint Jörg Schumann, "lieber alle Teilnehmer wohlbehalten im Ziel als eine Rally die steht, weil nichts mehr geht."

Pech beim Team Lampert/Lampert aus Österreich, sie blieben mit einer defekten Achse liegen, konnten den Land Rover Defender aber am Abend reparieren. Wieder im Rennen waren Dr. Ulli Müller und Willi Janke im Toyota Land Cruiser, doch beide hatten mit den Dünen zu kämpfen, waren nur am Buddeln. "Ich brauche jetzt ein paar Monate keinen Sport mehr, die zusätzlichen Kilos aus einer Woche Urlaub im Aldiana-Club sind schon fast wieder weg" witzelte der GORM-T2 Deutsche Meister Janke.

Bei den Buggies schafften die beiden Mädels Annett Fischer und Katrin Wustmann die Etappe in 8:29 Stunden und bauten ihren Vorsprung als Führende der Gesamtwertung weiter aus. Die anderen drei Buggies brachen die Etappe ab. "Wir sind da einfach nicht durchgekommen, waren nur am Schaufeln" berichtet Titus Dittmann, "das war dann irgendwann einfach zu hart."

Am Freitag wurden die Teilnehmer für die ersten harten Etappen belohnt, überwiegend mit Highspeed ging es vom Tempelberg in die Oase Ksar Ghilane. Stephan Arendt und Torsten Giering konnten hier erstmals beweisen, das man mit ihnen als eventuellen Gesamtsieger rechnen muss und fuhren dem restlichen Teilnehmerfeld nahezu um die Ohren. Diesmal passte auch die Vorgabezeit und so blieben beide erstmals nicht in ihrer Land Rover Gruppe, sondern brachen aus und schafften die 147 Kilometer lange Strecke in 2:44 Stunden.

Der Käfer-Range Rover von Karl Heinz Porschen kam mit 3:11 Stunden als Zweiter ins Ziel, 56 Minuten vor den beiden Land Rovern der Teams Windfeder/Windfeder und Tinla/Ehlermann. Die Besonderheit: Frank Tinla legte seinen Defender 90 kurz vor dem Ziel auf die Seite, nachdem ein Einschlag auf einen Stein das Auto ins Schleudern brachte. Porschen sowie der Windfeder-Landy richteten den 90er kurzerhand wieder auf, ausser Blechschaden passierte zum Glück nichts. Am Abend sah man das Unfall-Duo fleissig hämmern und dengeln - nur die Frontscheibe muss jetzt noch ersetzt werden.

Bei den Buggies entschieden erstmals Ullrich und Eva Varelmann die Etappe für sich - und das, obwohl sie sich gefühlt eigentlich verfahren hatten. Umso mehr Freude, als man vom Tagessieg erfuhr. Knapp 10 Minuten später kamen Vater und Sohn Dittmann überglücklich ins Ziel. "Juhu, das ist die erste Etappe, bei der wir auch angekommen sind" freute sich Titus Dittmann überschwenglich, "heute gebe ich einen aus!" Beide sorgten im Ziel noch für Action: Sie hatten das Ziel falsch angefahren, standen im tiefen Sand einen Meter vor der Ziellinie. "Ich will das hier korrekt beenden" entschloss Titus Dittmann - und so schob man den Buggy kurzerhand zurück aus dem Sand und fuhr eine Ehrenrunde, um auch ja nicht falsch ins Ziel zu kommen.

Richtig "Schrott" gab es beim Buggy von Stefan Varelmann. Mitten in der Strecke zerlegte sich der hintere Rahmen des Borossi, als Kettenreaktion riss so ziemlich alles ab, was ging. "Es war ein richtiger Akt, den Buggy auf den Berger und wieder herunter zu bekommen" meint Varelmann, "durch den Transport wurde der Schaden dann auch nicht besser." Servicemann Karl-Heinz Müller gab schliesslich Alles: "Den bekommen wir wieder hin, auch wenn wir richtig arbeiten und schweissen müssen."

Fast schon Tränen gab es gestern bei Hubert Platz - Fahrer der Magirus Feuerwehr. Sein geliebter Oldtimer kam am Abend ziemlich ramponiert ins Camp, die Frontscheibe kaputt, die Motorhaube eingedrückt, ein Scheinwerfer kaputt und die gesamte Heckbeleuchtung abgerissen. "Ich blieb in einer Düne stecken, nichts ging mehr. Wir haben gebuddelt wie die Weltmeister, aber dann mussten wir den Berger rufen" berichtet Platz. Der nahm die Feuerwehr an den Haken und zog sie aus dem Dünenfeld. "Hinter einer Düne blieb er dann stehen, wir bremsten aber kamen ins Rutschen und prallten voll auf der MAN Kat. Wir haben mit Vielem gerechnet, aber nicht damit..."

Richtig Freude kam am Freitag bei den vier Racing-Hummern aus Tschechien auf. "Wir konnten heute endlich mal richtig Gas geben" berichtet FIA-Weltmeister Mila Janacek, auch wenn der Hummer eigentlich kein richtiges Rallyfahrzeug ist. Wir sind nur wenige Minuten nach dem Käfer-Range von Karl-Heinz ins Ziel gekommen, das war richtig klasse." Auch der Tatra der Svobodas liess es ordentlich krachen, schaffte die Strecke in 04:23 Stunden. "Wahnsinn, wir haben teilweise 150 km/h erreicht" berichtet Vaclav Svoboda am Abend.

Am Samstag herrscht "Ruhe im Camp" - naja, zumindest dort wo nicht repariert wird. Der Ruhetag sorgt für Entspannung und die Möglichkeit, die Fahrzeuge wieder zu fixen, am Sonntag geht es dann von Ksar Ghilane runter nach El Borma - es locken die "richtigen" Dünen, teils mehrere hundert Meter hoch und mit Speed zu fahren.

Artikel vom 07.11.2009, Artikel: Redaktion/hs/Jan Holtz








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