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 Grand Erg: Rally sagt ab - offizielle Begründung wegen Sicherheit in Tunesien.
 |  | | Viele werden es schon über Facebook etc. erfahren haben, wir haben bewusst gewartet um den "Schock" zu verdauen: Die "Grand Erg" Tunesien Rally, erst von Mai in den September verschoben, sagt ab. Die Entscheidung der Organisation kommt überraschend.
Als Hintergrund wird die fehlende Sicherheit in Tunesien angegeben. Das mag aus der einen Sicht verständlich sein, kommt jedoch in einer Zeit, in der alle um die Wiederbelebung des Landes kämpfen, eher deplatziert.
Aktuell läuft die FIA-Veranstaltung "OiLibya Rally of Tunisia" problemlos, auch die "El Chott" wird problemlos geplant. Die tunesischen Behörden und Tourismus-Institute sind entsprechend "not amused" über die Aussagen des Grand Erg-Veranstalters, die inhaltlich eher als "falsche Panikmache" bezeichnet wird.
Anstatt erst im Mai und dann im September will man nun im Mai 2012 starten, alle anderen Tunesien-Veranstalter ziehen durch.
Offiziell hat man Angst vor Schiessereien im Grenzbereich, entflohenen Häftlingen und Demonstrationen. Die neu gewonnene Freiheit erlaubt es den Tunesiern nun einmal zu demonstrieren - und das ist auch legitim. Zum Start der "OiLibya Rally of Tunisia" gab es eine Demonstration im Hafen von La Goulette - ohne Probleme. Man nutzt die Anwesenheit ausländischer Presse - und feiert die neue Freiheit.
Die organisatorisch hervorragende "Grand Erg" machte schon in der Vergangenheit Schlagzeilen, da man sich als "Veranstalter der sichersten Afrika-Rally" bezeichnet - auch ohne Helikopter, mobile Krankenhäuser oder 10 Rettungsfahrzeugen wie z.B. auf der "Pharaonen Rally". Die Rettung ist mittlerweile für eine Amateur-Wüstenrally top, keine Frage. Aber man muss auch seriös bleiben.
Nachfolgend drucken wir hier den vollen Wortlaut des Grand Erg Newsletters ab (im Original). Marathonrally.com und die "Rally Raid Media Group" distanzieren sich ausdrücklich von dem Inhalt des Textes. Wir veröffentlichen den Text nur der Information halber.
Original Newsletter zur Absage der Grand Erg
Hallo Freunde der GRAND ERG, ein hirn-zermürbendes Wochenende liegt hinter uns (also dem Organisations-Komitee, ich hoffe doch, das Eurige war eher erholsam): Vergangenen Freitag erschien auf der Website von Al Jazeera die Meldung, dass sich der Libyen-Konflikt nun erstmals auch auf Tunesischem Boden in militärischer Art und Weise zeigt und diese Meldung wurde noch am selben Tag auch durch die Deutschen Medien bestätigt [ LINK ].
Nun will ich den Grund dieser email mal gleich aus dem Sack lassen und wem dann die Laune auf die Begründung darunter vergangen ist, der ist informiert, auch ohne die email bis zum bitteren Ende zu lesen: DIE GRAND ERG 2011 WIRD AUF DEN NÄCHSTEN REGULÄREN TERMIN, NÄMLICH MAI 2012 VERSCHOBEN !!!
Es ist zugegebenermassen nicht leicht, alle in den vergangenen Tagen und Wochen abgewogenen Argumente aufzuzählen (geschweige denn in der richtigen Reihenfolge), also fang ich einfach mal an:
Wir, die Organisatoren der G.E., hatten von Anfang an das Thema Sicherheit ganz oben auf unsere Fahne geschrieben und unser diesbezüglich einzigartiges Sicherheitskonzept vom Overkill des Medical Teams über eine wahnsinns Orga-Truppe bis hin zum Satelliten-Telefon für jeden Teilnehmer eisern durchgezogen, auch gegen die Stimmen zahlreicher Spötter.
Nun ist es so, dass wir alle in diesem Jahr zu viele Faktoren sehen, die den Verlauf einer Rally negativ beeinflussen können, und die absolut NICHT in unserer Hand liegen !
Wobei "negativ beeinflussen" hier nicht unbedingt eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten soll. Schliesslich braucht es keinen militärischen Zwischenfall, um uns allen die Rally zu versauen. Es genügen viel kleinere Bausteine, um einen Rally-Tag mit schlechter Stimmung enden zu lassen (und das ist genau das Gegenteil von dem, was wir alle ja eigentlich wollen):
- Die örtlichen Behörden sagen uns spontan eine / mehrere Etappen ab? (das ist auf anderen Veranstaltungen schon mehr als 1x vorgekommen)
- Uns wird ein Auto geklaut oder aufgebrochen und der Reisekasse erleichtert?
(laut gut unterrichteten Quellen des Deutschen Auswärtigen Amtes sind Armee, Polizei und Garde National bereits jetzt mit der inneren Sicherheit des Landes überfordert und alle südlichen Städte ab Gafsa haben mit extremer Kriminalität zu kämpfen, zumal in den letzten 3 Wochen aus Gefängnissen in Gafsa, Kasserine und Umgebung ca. 1200 kriminelle Insassen geflohen sind, die jetzt alle auf den Strassen unterwegs sind. Von den bislang 120.000 libyschen Flüchtlingen gar nicht zu reden, die bis heute nach Tunesien ausgewandert sind und von denen sicherlich nur ein geringer Bruchteil einen festen Wohnsitz und einen ehrlichen Geld-Erwerb gefunden hat)
- Wir geraten zufällig in eine Demonstration, bei der es zu Ausschreitungen kommt ? (Wer Kontakte nach Tunesien hat, der weiss selbst, dass zur Zeit fast täglich in irgendeiner Stadt, durch die uns die Rally zwangsläufig führen würde, spontane und nicht immer friedliche Demos stattfinden und mir selbst wird ja schon flau im Magen, wenn ich in Deutschland in ne Menge von 100 gröhlenden Fussball-Fans gerate.)
Die oben genannte Zeitungs-Meldung zeigt, dass sich die Lage, auch in Tunesien, ganz schnell ändern kann. Und die von den Libyern beschossene Stadt liegt gerade mal 40 km entfernt von Remada und auch unser Camp Zmela ist gerade mal 130 km bzw. Tataouinne 100 km weit weg !
Ich weiss nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn ich am Abend in Zmela bei nem gemütlichen Deutschen Bier sitze und im Hintergrund Artillerie-Donner zu hören ist oder am Himmel ein Nato-Bomber nach Nalut fliegt...
Das Galgen-Humor-Statement eines Freundes "na dann müsst Ihr Euch halt grosse Deutschland-Flaggen aufs Dach lackieren und solltet beim Aussencamp lieber kein Lagerfeuer machen..." drückt vielleicht DAS ganz gut aus, was ich persönlich NICHT will: Dass irgendjemand mit nem Scheiss-Gefühl von der Rally nach Hause fährt !!!
Wir wollen dort unseren Spass haben (ein anderes Argument gibt es für jedwede Motorsport-Aktivität ohnehin nicht) und wenn in einer Entfernung, die wir mit unseren Boliden in nicht mal 2 Stunden zurücklegen könnten, Bomben fallen, Menschen sterben, Flüchtlinge um ihr Leben bangen, dann hätte vermutlich das leckere Steak von Karls Küchen-Crew und das eiskalte Bier vom Fass einen reichlich schalen Beigeschmack.
Die Entscheidung ist nicht leicht gefallen und ich freue mich ausdrücklich NICHT auf die zahlreichen WEICHEI-Rufe, die ich jetzt schon im Voraus hören kann, aber als Veranstalter der sichersten Afrika-Rallye können wir unser Verantwortungsbewusstsein auch mit diesem möglicherweise unpopulären Schritt unter Beweis stellen (es ist ja auch durchaus mannhaft, seinen Bar-Nachbarn VOR dem 32ten Bier mal ins Bett zu schicken, wenn man sieht, dass er nicht mehr kann, oder ?)
Würde mich über Feedback freuen, egal ob positiv oder negativ !!!
Zerknirscht aber überzeugt, Jörg.
P.S.: messe-auftritt in bad kissingen und GE-sommerfest bleiben von der o.g. entscheidung natürlich völlig unberührt, wir freuen uns halt dann erstmal für diese beiden events auf euch !
2011/05/04 | 17:20 CET | ARTICLE: MR/SY


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