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Grand Erg SERIE: Premiere: Die Rally aus der Sicht eines Rookies (5)






Eine Premiere bei marathonrally.com: Eine Serie. Rally-Rookie (aber kein Wüstenneuling) Franz Brenken beschreibt seine erste Rallyteilnahme bei der vor wenigen Wochen beendeten "Marathonrally Grand Erg" in Tunesien. Brenken hat viel zu erzählen - und das in einer interessant-amüsanten Form, so das wir uns entschlossen haben, nichts wegzulassen und seinen Bericht in kleinen Teilen als Serie zu veröffentlichen. Nebenbei verkürzen wir so ein wenig die Wartezeit auf die Dresden-Breslau 2007.

Hier nun Teil 5 - der letzte Teil - des Rallyberichts von Franz Brenken (es handelt sich hierbei um die Geschichte und Meinung eines Teilnehmers und stellt daher nicht zwingend die Meinung der Redaktion dar. Aus diesem Grund sind die entsprechenden Passagen in kursiv gehalten):

Etappe 6) Douz - Douz

Für den nächsten Tag war ein wenig ausschlafen angesagt - Start war erst um 10:00 Uhr und die Strecke betrug nur moderate 81 Kilometer, die allerdings fast ohne GPS-Koordinaten rein nach Roadbook / Tripmaster zu fahren waren. Wir hatten bereits unser Maximum erreicht - weiter nach vorne konnten wir aufgrund der Strafstunden der ersten zwei Tage nicht mehr kommen. Also galt es unsere Gesamtposition zu halten und das Auto etwas zu schonen - was allerdings immer nur in der Theorie gelingt (mir zumindest - praktisch ist dann doch der Ehrgeiz wieder da, Gas zu geben).

Wir durften wieder als Erste starten. Die ersten Kilometer waren Pisten bzw gespurte Pfade, dann jedoch kam ein Punkt, wo mein Navigator schier verzweifelte. Wir fuhren diesen Punkt dreimal neu an, und immer wieder fehlte uns ein Anschluss an die nächste Abbiegemöglichkeit. Leider konnten zwei Fahrzeuge diese unsere Irritation nutzen. Da wir einfach nicht klarkamen mit diesem Punkt bzw. dem weiteren Verlauf, folgten wir den beiden blind, bis wir in der Ferne eine DK sahen, die wir dann, weil die anderen beiden sich zwischenzeitlich auch etwas verfranzt hatten, als erste anfuhren. Dank der danach kommenden Strassenquerung hatten wir im Roadbook wieder einen Ansatzpunkt, dem wir dann folgen konnten. Was aber bis dahin geschehen war, dass wir mit dem Roadbook nicht klarkamen, war uns zunächst nicht klar.

Im Dreierpack ging es dann nach bewährtem Muster weiter: Mal der eine vorne bis zur nächsten Beifahrerirritation, dann der nächste. So ging es eine Zeitlang, bis sich auf den schnellen Pisten die anderen beiden absetzen konnten - dafür war der Mole einfach nicht schnell genug. Ausserdem waren wir etwas verwirrt, weil eine extra angegebene DK nicht da stand, wo sie sein sollte. Waren wir etwa zu früh? Es nutzte nichts, wir mussten weiter, nachdem wir in alle Himmelsrichtungen gesucht hatten. 14 Minuten nach dem ersten überquerten wir dann als Dritte die Ziellinie. Dort löste sich dann das Rätsel unseres Roadbooks: Zwei Seiten klebten zusammen, so dass Andreas sie immer wieder überblätterte. Und auch das Rätsel der DK wurde gelöst: Wir waren tatsächlich zu schnell, erst nach uns wurde sie aufgebaut. Nachdem die Orga aber unsere (und die der Zwei vor uns) Tracks ausgelesen hatte und feststand, dass wir richtig gefahren waren, bekamen wir keinerlei Zeitstrafen.

Dieser Tag endete recht stressfrei - mit einem gemütlichen Grillen aus Karls Unimog und - wie immer - den obligatorischen Kölsch. (Wohlgemerkt: Alle Barbeque- und Chillout-Events ausserhalb der Hotel-Bar gingen während der ganzen Rally auf´s Haus. Wie angenehm, wenn einen der Veranstalter nicht bei jeder Kleinigkeit zur Börse greifen lässt!)


Etappe 7) Douz - Nabeul

Der letzte Rallytag - so lange wir auf die Rally gefiebert hatten, so schnell war sie vorbei. Heute erwartete uns nicht nur 76 Kilometer Speziale, sondern danach noch 400 Kilometer Verbindungsetappe nach Nabeul, dem eigentlichen Ziel.

Der Start zur Speziale lag nördlich von Douz. Wir hatten wieder das ganze Gepäck im Auto, mussten also bedenken, dass wir mit einigem Gewicht mehr auf der Hinterachse fuhren. Aber anderen ging es ebenso, darum sorgten wir uns nicht zu sehr. Wir starteten von Position 3 und fuhren lange Zeit kreuz und quer durch eine Kamelgrasebene. Hier war vor allem der Navigator gefordert - ich brauchte nur Gas geben. Irgendwann überholte uns der Pajero der Jägers - aber wo war Uli Müller?

Kaum dass wir uns die Frage gestellt hatten bekamen wir die Antwort über Funk (also doch: Funk funkt - schei.. auf die 10 Gramm!): Motorschaden, direkt 500 Meter nach dem Start. Schade - war somit unser direkter Kontrahent ausgefallen. Also folgten wir der unfreiwilligen Einladung der Jägers zum Kampf, als sie sich etwas verfuhren und wir sie dadurch wieder überholen konnten.

Nun wähnten wir uns relativ sicher, kamen wir doch ins Gebirge, wo ein Überholen erst einmal nicht möglich war. Eine tolle Strecke hatte Jörg da für uns ausgesucht, entlang durch die Pferdemaulschlucht, unterbrochen immer wieder durch kleine aber gemeine Gräben, an deren Böschung wir den Abdruck der Unterfahrschutzplatten der Vorausfahrenden erkennen konnten. Diese waren aber schon so weit vor uns, dass wir sie nicht sehen, geschweige denn überholen konnten. Aber die Jägers klebten plötzlich wieder an unserem Heck, wo wir leider keine Steinschlagschutz-Lappen mehr hatten - die lagen zerrissen im Heck unseres Autos. Irgendwo vor dem Ziel liess ich sie durch - sie waren einfach schneller und ohne Spritzlappen auf dieser steinigen Piste wäre ein Nichtdurchlassen nicht nur unfair, sondern auch gefährlich gewesen. Wir kamen als glückliche vierte ins Ziel, mit 37 Minuten Rückstand auf die Führenden.

Und der heiss-umkämpfte Gesamtsieg? Der ging verdientermassen an Frank Henning und Beifahrer Uli Leardi (Toyota Landcruiser), vor Jakoby/Untersteller (Mitsubishi Pajero). Und auch hier aufgemerkt: Nach genau 812 Kilometern Spezialetappen, die während der vergangenen Woche gefahren worden waren, trennten die beiden ersten Teams sage und schreibe 2 Minuten Fahrzeit!

Nach intensivem Schulterklopfen aller Schultern, die wir fanden - immerhin waren wir heil durch die letzte Speziale gekommen und hatten unsere erste Rally bis hierhin ohne Probleme bestanden - machten wir uns dann auf den Weg nach Nabeul. Was waren das lange Kilometer dort hinauf in den Norden. Wieder vorbei an den libyschen Dieselverkaufsstellen, vorbei an der "Fressgasse", wo kilometerlang Kamelkopf neben Schafsfell neben Schafsherde neben teuflisch scharfen Früchten usw. hing - dann endlich auf die Autobahn bis zur Abfahrt Hammamet und dort dann plötzlich noch eine ZK. Eine ZK? Ja, für das Regrouping (und tatsächlich hat hier noch ein Team, das ungenannt bleiben soll, für eine Verspätung, ausgelöst durch eigenmächtiges Hammel-Essen, 6 Strafminuten kassiert). Dort wurden alle Autos eingefangen, um dann im geordneten Konvoi mit Polizeieskorte ins Hotel zu fahren.

Was aber war das für ein Hotel, das uns da erwartete? Es wurde sehr geheimnisvoll getan, wir wussten nur, es war ein Club am Strand von Nabeul namens Aldiana. Wow - was war das dann für ein überwältigender Empfang vor einem wunderschönen Hotel. Hunderte von Menschen, die uns beklatschten, überall hingen vom Hotel angefertigte Begrüssungsbanner mit dem Rally-Logo, und das Beste: Überall waren Stände mit köstlichen Fressalien aufgebaut. Ohne Unterbrechung gings zur Sektdusche der drei Siegerautos, und dann konnte das vorbereitete Essen geplündert werden. Ich kann nicht mehr sagen, was es alles gab, aber es fehlte eigentlich an nix. Dass es noch eine Steigerung geben könnte erfuhren wir erst am Abend...

Zuerst aber bezogen wir unsere wirklich exklusiven Zimmer, erforschten den Club und genossen einen Drink an der Strandbar. Und dann kam das Abendessen - oder besser der abendliche Gang ins Schlaraffenland. Man sass unter freiem Himmel und ging nichtsahnend zum "Buffet" - diese entpuppte sich als eine Vielzahl von kleinen Ständen, hinter denen frisch gekocht, angerichtet und verziert wurde. Überall standen gefüllte Teller oder Platten rum, und es gab nichts, was es nicht gab. Wahnsinn! Ich stürzte mich also immer wieder mit neuen Tellern in das Fresslabyrinth, und entdeckte jedes Mal etwas neues. Irgendwann dann sagte das Auge "nochmal - los jetzt" aber der Bauch stöhnte "stop - aus die Maus!".

Wie um alles in der Welt sollte ich jetzt noch zur Siegerehrung und danach auch noch zur Strandparty kommen? Aber Pausen waren nicht vorgesehen, also rollten wir mit dicken Bäuchen ins Clubtheater. Dort standen sie - die begehrten Trophäen, und einmal ganz anders: Nicht wie gewohnt hochglanzpolierte Töpfe, sondern ein stilisiertes Sandblech an einen stilisierten Reifen gelehnt. Ok, am Anfang musste ich zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass es sich nicht um den Schattenschnitt eines Weltkulturerbe-Industriedenkmals handelte. Aber nach genauem Hinschauen fand ich die Idee der Umsetzung des Rally-Themas sehr gelungen.

Die Siegerehrung wurde wie angekündigt zum Wohle aller recht schnell vollzogen - ebenso die Überreichung des Abschiedsgeschenkes an Alle: Ein Gürtel mit dem Logo der Grand Erg auf der Schnalle. Herzlichen Dank dafür! Dann endlich ging es an die Strandbar zur Party. Dort warteten schon die Siegerautos auf uns und Ihre Besatzungen auf die Drinks. Bis in den frühen Morgen - genauer gesagt und auf Einzelfälle zutreffend bis zur Abfahrt - wurde gefeiert und getrunken (nur nebenbei erwähnt: "all-inclusive", wieder nix zahlen).

Am nächsten Tag schleppten wir das, was von unseren stählernen Hüllen vom Beginn der Rally noch übrig war, zu den Autos und liessen uns von ihnen auf die Fähre bringen. Die Verschiffung klappte problemlos, alle die die Rückfahrt gebucht hatten rollten an Bord. Auf dem LKW-Deck kam es dann doch noch zu einem kurzen, aber angenehmen Arbeits-Einsatz, weil der Boecken-MAN noch einige Liter Bier in seinem Bauch hatte und diese auf das Achterdeck der Fähre geschafft werden mussten. Schliesslich sollte ja nichts zurück nach Hause gebracht werden. Die Blicke der Kellner, als die ganzen Fässer an ihnen vorbeigeschleppt wurden, sind unvergessen; ebenso ihre Hände, die immer wieder aus der rückwärtigen Tür leere Gläser reichten und frisch gefüllt in selbiger verschwanden. Ein Wunder, dass das Schiff noch geradeaus fuhr...

Auch in Genua klappte alles reibungslos und auffallend schnell, so dass wir bereits kurz nach dem Anlegen mit dem grossen Heulen beginnen konnten: Dem Verabschieden. Aber auch das ging relativ schnell über die Bühne - erinnerte doch ein Hupkonzert aus dem Zollbereich daran, dass wir die Hafenausfahrt verstopften. So fuhren wir in Erinnerungen an eine wunderschöne und aufregende Woche schwelgend gen Heimat, wo wir zwei Tage später ohne irgendwelche Schäden ankamen. Es war ein tolles Abenteuer, das wir gut überstanden haben und dabei einen stolzen 6. Platz erringen konnten. Und eines ist sicher - im nächsten Jahr sind wir wieder dabei!


Das war der letzte Teil unserer Serie "Premiere: Die Rally aus der Sicht eines Rookies" - auch eine Premiere bei marathonrally.com.

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Artikel vom 28.06.2007, Artikel: marathonrally.com/hs/jr/F. Brenken

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