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 Grand Erg: Team Kastner gewinnt 1. Etappe, Einige stecken im Chott el Jerid.
Rallyreport von Jörg Russler: Zwei Stunden wird der Start nach hinten verschoben. Zwei Stunden kostbarer Schlaf für die einen. Zwei Stunden zusätzliche Reparatur-Zeit für die anderen.
Um 9:00 Uhr bricht der Konvoi quer durch Gafsa in Richtung Chott el Jerid auf - zu einem der gewaltigsten Salzseen in Nordafrika. Um punkt 12 schiessen dann endlich Harald Wurmbrand und Tim Krause als erste in ihrem Discovery durch den Sand.
Doch nach nicht einmal 10 Minuten macht die Spezial-Etappe ihrem Namen alle Ehre. Kurz nach dem Start der ersten wirklichen Rally-Etappe - als die Teilnehmer gerade ihren aufwändig vorbereiteten Lieblingen das erste Mal auf der breiten, ebenen Piste die Sporen geben können - wartet ein heimtückischer Sumpf auf blechernes Fressen. Und davon bekommt er in den nächsten Minuten reichlich.
Einer nach dem anderen unterschätzt die weisse Kruste der Wüste und sackt hoffnungslos im Schlamm ein. Erst gestern hatte es hier noch geregnet. Jetzt entkommen nur etwa die Hälfte der fast 30 Teams der bösen Falle. Der Rest klebt fest. Selbst Hilfsbereitschaft bestraft der Morast gnadenlos.
So verschlingt er sogar Walter Schneider und Chistof Brass im Unimog bis über beide Räder. Sie wollten das Tarzan-Team von Erwin Müller und Heinz Hofstätter retten. Ganz hart trifft es Ina Klaumann und Michael Oswald. Bei der Einfahrt ins Feuchtgebiet verabschiedet sich der Kühler ihres Jeeps samt Lüfterrad. Für sie geht es am Seil zum nächsten Quartier in Douz.
Doch sie sind nicht die einzigen, die heute Anspruch auf Hilfe stellen Ð und damit natürlich Strafzeiten kassieren. Beide Bergewagen haben schon am zweiten Tag in Tunesien alle Hände voll zu tun, fahren sich selbst immer wieder fest. Zieleinfahrt bei Sonnenschein? Von wegen! Dieser Tag wird lang.
Die Teams waren heiss auf die Etappe, manche allerdings zu hitzig. Denn am Ende hatten zum Auftakt nicht die erfolgsgewohnten Fahrer die Wertung in trockenen Tüchern, sondern das Vater/Sohn-Team Kastner /Kastner.
"Schön wars", der trockene Kommentar von Fahrer Georg Kastner jun. zum Tagessieg. Auch die Schlammschlacht der Kollegen liess die Österreicher unbeeindruckt. 2Wir sind dran vorbeigefahren, es war kein Problem. Die Strecke war flott zu fahren. Nur der Motor macht Probleme.2
Mit einem breiten Grinsen jagte Geburtstagskind Harry Wurmbrand als Zweiter durchs Ziel. "Piste war super, Sand war super, wir haben uns zwar zweimal vernavigiert, doch alle wieder eingeholt." Sich an der Schlammparty zu beteiligen konnten sich die Rallyefüchse dann gerade noch verkneifen - versunken sind wir nicht so tief, aber wir haben es auch fast geschafft und total reinzusuddeln."
Platz drei ging an völlig entspannte Schwaben. Ihre Taktik kein Geheimnis: "Wir lassen es jetzt langsam angehen, damit wir nicht direkt am Anfang das Auto kaputtfahren", verrät Fahrer Martin Kern. Glückwunsch, alles richtig gemacht. "Ja super, sehr gut gelaufen. Wir sind zwar auch in den Sandmorast gekommen, wo die drei Andernen schon drinsteckten, aber wir haben es mit schlittern und ausbrechen zum Gück durchgeschafft," so Navigator Martin Geis.
Die Goldmedaille verlieh Russler auf dieser Etappe dem LKW-Team Briz/Briz für ausserordentliche Lernfähigkeit. 2010 waren sie im Salzsee noch versunken, dieses Mal glitt der LKW durch, liessen zahlreiche Spitzenteams hinter sich und rasten als achtes Team durch die Zeitschranke. "Heute hat's gut geklappt, nix kaputtgemacht und nur zwei Mal verfahren", strahlte Jutta Btritz mit Blick aufs gute Ergebnis.
Die Zitrone des Tages geht an Christian Mühlbach und Thomas Bergler. Sie hatte Orgachef Russler durchaus als Mit-Aspiranten um den Gesamtsieg auf der Rechnung.
Doch schon 1 Kilometer nach dem Start war "Schluss mit lustig". Die Drehstabaufnahme war gebrochen und das Fahrzeug humpelte nach Douze. An einen Platz auf dem Podest ist wohl nicht mehr zu denken, nachdem das Team durch die verpassten Kontrollen und Zeitnahmen saftige Strafzeiten kassierten. Rallyreport Ende
2012/04/25 | 22:31 CET | ARTICLE: MR/SY/RUSSLER








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