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 Grand Erg: Weitere Teilnehmer kommen am 5. Tag aus den Dünen, aber...
Rallyreport by Jörg Russler: Tag 5. Es ist fünf vor zwölf am Mittag. Gleich ertönt der nach hinten verschobene Startschuss für die 5. Etappe der Tunesien Rally "Grand Erg".
Doch seit der Nacht ist noch niemand von den gestern im Dünenmeer verschollenen Teilnehmern im Aussencamp angekommen. Nur die fünf Teams, die das Ziel erreichten, rollen nun zur Hüpfburg - dem legendären Startertor der Rally.
Doch was ist das? Eine Staubwolke erscheint am Horizont. Ein Teilnehmerfahrzeug. Schnell kommt es näher. Und die gelbe Plane auf der Ladefläche identifiziert das Wunder schon von weitem. Es sind die Kastners in ihrem HZJ Toyota. Der Jubel im Camp ist gross, als die beiden Österreicher eine Minute vor Start direkt zur Rennleitung rollen.
Die beiden haben tatsächlich die Nacht ohne Zelt in der Wüste geschlafen. Als Rally-Boss Jörg Russler den beiden völlig versandeten Wüstenfüchsen erklärt, dass die heutige Etappe wegen der Massenbergung auf etwa 60 Schotterpisten-Kilometer verkürzt wurde, ist fast so etwas wie Enttäuschung in ihren Augen zu sehen.
"Da langweilen wir uns ja," erklärt der Junior mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. Kurz durchgeatmet, den Dieselvorrat aufgefüllt, und schon geht´s zum Start. Der Sand von gestern haftet noch von gestern in ihren Augenwinkeln.
Doch diese beiden Vollblüter stört das nicht. Ebenso wenig, dass sich das Lüfterrad ihres Wasser-Kühlers verabschiedet hat. In der Nacht haben sie prompt das Gebläse vom Ölkühler abgeschraubt und per Kabelbinder am Grill befestigt. "Funktioniert erstaunlich gut", meint Georg Kastner Senior. Dann düsen die beiden ab in die Wüste.
Kurz vor Ende des Startfensters um 13.30 Uhr, tauchen dann tatsächlich noch der Ford Maverick von Paolo Fantini und der Pajero von Tobias Teichmann aus den Dünen auf. "Sieben Minuten noch," brüllt Jörg Russler und rennt ihnen mit den neuen Roadbooks entgegen.
Und tatsächlich: Statt sich von der Strapaze und dem improvisierten Notnachtlager zu erholen, gehen beide auch noch für diese Etappe an den Start. Kurze Routenbeschreibung vor den Autos im Sand. Dann verschwinden sie wieder als Staubwolke am Horizont.
Staub gibt es für die Zurückgebliebenen am Nachmittag genug. Immer heftiger werden die Böhen, immer stärker bläst der Wind den Sand ins Lager und schmirgelt vor allem an den Nerven der Orga und der Technik der Rennleitung. Kochen, Reparieren, Organisieren? Unter diesen Wetterbedingungen unmöglich.
Eine gute Stunde vor Sonnenuntergang dann die Entscheidung. Unglücklich tritt Jörg Russler vor die Menge: "Aufgrund der schwierigen Bergungssituation, der unangenehmen Wetterlage und der wenigen Teams wird die morgige Etappe von Tembaine nach Zmela abgesagt." Ein Raunen. "Wer will, kann zum Wundenlecken ins Hotel Touareg nach Douz zurück."
Nach Pool, Strom und sandfreiem sehnen sich wohl die meisten. Nur eine Notbesetzung zum Abbau des Camps bleibt im Sandsturm zurück. Der Rest flüchtet als Karawane in die zwei Stunden entfernte Stadt.
2012/04/30 | 18:20 CET | ARTICLE: MR/SY/HS/RUSSLER








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