

|

 Hungarian Baja: Novitskiy, Gadasin, Zapletal siegen - Beier top auf Platz 8.
Der FIA Marathonrally World Cup neigt sich nach der "8. Hungarian Baja" dem Ende zu - doch zuerst ein besonderes Ergebnis vom Wochenende. Das deutsche Vater-Sohn Duo Phillip und Steffen Beier startete bereits zum zweiten mal mit dem neuen Eigenbau "Mercedes G30 CDI" in der FIA World Cup Klasse in Ungarn - und überraschte mit einem klasse Ergebnis.
Nach dem 19. Platz im Prolog und 11. am Samstag arbeiteten sich die beiden Quedlinburger sauber Runde um Runde vor - und beendeten die Rally als "günstigstes" Fahrzeug in den Top 10 sensationell auf Platz 8. Vor Ihnen liegen zwei X-raid BMW, ein Ex-Werks Mitsubishi MPR13, ein BMW X5 (aus Ungarn), ein G-Force Proto aus Russland, ein Hummer H3 Proto aus Tschechien und ein Nissan Navara aus Ungarn. Alle Fahrzeuge weit jenseits der 100.000 Euro Marke.
Schon der erste Mercedes-Proto der Beiers sorgte für Aufsehen, gewann mit verschiedenen Besitzern dreimal die "Baja Saxonia" und sogar die "Breslau Rally".
Von Anfang an waren die Mercedes als Amateur-Fahrzeuge gebaut, aber schon "FIA-vorbereitet". Der zweite Prototyp wurde dann auf FIA-Standard umgebaut - und sorgt wieder für Aufsehen, jüngst im April mit dem erneuten Sieg der "Baja Saxonia". Zwei deutsche Familien-Tüftler basteln und fahren sich an die Spitze...
Zum eigentlichen Rennen. Die Baja gewann das russisch-deutsche Duo Leonid Novitskiy / Andreas Schulz (03:53:04) im X-raid BMW X3CC und der Crew von Sven Quandt. Allerdings lieferte sich man ein Dreier-Duell um wenige Sekunden - bis zum Schluss. Ab Samstag Mittag im Wechsel immer dicht hinter Novitskiy: Die beiden Ex-Weltmeister Miroslav Zapletal (Tschechien) und Boris Gadasin (Russland).
Novitskiy zeigte sich mit der Baja zufrieden: "Am Anfang haben wir es zu langsam angehen lassen, aber das ist bei mir immer so in den ersten Runden. Vor allem Zapletal war immer wieder dicht an uns dran, daraufhin haben wir dann in der letzten Etappe eine verrückte Zeit hingelegt."
Damit baut er seine Führung im FIA World Cup weiter aus - fast uneinholbar. Doch unter gewissen Konstellationen könnte der französische Buggy-Pilot Jean-Louis Schlesser noch gewinnen.
Und so muss und wird Novitskiy jetzt zunächst die "Pharaonen Rally" in Ägypten in Angrff nehmen, den vorletzten Lauf im World Cup. Zum einen hat Schlesser hier schon genannt - zum anderen gibt es hier doppelte FIA-Punktzahl, weil es sich um eine Marathonrally statt eine Baja handelt (neue FIA Regelung seit 2011, siehe FIA REGS & HOMOLOG in der Database).
Boris Gadasin trat mit einem von zwei im Rennen gestarteten "G-Force Proto" an - ein brutalo-V8 Macho mit US-Technik, Nissan Navara Chassis und Gitterrohr-Umbauten. Gefürchtet, solange er hält - auch wegen der "mehr-als-sterben-kann-man-nicht" Fahrweise des Russen, der grundsätzlich am (oder über dem) Limit fährt.
Miroslav Zapletal und sein (hervorragend deutsch sprechender) Beifahrer Tomas Ourednicek kamen im privaten, (nicht ohne Stolz mit marathonrally.com gebrandeten) X-raid BMW X3CC nach Ungarn. Der Service wird allerdings von eigenen, speziell ausgebildeten Mechanikern bewältigt.
Zapletal führte das Feld lange an, musste dann aber wegen einer kurz vor dem Ziel gebrochenen Antriebswelle anhalten. Nach einer notdürftigen Reparatur beendete man die Etappe mit langsamem Tempo - und verlor so nicht nur die Führung, sondern auch den 2. Platz. Der ging letztlich an Boris Gadasin mit 3:11 Minuten Rückstand, Zapletal fehlten am Ende 3:54 Minuten.
Als bestes ungarisches Team fuhren Gross-Spediteur Karoly Fazekas und Navigator Albert Horn im Eigenbau BMW X5 Proto [ www.fazekasmotorsport.hu/en/ ] auf Platz 4 (+07:11), gefolgt von den Tschechen Zdenek Porizek und Marek Sykora im selbst entwickelten Hummer H3 Proto (+20.49).
Für die spektakulärsten Stunts sorgte der rumänische Unternehmer-Sohn Costel Cuseneanu im Ex-Werks Mitsubishi MPR13. Nebenbei: An Casuneanus Offroad-Karriere ist übrigens auch ein Deutscher nicht ganz unschuldig. Hans Baur von ORC brachte ihn einst als Kunden eines Mercedes G320 auf die 1. "Libya Rally Raid".
Wie Boris Gadasin gilt auch Costel Casuneanu als "schmerzfrei". So war er diesmal auf den Geraden Schnellster - in den Kurven allerdings auch, was dann nicht selten mit Ausflügen im Graben dahinter endete. Damit waren die Zeitvorsprünge schnell wieder dahin. Immerhin, die höchsten Sprünge und heftigsten Einlagen kamen in diesem Jahr aus Rumänien - sorry, Boris.
In der Klasse der seriennahen Fahrzeuge T2 wollte vor allem ein Team auffallen: Das RMF Caroline Porsche Team aus Polen mit Star-Fahrer Adam Malysz und Profi-Navigator Rafal Marton. Doch die Technik des Porsche Cayenne bremste das Team aus - DNF (Did not finish).
Nicht gut lief es auch für den Führenden im FIA World Cup in der T2-Klasse, den Russen Ilya Kuznetsov (Toyota Land Cruiser 200, gemietet aus Italien - ein guter Nachbau des Werks-Dakar Siegerfahrzeuges aus Japan). Nur der 6. Platz in der T2-Wertung und 17. Platz insgesamt.
Dennoch bleibt Kuznetsov mit Abstand an der T2 FIA Spitze. Zwar fehlen die "grossen" Punkte, aber die T2-Sieger in Ungarn, Zucchi / Busseni (Italien, Mitsubishi Pajero), Chodzen / Binas (Polen, Toyota Land Cruiser) und Garosci / Briani (Italien, Mitsubishi Pajero), können Kuznetsov nicht wirklich mehr gefährlich werden. Zudem ist ein Start in Ägypten angepeilt - ein Terrain, in dem der Toyota seine wahren Fähigkeiten vollführen kann.
2011/08/29 | 19:06 CET | ARTICLE: MR/SY | PICS: SZÀNTÒS/CHYTKA/PRITCHARD


|

|