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Libya Rally Raid: 400 Kilometer in Wertung zum Auftakt





"Ab in den Süden" ist das Hauptthema zu Beginn einer jeden Libyen-Veranstaltung - denn nur dort warten die grossen Dünen auf die Besucher. Doch der Süden ist weit - und Überführungen langweilig. So entschied man sich bei der Libya Rally Raid für eine Mischform: Erst 160 Kilometer Überführung via Asphaltstrassen, dann den Rest als 1. Etappe. Um es anspruchsvoll zu machen, nicht kurz, sondern lang - 397 Kilometer "Fast Speed". Fast 600 Kilometer kamen so am Ende zusammen.

Die Etappe hatte es in sich: "Das war FIA-Style, wie bei einer Dakar" berichtet der Belgier Bernhard Dhont, der selbst mehrfach an der Dakar teilnahm. Die Strecke selbst teilte sich (bei knapp 30 Grad Aussentemperatur und kühlendem Wind) in 70% harte und steinige Pisten sowie 30% Sand und Dünen auf. Vor allem die Pisten waren hart gesteckt, teilweise durchsetzt von kleinen, schwer einsehbaren Wadis, teilweise auf losem und groben Schotter mit spitzen Steinen, dann wieder mit feinem Fech-Fech-Sandstaub, der durch jede Ritze dringt - entsprechend hoch waren die Reifenschäden.

Nach den Pisten kam der erste Sand. Der Einstieg wurde gemeinerweise durch ein Mini-Dünenfeld gestaltet, das Tunesien-ähnlich kleine und extrem weiche Dünen bot. Wer Pech hatte, durfte das erste mal buddeln - wer schlau war, umfuhr die kleinen Dünen links oder rechts über grössere Dünen, die wesentlich fester waren. Die letzten Kilometer der Etappe gingen weiter über selbige harte und langgezogenen Dünen, die vor allem schnell in Angriff genommen werden konnten. "Das war geil, gemütliches Dünen-cruisen ohne Buddeln, ein klasse Anfang" so der Lübecker Andreas Wulf, der am Dienstag zwar nicht in Wertung, aber dennoch auf der Wertungsetappe fuhr.

Dakar-Spezi Bernhard Dhont fuhr die Etappe "wie aus einer anderen Welt" - und gewann sie schliesslich souverän. "Der Mann ist spitze" berichtet Teamkollege Hermle, "er hat das unterlegene Auto, aber die Erfahrung aus dem FIA-Sport und bildet mit seinem Beifahrer ein eingespieltes Team. Als wir vorsichtig ein Wadi passierten und dachten, es geht nicht mehr schneller, überholte er noch souverän." Dhont selbst sieht es gelassen: "Ich liebe Amateurrallys, sie sind stressfreier, familiärer und kleiner als FIA-Veranstaltungen. Vor allem liebe ich es, selbst zu navigieren und nicht nur dutzenden Spuren nachzufahren - das geht nur noch auf Amateurveranstaltungen" meint der Belgier, der mit einem gemieteten Mercedes G320 von ORC teilnimmt.

Die Zeiten sprechen für sich: Bernhard Dhont legte mit knapp 4 Stunden eine Meisterleistung hin, das zweitplatzierte Team Eisenmann/Eisenmann (Toyota Landcruiser) schaffte es in 6 Stunden un 48 Minuten, kurz dahinter das Mercedes ML-Team Kessler/Schreier mit 6 Stunden un 56 Minuten.

Die Ergebnisse wurden vor allem durch zahlreiche Zeitstrafen durcheinander gewirbelt. Grund dafür waren verpasste CPs oder die Überschreitung der Maximalzeit. "Das Roadbook war perfekt und stimmte auf den Meter" berichtet Matthias Krüger vom Daktec-Team, der mit seinem Service-MAN ebenfalls die gesamte Wertungsstrecke fuhr. "Ich habe mich sogar ein wenig geärgert, nicht in Wertung zu fahren, so viel Spass hat das gemacht."

Das bestätigt auch Malte Asmus, der gemeinsam mit seinem Vater eigentlich auf Platz zwei gekommen wäre, wenn er nicht den ersten CP ausgelassen hätte. "Das Roadbook stimmte, aber wenn man eine Sekunde nicht aufgepasst hat, war man schnell raus. Wir haben dann einfach den GPS-Punkt vom zweiten CP angesteuert, dadurch haben wir den ersten CP verpasst und eine Zeitstrafe bekommen. Aber das ist eigentlich egal, wir sind vor allem hier um Spass zu haben und die grossen Dünen zu sehen."

Ein wenig Aufregung mit Folgen gab es allerdings auch - "Kinderkrankheiten" einer neuen Rally. Das Zielcamp lag wunderschön umgeben von einigen Dünen - doch genau die wurden zum logistischen Problem. Der Catering-Truck sowie der Spritversorger schafften es nicht über die Dünen und mussten mehrere Kilometer vor dem Camp stehen bleiben - als Folge konnten die Fahrzeuge nicht betankt werden und das Catering blieb aus.

Mit im Lkw-Konvoi steckte auch der Service-Truck des ORC-Teams, er schaffte es zwar über die Dünen, aber durch die lange Fahrt und der Hilfeleistung gegenüber den anderen Lkw kam die Crew erst mitten in der Nacht an. Als Folge konnten die drei Team-Fahrzeuge, von denen zwei beschädigt waren, nicht rechtzeitig repariert werden.

Was tun? Die Rennleitung entschied nach längerer Beratung, den Ruhetag auf den Mittwoch vorzuverlegen - und das Camp zu den stehenden Trucks zu bringen. "Wir hatten eine lange Anreise, einen langen und harten Rallytag, wollen alle Teilnehmer fair behandeln und haben festgestellt, das es logistische Probleme gab. Daher haben wir uns zu diesem Schritt entschieden, der letztlich von allen Teilnehmern begrüsst wurde" meint Organisator Wolfgang Pasetti.

Am Mittwoch wurde das Camp schliesslich zu den in einem Dünental wartenden Sprit- und Cateringtruck verlegt und der Tag wird von den Teams für Reparaturen und ausgiebigen Tests in den umgebenden Dünen genutzt. Die ursprünglich geplante Etappe ins Camp Africa wird auf den Donnerstag verschoben. Auf der Etappe müssen nach einer Überführung von 81 Kilometern 158 Kilometer in Wertung gefahren werden. In der Etappe werden bis zu 400 meter hohe Dünen überquert.

Der Dienstag endete übrigens "flammend". Bevor Caterer Pit Frey seine "Parkposition" in den Dünen erreichte, legten er und sein Team eine kleine Pause 19 Kilometer vor dem Ziel ein. Aus noch unbekannten Gründen fing der Jeep Cherokee (der von Frey als Begleitfahrzeug eingesetzt wurde) Feuer und brannte binnen weniger Minuten völlig aus. "Zum Glück haben sich die Personen noch in Sicherheit bringen können" berichtet Frey, "auch ihr Hab und Gut wurde geborgen."

In diesem Zusammenhang kommt der "Gruss des Tages" auch von Pit Frey und seiner Crew und richtet sich an Dieter Pfaff von "Reifen Pfaff" - dieser hatte dem Caterer den Jeep kostenlos zur Verfügung gestellt. "Wir möchten Dieter nochmals herzlich für die Unterstützung danken, wir konnten nicht ahnen, wie es ausgeht. Dieter, danke für den Jeep - er brannte besser als er lief :-) " Und Frey hat noch einen Aufruf an die Leser: "Ich suche jetzt einen Doppelkabiner-Unimog für meine Firma - wer einen anbieten kann, bitte bei mir oder marathonrally.com melden. Er sollte allerdings "Feuerfest" sein" ergänzt er mit einem Lächeln.

Artikel vom 17.03.2008, Artikel: Libya Rally Raid Liveteam








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