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 | Libya Rally Raid: Amthor, Millet und Schumann sind die Sieger |
 Es ist vollbracht! Nach 7 Etappen (Stage 6 wurde wegen der Berge-Aktion des havarierten Mitsubishi aus Österreich gecancelt, wir berichteten) ist die 2. Libya Rally Raid in der West-Libyschen Stadt Ghadames am Dienstag Abend mit der Siegerehrung offiziell beendet worden. Zuvor mussten die Teilnehmer jedoch eine letzte, schnelle Etappe über 400 Kilometer bewältigen.
Wie sehr auch eine letzte Etappe noch das Ergebnis verändern kann, musste besonders das Range Rover Team René Zeller und Bogo Vatovez erfahren. Lagen beide nach der 7. Etappe noch auf Platz 2 (Pkw, Platz 3 Overall), verhinderte ein kleiner See inmitten der Steinwüste schliesslich doch einen Platz auf dem Treppchen. Vermutlich weil das Team den vom Regen geschaffenen See unterschätzte fuhr man mitten rein - besser genau in die Mitte. Dort blieb der Range Rover im aufgeweichten Morast stecken und musste mit Hilfe des Holländisch-Dänischen Teams Heukelom/Jensen (Land Rover Defender) aufwändig geborgen werden - ganze drei Bergegurte waren dafür nötig. Die Aktion kostete dem Team über eine Stunde - statt Platz 2 nun also Platz 4 in der Gesamtwertung (Pkw, Platz 5 Overall).
Viel spannender war allerdings das Duell zwischen Lee Amthor/Ingo Tiarks (Range Rover) und Daniel Wiesel/Rolf Blaess (ORC Isuzu D-Max). Die Spitze wechselte (fast) im 20-Minuten-Takt - beide Teams holten Alles aus ihren Fahrzeugen heraus. Hapern tat es für die Verfolger letztlich an der Navigation: "Wir haben Spitze über 170 km/h gefahren" berichtet Daniel Wiesel. "Auch wenn wir sehr gut unterwegs waren, dann kam wieder eine schwierige Stelle, an der wir falsch vorbeischossen. Es war schon fast zum verzweifeln, immer wieder kamen wir an Lee und Ingo heran - und verloren sie dann wieder."
Bis zuletzt blieben beide auf Minuten zusammen, doch Amthor liess sich einfach nicht knacken, driftete mit seinem kurzen Range Rover wie ein WRC-Fahrer durch die Kurven. Im Ziel dann der Kracher: Lediglich 2 (!) Minuten fehlten der Isuzu-Crew nach über 300 Kilometern zum dritten Tagessieg.
Für beide Teams letztlich eine grandiose Leistung. Amthor/Tiarks glänzten mit ihrem Speed, fahrerischem Können und der exakten Navigation - und einem Auto, das treu bis zuletzt hielt. ORC glänzte mit einer Top-Leistung für ein nagelneues Auto, das vorher nie gestestet wurde - und einem Duo, das vorher noch nie zusammen gefahren ist. "Rolf und ich hatten zusammen keine Erfahrung in der Wüste, trotz einiger Fehler hat es super geklappt und wir haben prima harmoniert. Dennoch schade, das es nicht für den Gesamt-Sieg gereicht hat - vor allem, wenn es nicht am Auto liegt."
Den Gesamtsieg bei den Pkw mussten beide wohlverdient dem Berliner Duo Lee Amthor und Ingo Tiarks überlassen - die einfach eine grandiose Leistung auf´s Parkett legten. Beide sind eher von der stilleren Truppe - doch ein Sieg auf der Tuareg Rally (2008) und der Titel des "Deutschen Meister GORM" liessen bereits vorher erahnen, das man mit beiden rechnen muss.
Auf den dritten Platz bei den Pkw schafften es überraschend Wolfgang Schunk und Detlef Asmus. Das Witzige: Beide hätten eigentlich noch wesentlich schneller fahren können, doch ihre Bilstein-Dämpfer versagten (komplett!) bereits nach der zweiten Etappe ihren Dienst, der zweite Satz ging dann auf der 5. Etappe dahin. "Auf den Pisten konnten wir eigentlich nur noch wie kleine Käfer dahinhoppeln, nur in den Dünen ging es gut voran" grinst Detlef Asmus im Ziel. "Wahnsinn, mit einem 3. Platz haben wir überhaupt nicht gerechnet!"
Für Detlef Asmus war es bereits die zweite Wüstenrally - im Vorjahr navigierte er seinen Sohn Malte durch die Dünen. Für Pilot Wolfgang Schunk war die Rally komplettes Neuland - umso grösser die Freude, wie gut man nicht nur durch die Dünen kam, sondern diese auch lesen konnte. Hilfe bekamen beide "von unten" - den Reifen. Nicht ein Schaden, nicht ein Nagel - und fast permanent mit 0,8 bar unterwegs. Das optische Ergebnis im Ziel: Fast nagelneue Reifen. "Nur die Dämpfer haben die Reifen leiden lassen - das kaputte Fahrwerk hat manchmal derart eingeschlagen, das es ins Gummi schnitt. Kaputt gingen sie trotzdem nicht" so Wolfgang Schunk.
Und noch ein Pkw überraschte - Andreas Wulf und Anja Bork vom Team "Auto Hagen". Beide fuhren mit ihrem Nissan Navara die gesamte Rally über ein souveränes Rennen, hatten aufgrund der Erfahrung aus dem Vorjahr mehr Glück mit der Navigation - und kamen auf der letzten Etappe nur 18 Minuten hinter Wiesel/Blaess als dritter Pkw über die Ziellinie.
"Wir konnten klar mit unserem navigatorischen Vorteil punkten" berichtet Andreas Wulf glücklich im Ziel, "meine Beifahrerin Anja hatte den richtigen Riecher. Witzigerweise habe ich stellenweise die selben Sprüche über die Landschaft gesagt wir im Vorjahr - und die meinte nur ´Als Du dies das letzte Jahr gesagt hast, waren wir schon falsch´. Witzig, wie sich so etwas auswirken kann." Zufrieden ist er vor allem mit seinem Fahrzeug: "Der Nissan hat super gehalten, keinerlei Probleme im ganzen Rennen. Unser Dank geht an unseren Sponsoren Auto-Hagen und natürlich auch Daktec für den Spitzen-Service." In der Gesamtwertung reichte es am Ende für Platz 5 - einen Platz hinter den "Pechvögeln" Zeller/Vatovez.
Bei den Trucks machten Hartmut Schumann und Franco Deibel (Mercedes Unimog "Hunter") den Gesamtsieg für sich klar - ok, Konkurrenz war auch nicht wirklich vorhanden. Zwar hatten ORC und Daktec ihre Trucks in Wertung gemeldet - und auch wenn beide täglich (!) immer auf der Wertungsstrecke fuhren, startete man nicht wirklich als Renn-Truck - die Nennung war eher strategisch, um den eigenen Kundenfahrzeugen ohne Strafe in der Strecke helfen zu können.
Dennoch, am letzten Tag liess es sich Hans Baur von ORC nicht nehmen, doch noch einmal in Wertung zu starten. "Satte 140 km/h haben wir auf den Strecken hinbekommen - es wäre noch mehr gewesen, wenn wir nur zur Rally-Teilnahme gestartet wären" schmunzelte Baur im Ziel.
Bei den Motorrädern gewann souverän die Britin Liz Millet mit ihrer KTM, die bereits zum zweiten mal auf der Libya Rally Raid teilnahm. Besondere Ehrung erfuhr Sie bei der Pokalvergabe von Rally-Direktor Wolfgang Pasetti - er war derart von Millets Leistung fasziniert (sie schaffte es zeitlich zwischen die ersten Pkw), das er ihr den Titel "Lady Millet" verlie.
Mit der offiziellen Siegerehrung klang die Rally am Dienstag Abend in der historischen Stadt Ghadames im Südwesten Libyens aus - als Schmankerl hatte Veranstalter Pasetti wie im Vorjahr eine regionale Folklore-Truppe mit Tanz und Musik organisiert - die "Daktec"-Crew setzte mit einem kleinen aber feinen Feuerwerk noch einen drauf.
Artikel vom 26.03.2009, Artikel: Redaktion/hs

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