

|

 LRR 2010: Deutsche Libyen-Rally geht auf Oktober, Belgien zieht durch.
Die Ereignisse überschlagen sich. Nun hat auch die deutsche "Libya Rally Raid" ihren Termin vom März auf Oktober verschoben. Offizielle Begründung (siehe unten) ist die unsichere Lage in Tunesien - und eventuell kommende Unruhen in Libyen (die aber auf Anfrage von MR nicht in Aussicht stehen).
Reisende bestätigten, das die Fähre "CTN" keine Touristen mehr nach Tunesien mitnehme. Die CTN teilte unterdessen mit, das es keine Einschränkungen gebe. Allerdings wird für Tunesien momentan ein Guide gefordert, das könne der Grund gewesen sein.
Sind es nun mangelnde Teilnehmer (die LRR soll weniger als 10 haben) oder wirklich Sicherheitsbedenken? Die belgische "Libya Rally" zieht durch, hat aber auch über 100 Teilnehmer. Die Organisation der belgischen Rally spricht immer mehr Deutsch: "El Chott" Chef Jörg Schumann ist dabei, ebenso die professionelle Rettung der österreichischen "Promedic". Auch marathonrally.com ist dabei und wird berichten, wie es in Tunesien läuft.
Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Sagt man ab, verschiebt man? Es geht auch um viel Geld. "El Chott"-Chef Schumann sprach deshalb als einziger Veranstalter eine finanzielle Absicherung aus. Findet die Rally im Oktober nicht statt, werden die Gelder zurückerstattet. Die "Truck Challenge" sagte vorzeitig ab, "Grand Erg" und "LRR" verschieben - alle in den Herbst.
Das ist nicht hilfreich für die deutsche Szene. Vielleicht sollte man mal überlegen, ob man nicht einfach alle Rallys zusammenlegt und endlich einmal wieder ein volles Starterfeld bekommt. Doch das ist eine Utopie, zu unterschiedlich sind die Veranstalter.
Nun profitiert also das Ausland. Der belgische Veranstalter Gert Duson zieht durch, seine Teilnehmer ziehen alle mit. Risiko oder Mut? Auf jeden Fall ist die belgische Rally voll (nimmt aber noch Teilnehmer auf, Infos bei uns auf Anfrage).
Doch der Hammer kommt erst noch. Die Gerüchteküche brodelt, das auch Rainer Autenrieth der "Tuareg Rally" nach dem Rennen in Marokko im März nach Tunesien wechselt. Hintergrund sollen zu hohe Kosten in Marokko sein. Bereits im letzten Jahr gab es Gerüchte, das Autenrieth die wenig beachtete "Sahara Masters" übernimmt.
Das wurde dementiert, aber anscheinend nur die Übernahme. Angeblich soll der Wechsel nach Tunesien auf der Siegerehrung der Tuareg bekannt gegeben werden. Die Tuareg hat das grösste Starterfeld aller deutschen Wüstenrallies, wird englisch-sprachig organisiert und ist für seine Detailverliebtheit bekannt.
Man darf gespannt sein. Wenn nun alle Veranstalter nach Tunesien wechseln, dürfte es voll werden. Tunesien ist nicht besonders gross, die fahrbaren Gelände immer bekannter. Vielleicht tritt man sich demnächst auf die Füsse - oder man muss "Rally-Ampeln" einrichten: "Stop, von links kommt die Tuareg, von rechts die El Chott, es kreuzen aber auch Grand Erg Teilnehmer." Bleibt zu hoffen, das die neue tunesische Regierung das alles mitmacht.
Hier das offizielle Statement der Libya Rally Raid (LRR): Im letzten Jahr machte uns die libysche Regierung mit ihrer Libyen-Einreiseverweigerung für Europäer einen Strich durch die Rechung, so dass wir eine Ersatzveranstaltung in Tunesien dank der Mithilfe unserer Rallykollegen der El Chott, Grand Erg und Sahara Masters auf die Beine stellten. Damit stand für uns das Fortbestehen der Libya Rally Raid in Frage, doch schon Anfang April 2010 waren die Grenzen wieder offen und wir blickten optimistisch in die LRR-Zukunft.
Die Vortour im November 2010 lief absolut reibungslos, die Einreise war kein Problem, wir kamen schnell voran auf teilweise erneuerten und ausgebauten Strassen. Die Sprit-Versorgung durch viele neue und funktionierende Tankstellen war gut, es waren viele neue Funkmasten für Mobilfunk aufgestellt worden, die Libyer wie immer hilfsbereit und nett und auch die Durchreise durch Tunesien lief völlig gefahrlos. Wir fuhren die neuen Strecken ab und waren voller Vorfreude auf die Rally im März 2011.
Doch nun brennt plötzlich die Luft in fast ganz Nordafrika. Anfangs noch optimistisch, dass sich die Tunesien-Unruhen nicht ausweiten, sondern viel mehr beruhigen würden und wir im März sicher durch Tunesien reisen können, gehen nun auch in Ägypten die Menschen auf die Strasse. Wir können unmöglich dafür garantieren, dass sich diese Situation nicht auch nach Libyen ausweitet und so für uns zur Gefahr werden könnte.
So mussten wir nun eine Entscheidung zur Sicherheit unserer Teilnehmer und des Orgateams treffen: Wir sehen uns gezwungen die Libya Rally Raid in der momentanen politischen Situation nicht durchführen zu können und sie auf einen Termin im Oktober 2011 zu verschieben. Wir hoffen auf das Verständnis unserer Teilnehmer und Orgamitglieder für unsere Entscheidung zugunsten der allgemeinen Sicherheit und bedanken uns für das uns entgegengebrachte Vertrauen.
2011/02/02 | 07:13 CET | ARTICLE: MR/SY


|

|