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 Mercedes präsentiert Allrad-Zetros - Ostaszewski macht Rallytruck daraus
Von Klaus-Peter Kessler Was kommt dabei heraus, wenn man die schwere Unimog-Baureihe (U4000/5000) mit den schweren, allradgetriebenen Baustellentrucks á la Axor und Actros kreuzt? Ein echt starkes Ding! Auf den Namen "Zetros" hört der neue geländegängige Lkw aus dem Haus mit dem Stern. Und der Zetros ist nicht nur ein bemerkenswerter Geländegänger, er ist - vor allem - ein Hauber.
Der ausdrucksstark gestaltete Vorbau erinnert an jene Lkw-Zeiten, als der Lenker die Haube noch als "meine Versicherung" bezeichnete. Diese Empfindung verstärkt sich nach Entern des Fahrersitzes hinter dem Axor-entlehnten Armaturenbrett noch deutlich. Da ist es wieder, das so lange vermisste Gefühl, den Hauben-Horizont vor sich herzuschieben, die alte neue Sitzposition hinter Motor und Vorderachse.
Das Haubenkonzept ist alt - der Zetros ist es nicht. Der Allradgetriebene Zweiachser für 16,5 oder 18,0 Tonnen Gesamtgewicht oder, als Dreiachser, sogar für maximal 25,0 oder 27,0 Tonnen zielt auf die harten Einsätze im Baubereich, in der Energiewirtschaft zum Beispiel im Leitungs- oder Pipelinebau, bei Feuerwehr und THW, bei Militär und zivilen Hilfseinrichtungen und auch bei Freizeit und Reise als Expeditionsfahrzeug. Die Nutzlast ohne Aufbau beträgt beim Zweiachser knapp zehn, beim Dreiachser 16,0 Tonnen.
Das Haubendesign ist mit Bedacht gewählt, da es für ein Offroad-Fahrzeug aus vielerlei Gründen erste Wahl ist. Die Bauweise ermöglicht kompakte, niedrige Konturen (rund 40 Zentimeter weniger Aufbauhöhe) und einfachen Service bei optimaler Zugänglichkeit des Motorraums. Der Hauber bietet eine deutlich bessere Beherrschbarkeit und Fahrkomfort des Fahrzeugs unter extremen Bedingungen als es beim Frontlenker der Fall ist. Daraus resultieren geringere Beanspruchung des Fahrers, auf den deutlich weniger Vertikalkräfte einwirken, bei zugleich gesteigerter Leistung in Form von deutlich höherer möglicher Geschwindigkeit, längeren Einsatz- und somit kürzeren Umlaufzeiten.
Als Triebstrang dienen beim Zetros bewährte Komponenten aus der Mercedes-Benz Lkw-Grossserie. Unter der markanten und - wie das Dach des Fahrerhauses - begehbaren (!) Haube sitzt bei allen Varianten der 7,2 Liter grosse Reihensechszylinder OM 926 LA mit einer Leistung von 326 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 1.300 Newtonmeter von 1.200 bis 1.600 Umdrehungen. Grundsätzlich liefert Mercedes-Benz dieses Aggregat in Euro 5, auf Wunsch auch als Euro 3.
Zwei Getriebe stehen zur Wahl: Das hydraulisch-pneumatisch geschaltete Neunganggetriebe G 131-9 mit acht Vorwärtsgängen plus Kriechgang und direkt übersetztem höchsten Gang oder die sechsstufige Vollautomatik Allison 3000 SP/PR. Beim bekannten Verteilergetriebe VG 1700 ist die Geländeübersetzung mit 1,690 gut 20 Prozent kürzer ausgeführt als bei den Allradfahrzeugen der Baureihen Actros und Axor. Das ermöglicht besonders niedrige Geschwindigkeiten, wichtig zum Beispiel bei sehr steilen Bergabpassagen. Ausserdem erhöht sich so die Zugkraft gegenüber den Strassengängen generell um rund 70 Prozent.
Die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse (Aussenplanetenachsen AL7/HL7) beträgt im Ausgleichsgetriebe 1 : 3,21, bei zugeschalteter Differentialsperre 1:1. Serienmässig liefert Mercedes-Benz den Zetros mit drei mechanischen Differentialsperren. Beim Fahrwerk setzen die Stuttgarter auf Blatt- statt Schraubenfedern, was dem Fahrkomfort aber keinen Abbruch tut. Der vom Actros stammende Rahmen ist als verwindungsfähiger C-Profil-Leiterrahmen und komplett geschraubt. Der Rahmenkopf ist für die Aufnahme von Frontgeräten verstärkt.
Der Zetros präsentierte sich bei seiner Fahrvorstellung auch unter schwierigen Bedingungen nicht als Kompromiss zwischen zwei Fahrzeugwelten sondern als überzeugendes Konzept. Das bestätigt sich auch beim fahren auf Asphalt, wo der Geländetruck ebenfalls eine überraschend gute Figur macht. Und dann sind da ja noch diese guten alten Hauber-Gefühle...
Übrigens: Der polnische Breslau und Saxonia-Sieger Christof Ostaszewski hat einen Zetros als Rallyfahrzeug aufgebaut. Premiere soll bei der Baja Saxonia im Mai sein!
2010/03/15 | 16:32 CET | ARTICLE: MR/HS/KPK


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