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 MT Rally BLOG: California Dreamin’ in Pommern? Moto-Blog von K. Nennewitz.
Motorrad-Blog von Klaus Nennewitz: Um es gleich vorweg zu nehmen: Die elementaren Grundbedürfnisse eines Motorrad-Rallyfahrers werden bei der MT Rally 2011 in Polen hervorragend befriedigt!
Das Roadbook ist perfekt und ohne Fehler, die Orga hält sich an den (im voraus gemailten) Zeitplan und offizielle Ergebnisse werden vor der kurzen Bettruhe im spartanen aber trotzdem sauberen Militärhotel "Konotop" (mit ausreichend fliessend warmen Wasser und militärisch-romantischem Flair) bekannt gegeben.
Die lange Winterpause europäischer Rallys hat sich mit der MT Rally merklich verkürzt. Dazu tragen auch die günstigen Startgelder der Rally und das Gelände, der unter Breslau-Teilnehmern bestens bekannten Truppenübungsplatz bei Drawsko Pomorskie bei.
Der Frühling lässt hier im hohen Norden aber noch auf sich warten aber gerade deshalb öffnen sich im "durchsichtigen" Wald plötzlich Schleichwege um die Wasserdurchfahrten herum die im Hochsommer stets verborgen bleiben.
Nur wenige Rallyfans haben den Weg nach Pommern auf sich genommen. Aber diejenigen, die beim Rennen dabei sind wie z.B. Stephan aus Lüneburg auf seiner "Africa Twin" in der "Cross-Country-Klasse" (ohne extreme Wasserdurchfahrten) oder Frank aus Leipzig und Hagen aus Nordhessen auf ihren Hardenduros in der "Sportklasse" (mit vollen Programm an Schlammpassagen), sind umso begeisterter über die Strecken.
Ideale Bodenverhältnisse mit perfektem Grip auf feuchtem Sand und kurzem Gras machen die Fahrt auf den polnischen Panzerpisten zu einem einmalig fahrerischen Erlebnis. Die Sonderprüfungen starten und enden in unmittelbarer Nähe des Camps, lange Verbindungsetappen auf Asphalt entfallen und das "Anliegertanzen" in den Achterbahnpisten der Wälder wechselt sich ab mit Vollgasorgien auf den vom nächtlichen Sturm frisch gepuderten und jungfräulichen Sandflächen.
Dazwischen immer mal wieder ein bisschen Wiese und die eine oder andere, machbare Wasserdurchfahrt - macht auf 160 Kilometer Sonderprüfung (mit Tankstopp auf halber Strecke) 4-6 Stunden reine und pure Fahrzeit.
Jeep-Spuren im Sand lassen erkennen, das die Strecke vom Vorausfahrzeug geradezu gefegt wurde: Keine Steine, Baumstämme oder gefährliche Äste auf Augenhöhe stören das Vergnügen, man hat das Gefühl, "sicher" unterwegs zu sein.
Dennoch sollte man den Anspruch nicht unterschätzen: Nach der 100 Kilometer langen Nachtetappe zur Einstimmung am Donnerstag (Start 20:00 Uhr, Zielankunft der Ersten gegen 00:00 Uhr) blieb für manchen Teilnehmer nach Service und Roadbookvorbereitung kaum noch Schlaf vor der zweiten, 160 Kilometer langen Etappe mit Start um 08:30 Uhr morgens.
Aber genau das ist es worum es hier geht: So viel wie möglich fahren (rund 500 Kilometer) während einem verlängerten XXL-Wochenende.
Kritiker könnten Niki Lauda zitieren und sich übers "Im-Kreis-fahren" auf einem Truppenübungsplatz beschweren. Denen sollte man entgegen halten, das die Landschaft bei Drawsko ausreichend gross für abwechslungsreiche Strecken ist - und die organisatorische Vereinfachung durch die Verhandlungen mit nur einem Grundstückseigentümer mehr Raum, Zeit und Personal lassen um sich auf das wichtigste Element einer Rally, das eigentliche Fahren, zu konzentrieren.
Und fahren kann man hier wie in Kalifornien - besonders auf der dritten Etappe kommen mir die Trails der Sierra Nevada in den Sinn. Doch das änderte sich, als plötzlich gegen Mittag der gleichen Etappe bei Sonnenschein nach den kalten aber trockenen ersten beiden Stages die Wälder endlich ihren charakteristischen Harzgeruch preisgeben und für exotisches Flair sorgen.
Mein Fazit: Prime-Time Rallyfahren mitten in Europa, die MT-Rally hat ihre Bewährungsprobe bestanden. Jetzt braucht’s nur noch einen echten Kaffee zum Frühstück und dann ist alles perfekt!
2011/04/15 | 16:50 CET | ARTICLE: MR/SY/NENNEWITZ


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