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 NORRA Mexico (1): Zirbes und der Protruck - Ankunft und "Pinkelschlauch".
Vor einigen Tagen [ berichteten ] wir über den Start von Rallypilot Uwe Zirbes auf der mexikanischen "Mexican 1000" im Rahmen der "NORRA Series". Für Zirbes wurde ein langer Traum wahr - denn anstatt seines Rally-Hummer H1 setzte er auf einen Protruck.
Nach viel Pech mit dem Hummer kam das "Protruck-Glück". Zirbes ging in die Vollen: Auto gekauft, Team gebildet, Vollgas. Unter dem Namen "Euromex" startete er eine neue Karriere - und die sorgt für Aufsehen.
Die Geschichte eines Deutschen Abenteurers, der neue Grenzen entdecken wollte - und die eigenen Grenzen überschritt. Eine Serie in mehreren Teilen.
Teamreport Uwe Zirbes - Teil 1
Im Flieger. Ankunft in Mexicali/Mexico gegen 02:00 Uhr Nachts nach Mexico-Zeit, was 11:00 Uhr deutscher Zeit entsprach. Für meine Knie und Beine war der lange Flug eine absolute Tortur. Ich bin geschlaucht, als hätte ich bereits die Rally hinter mich gebracht.
Sind noch in die Werkstatt gefahren, um unser Baby, den neuen Renntruck, zum ersten mal zu sehen. Mit etwas Verwunderung musste ich feststellen, das es auf der anderen Seite des Planeten nicht anders zugeht, als in Deutschland :-) Der Wagen stand noch ohne Motor und Fahrwerk aufgebockt auf den Stützen, der Fahrersitz musste noch umgebaut werden - ich war gespannt, ob die Mechaniker das noch rechtzeitig geregelt bekommen.
Der erste Tag in Mexico - eine andere Offroad Welt
Ich sitze am Pool vom Hotel und schreibe meinen Bericht. Hier hat es ca.26 Grad am frühen Morgen. Der Kaffee ist nahezu ungeniessbar, aber der frisch gepresste Orangensaft macht die Sache wieder rund. Die Leute hier sind so erfrischend freundlich und nett, es ist einfach nur schön hier zu sein!
War gerade bei meinen Mechanikern und habe meine Hilfe angeboten - sie haben sie jedoch ausgeschlagen, schickten mich lieber mit Kollege Elias zu einer Veranstaltung, um einen anderen Sport in Mexico kennenzulernen - Cowboy-Sport! Die Cowboys traten in Teams gegeneinander an. Zuerst markierten sie eine Ziellinie etwa 30 Meter vor einer Mauer, dann nehmen sie etwa 500 Meter vor dieser Ziellinie mit ihren Pferden Anlauf. Das habe ich noch nie gesehen: Vollspeed-Bremstest mit Pferden!
Dann jagten sie ein Kalb durch die Arena, der Cowboy musste innerhalb kürzester Zeit den Schwanz packen und es schaffen, dass er das Kalb zum umkippen und anschliessend zum überschlagen bekommt. Wenn das Kalb nur rutscht, gibt es keine Punkte, die meisten gibt es, wenn es sich mindestens einmal dreht/überschlägt.
Doch zurück. Nach vier Stunden Action und Spannung drehte sich mittlerweile mein Magen, hatte Hunger, aber hier kann man als Europäer einfach nichts essen. Krass: Nationalgetränk ist Bier mit Eiswürfeln und jeder Menge Tomatensaft! Elias meinte, "das ist erfrischend." Ich hingegen hätte mich fast übergeben :-) Mit leerem Magen ging es zurück ins Hotel - ich freute mich auf ein ordentliches Frühstück, Ei mit Speck und Orangensaft, sowie eine Schnitte mit gutem Nutella aus Deutschland!
Der zweite Tag - die Stadt Mexicali füllt sich
Ohne Klimaanlage ist es kaum noch auszuhalten. Frage mich gerade, wie ich die Rally bei 70 Grad im Auto überstehen soll. Die Stadt Mexicali füllt sich, zahlreiche Teams sind bereits angereist. Wer hat eigentlich in die Welt gesetzt, das Mexico nahezu ein Drittland ist, oder das es gefährlich ist? Bis dato habe ich nur freundliche und hilfsbereite Menschen gesehen.
In Mexicali kann absolut jeder eine Arbeit finden, wenn er will! Im Durchschnitt hat jede Familie zwei Autos. Und da wo ich mich gerade befinde, ist ein Hummer H2 eher ein Kleinwagen. Die Jungs, die hier mit einem Sechszylinder auffahren, zählen eher zur Unterschicht :-) Es ist das Land der V8, es ist einfach mein Lieblingsland!
Voller Stolz zeige ich den Kollegen meinen Hummer H1, glaube jedoch eher, dass sie mich nahezu bemitleiden. Was ich unter "brachialem Fahrwerk" verstehe, ist für diese Jungs in Mexico eher ein Schrauber-Auto mit Strassenfahrwerk. Hier ist einfach alles, was in Europa als Offroad zählt, Kindergarten. Ich sage ja, bin gespannt wie sich der Renntruck fahren wird, habe schon etwas Muffensausen. Warten wir es ab!
Tag 3 - ein Tag mit vielen neuen Erfahrungen
1. In Mexico ist es viel zu warm. Messe gerade 38 Grad Hitze bei 10.00 Uhr am frühen Morgen.
2. Man braucht keine Pfanne um ein Spiegelei zu machen, es reicht wenn man es auf die Strasse legt oder auf die Motorhaube
3. Wenn du glaubst in Europa geht bei einer Rally die Post ab, dann sei gewiss, es gibt Wilderes!
Mein Gott, es ist der reine Wahnsinn, einfach unglaublich. Man kann es in Worten nicht beschreiben. Geschwindigkeit und Offroad haben hier in Mexico eine andere Dimension. Bin eben mit dem Ford Prerunner (ein Vorausfahrzeug) gefahren. Der Renntruck ist natürlich zwei Nummern grösser und steht noch in der Garage, um die letzten Abstimmungen zu machen.
Unterwegs! Die Jungs fragten mich, wann ich denn Gas geben würde! Ich hatte mit dem Ford Prerunner schon 75 Meilen (knapp 115 km/h) auf dem Tacho und war happy. Dabei ist zu erwähnen, das es inmitten der Wüste auf einer Piste war! Du glaubst zu gibst alles und bist schnell - doch für die mexikanischen Profis war es Schneckentempo - oder schlicht "Kindergarten". Nun, ich habe ja noch ein paar Testrunden und werde mein bestes versuchen - will ja nicht auf diesem Level bleiben.
Nach dieser "Speed-Erfahrung" war ich doch froh, das meine Frau Bettina nicht als Co-Pilot dabei ist - mexikanischer Offroad-Sport ist anscheinend eine echte Männersache.
Kann ja schlecht sagen, das ich mir noch etwas Mut antrinken muss - da ich keinen Alkohol trinke. Aber Mut zu sammeln ist hier ganz wichtig. Kollege Elias meinte, das Renntempo sollte schon bei 100 Meilen (ca 150 km/h) liegen - und konnte es nicht lassen, mir einen Sprung zu schenken. Ist ne geile Sache drei Meter über den Boden zu fliegen!
Es geht wieder zurück zur City, noch verschiedene Dinge einkaufen. Rennanzug für Mexico, meiner ist viel zu dick, hier halte ich die Temperatur mit dem normalen Overall nicht aus. Dann gibt es gar einen Pinkelschlauch! Der wird natürlich unterhalb des Overal getragen. Da es keine aktiven Frauen bei der Rally gibt, stellt sich somit auch nicht die Frage, wie das bei denen funktionieren würde :-)
Was wir in Europa als GPS Navigationsgerät bezeichnen, ist für die Teams in Mexico eher ein Spielzeug. Die Bildfläche der GPS Geräte hier sind mindestens in der Grösse eines Laptops - darunter geht nichts.
Ende Teil 1. Den zweiten Teil lesen Sie am Montag, den 23. Mai 2011. Videos und Infos über das Rennen finden Sie auf der TV-Rallyseite [ www.factoroffroad.tv ] - ein Team begleitete Uwe Zirbes über die gesamte Rally.
2011/05/19 | 19:16 CET | ARTICLE: MR/SY/ZIRBES/EUROMEX


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