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Northern Forest Kolumne: Pimp-Mobil, Maedchen und das leichte Leben




Wir sind angekommen - in Russland, spezieller: St. Petersburg. Wir sind dabei, bei der einzigen Baja im Schnee, der "Northern Forest". Als einige wenige internationale Gaeste neben FIA-Weltmeister Christian Lavieille, dem Letten Janis Naglis oder der Journalistin und Autorin Judith Tomaselli aus Frankreich.

Was erwartet uns in diesen grossen, unbekannten Land, das mit fester Hand von "Vater" Putin gefuehrt wird? Die Antwort in Kurzform: Alles - und irgendwie das "neue" Land der unbegrenzten Moeglichkeiten. Wir sind eingeladen, die russische Baja zu begleiten, deren Spirit zu erleben und natuerlich auch dafuer zu werben. Das Abenteuer beginnt...

Draussen ist es "Sau"-kalt, knappe -20 Grad, gefuehlt wie -50 Grad - oder wie kalt auch immer. Auf jeden Fall ungewohnt für Klima-Katastrophen-betroffene Mittel-Europaeer, die seit Jahren keinen Schnee mehr gesehen haben und deren Kinder (ab 1987) nur aus Erzaehlungen oder dem Innenleben eines Kühlschrankes von einem "kalten Weiss" wissen. Es gibt also noch Schnee - und hier in Sankt Petersburg jede Menge davon.

"Es ist nicht kalt, wir können draussen auf das Presseauto warten" grinst selbstbewusst die blonde Xenia, die uns Journalisten sowie dem FIA-Observer Marc aus Frankreich als Dolmetscherin zur Seite gestellt wurde. Xenia trägt einen bauchfreien Pullover und ihr Haar offen. Sexy, aber irgendwie kurios bei diesen Temperaturen. Ein Blick in den Spiegel verraet, irgendwie sehen wir mit unseren XXL-Winterjacken, doppelten Hosen, Adventure-Boots und Wintermützen nicht so sexy aus. Kalt ist uns dennoch - und das erste uns bekannte "Russland-Klischee" hat sich bewahrheitet: Frauen in Russland sind blond und haben was "ganz Besonderes". Das wärmt irgendwie.

Draussen wartend dampfend ein schwarzes, luxurioeses Ungetüm: Ein grosser Ford Explorer mit Vollausstattung, ganz Mafia-like mit rundum schwarz getoenten Scheiben - unser Pressefahrzeug. Prima, in St. Petersburg fallen wir schon einmal auf. Die Stadt überrascht: Die wunderschöne City erinnert stark an das "neue" Berlin-Mitte, es gibt mehr moderne Pkw als in anderen Ostblock-Staaten und eine ungeheure Dichte an teuren SUV. "Ein cooles Auto ist alles" berichtet unser Fahrer Sergej, "aber lasst Euch nicht täuschen, die meisten haben zwar ein SUV, aber dafür nur eine 10qm-Wohnung".

Von wegen alter, kalter Ostblock, hier herrscht Aufbruch. Statt "Coca-Cola" ist hier Pepsi-Musik "in" und im noblen Restaurant erklingt statt schickem, passivem Klavierklang laute Technomusik. Man ist modern, man ist dabei, den Westen zu ueberholen - und der erstaunte "Westler" wundert sich so manches mal, wenn die Aufholjagd dann doch wie beim Techno-Dinner ein wenig übertrieben wird.

Mit Tempo 80 kutschiert uns Fahrer Sergej durch den dichten Verkehr und zirkelt den schweren Ford dabei gekonnt zwischen den anderen Verkehrsteilnehmern hindurch. Wie gesagt, wir haben ja ein cooles Auto. Noch cooler sind allerdings die zahlreichen Mercedes und BMW, die uns mit einem aufgesetzten Blaulicht überholen. Auf unsere Verwunderung hin erklärt Sergej, das es sich keinesfalls immer um Politiker handeln würde. "Wer genug Geld hat, kann sich ein Blaulicht organisieren". So einfach ist das also. Sergej bemerkt ebenfalls unsere Bewunderung über die moderne Stadt: "Das ist nicht Russland, das ist St. Petersburg. Das echte Russland erlebt ihr später".

Und tatsächlich, auf dem Weg zum knapp 150 Kilometer entfernten Rally-Zentrum erleben wir das "wahre" Russland. Unendliche Wälder, kleine Ortschaften mit veträumten und farbenfrohen Holzhäusern, deren Form sich im Laufe der Jahre mangels fehlender Bodenplatte dem unebenen Boden angeglichen hat. Ein bisschen Schweden, ein bisschen Finnland - aber mit schrilleren Farben. Wer hier auf dem Land "hip" sein will, malt sein Haus eben lila oder pink an - alles ist erlaubt und Farbe kostet fast nichts.

Nach der rasanten Fahrt über romantische Strassen durch verschneite Landschaften halten wir - inmitten im Niemandsland, irgendwo im weiten Wald. "Green Village" nennt sich das kuenstliche Dorf, das mit Holz-Bungalows, einem überdachten Schwimmbad, einer vereisten Minigolf-Bahn und zahlreichen Wintersport-Attraktionen das allerneuste in Sachen Russland-Tourismus ist. Hier - und in der benachbarten Kleinstadt Gromowo fühlen wir uns auf einmal zu Hause: Das Knattern der Stromgeneratoren und das Aufbruellen frisierter Rally-Offroader lässt unser Herz hoeher schlagen. Wir sind da.

Wir werden erfreulich freundlich aufgenommen, man kennt unsere Namen, alles ist perfekt vorbereitet. "Ihr seid im "internationalen" Haus" erklärt Pressesprecherin Svetlana, "gemeinsam mit den Teams aus Frankreich". Gleich nebenan feiern gerade einige russische Teilnehmer mit einer Karaoke-Party. "Willkommen in Russland" schallt es und bevor man sich versieht, hat man auch schon ein Glas Vodka in der Hand. Wobei "Glas" untertrieben ist, "Becher" würde es besser treffen.

Auf der spontanen Party lernen sich heimische und internationale Teilnehmer schnell kennen. Unter den Teilnehmern kann kaum jemand englisch, dafür ist der Becher Vodka umgehend wieder gefüllt. Wir lernen russisch - oder zumindest, wie man hier feiert: Ausgelassen und erstaunlich weltoffen. Alles nur eine Frage des Vodkas? Keine Ahnung, aber es scheint so - von links kommt mittlerweile der dritte Becher.

"Ueberrascht?" grinst Dolmetscherin Xenia aus dem Off - wir drehen uns um und sehen, das auch die Rallykollegen aus Frankreich und Lettland auf der Party eingetroffen sind. "Gleich ist Fahrerbesprechung, danach geht es weiter".

Also auf ins Rallyzentrum, alle Konzentration gebuendelt auf den ersten offiziellen Teil der Rally. Staunend stellen wir fest, das die eben noch Vodka-freudigen Gastgeber auf einmal ernst bei der Sache sind und eifrig die vorgegebenen Roadbookaenderungen für den Prolog vornehmen. Man stellt sich offiziell gegenseitig vor, der Vorjahressieger freut sich gegenüber der Presse auf die internationale Konkurrenz.

Nach dem ersten Briefing wissen wir Bescheid und begeben uns in unseren Bungalow, der auf einmal von zahlreichen jungen Damen bevoelkert wird - und eine ist hübscher als die andere. Der Start der Rally hat sich herumgesprochen und ebenso die Tatsache, das deren Teilnehmer gerne einmal etwas mehr verdienen. Das zieht, vor allem bei den jungen Maedels auf dem Land. Selbstverständlich sind wir aber ganz brav und begeben uns zur Ruhe...

Der naechste Morgen erwartet die Teilnehmer mit knackigen -25 Grad, die einem aber ploetzlich gar nicht mehr so kalt vorkommen - man gewöhnt sich schnell daran. Wir starten in Richtung Prolog, der inmitten des Waldes auf einer knapp 22 Kilometer langen, fest verschneiten Piste ausgetragen wird. Uns erwartet neben einem schnellen, aber interessantem Rennen vor allem eines: Rallybegeisterte Einheimische, die mitten im Wald einen Grill aufgebaut haben, die ersten Schaschlik auflegen und bereits beim x-ten Vodka angekommen sind.

Somit bestätigt sich also Geruecht Nummer 2: Die Russen lieben tatsaechlich ihren Vodka. Und den behalten sie nicht für sich, wie der frisch gefuellte Becher beweist, der uns mit knappen aber freundlichen Worten überreicht wird. Jetzt hat auch die Rally tatsächlich begonnen!

Artikel vom 24.02.2006, Artikel: Northern Forest Liveteam








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