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ORMS Rally-Offroad Retter helfen bei Erdbeben-Katastrophe in Haiti.





Wer schon einmal bei einer Marathonrally dabei war weiss, wie gut und sinnvoll die begleitende Rettung z.B. der Profis von ORMS (Offroad Medical Service) ist. Das ORMS nicht nur Offroad-Veranstaltungen begleitet, dürfte auch Fans von Events und Rock-Konzerten bestens bekannt sein. Doch ORMS tut auch Gutes: Jüngst startete ein Team der bayerischen Retter, um den Erdbebenopfern in Haiti zu helfen.

"Man kann den Tod hier riechen" berichtete ORMS-Einsatzleiter Jochen Schreib gegenüber dem Münchener Merkur. "Wie eine Glocke liegt der Leichengeruch über der Hauptstadt Haitis." Sein Team erkundete gerade Fuss ein bislang unerschlossenes Viertel. Auch die Rettungshunde waren dabei. "Wenn wir in eine neue Strasse kamen, verriet uns der Geruch als erstes, was uns erwartet." Nichts für zart besaitete Menschen.

Jochen Schreib, 36 Jahre jung, war einer der Einsatzleiter des Teams, das von München aus gen Port-au-Prince aufbrach um zu helfen. Der Einsatz entstand in Kooperation mit dem Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk (MHW) mit Sitz in München, der Auftrag: Rettungsexperten, Mediziner und Hundeführer mit Rettungshunden zu entsenden - um Menschen zu retten.

Sie suchten nach Überlebenden und versorgten Verletzte, wo es nur ging. Jochen Schreib ist ein erfahrener Mann: Er half schon nach dem Tsunami in Asien als Einsatzleiter im Krisengebiet. Dennoch machte ihn das Ausmass der Katastrophe in Haiti fassungslos.

"Vor allem in Nebenstrassen lagen immer wieder Leichen auf den Gehsteigen", berichtet er beklemmt. Die Einwohner hatten schon Schilder aufgestellt, mit der Aufschrift: "Willkommen Ausländer - Achtung, Hier sind Leichen!" Sie baten die ORMS-MHW´ler, ihre verstorbenen Angehörigen zu bergen. Doch der Fokus lag in der Suche nach Überlebenden. Gleich nach der Ankunft machte man sich auf einem Universitätsgelände ans Werk - doch die Enttäuschung war gross: "Leider konnten wir dort nur noch Tote bergen", erzählt Schreib.

Je mehr Stunden verrinnen, desto geringer wurden die Chancen. "Aber kurz vor uns hat ein anderes Team noch zwei Menschen lebend aufgefunden", sagt Schreib, "das motiviert uns." Und noch ein Ereignis gab den Helfern Kraft: Sie konnten dabei helfen, zwei Kinderleben zu retten.

Zu Beginn waren die MHW-Kräfte in der benachbarten Dominikanischen Republik gelandet und von dort mit Bussen nach Haiti aufgebrochen. Auf dem Weg nach Port-au-Prince erreichten sie an der Grenze den Ort Jimuna. Dort entstand eine Art Notlager, in das Verletzte mit Hubschraubern gebracht wurden.

In der Nacht zum Samstag wurden dort zwei Kinder eingeliefert. Eines, so berichtet Schreib, hatte eine massive Trümmerfraktur am rechten Bein, eine Amputation war unvermeidlich. Das andere hatte eine Beckenfraktur erlitten. Beide litten an Wundinfektionen. "Sie mussten notoperiert werden."

Das Krankenhaus war völlig überlastet - und das Narkosegas war ausgegangen. Doch die ORMS/MHW-Helfer waren ausgerüstet und halfen den Ärzten vor Ort, die Narkose einzuleiten und die Kinder zu versorgen. "Sie konnten gerettet werden", berichtet Schreib glücklich.

Angst hatte er keine, meint der ORMS-Einsatzleiter. Das Zeltlager am Flughafen, in dem sie schliefen, wurde von US-Soldaten bewacht, im Einsatz begleiteten sie UN-Kräfte. Und die Eindrücke? Wie verkraftet er die? "Wir sind ständig in Action. Du hast keine Zeit, dir da gross Gedanken zu machen." Er wisse aus Erfahrung: "Das kommt hinterher."

Trotz der heftigen Erfahrungen steht den bayerischen Rettern und vor allem Jochen Schreib nun wieder der "normale" Alltag bevor. Schwer für den "Normalbürger", genauso schwer, aber nicht änderbar für die Retter.

Für die Offroad-Szene ein Zeichen mehr, das man sich gut behütet fühlen kann. Die nächsten Einsätze der ORMS-Retter sind zum Glück harmloser: Die "Tuareg Rally" in Marokko und die "Dresden-Breslau" sind einige der kommenden Highlights. Gegenüber Haiti fast ein Urlaub für die Retter - und ein Segen für die Offroad- und Rallyszene. Ein "bisschen nebenherfahren" ist eben nicht Alles.

2010/02/09 | 01:40 CET | Editor: MR/HS/MÜNCHENER MERKUR









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