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Rainforest Challenge: Nichts fuer schwache Fahrzeuge - und Herzen






Sie wurde lang und heiss erwartet, war aufgrund des fehlenden Regens am Ende ein wenig leichter als geplant - und machte ihrem Namen dennoch alle Ehre: Die Twighlight-Zone der Rainforest Challenge 2006. Am Samstag Morgen starteten die ersten Teilnehmer in den tiefen Dschungel, am Sonntag Abend kamen die ersten nach knapp 18 Stunden non-stop bereits am Ziel an. Doch fuer europaeische Gemueter uebertraf die Twighlight-Zone alles bisher Gewohnte: Enger Dschungel, komplett zugewachsene Wege, Fluesse ohne Bruecken (die dann mittels Baumstaemmen gebaut werden mussten), rutschige verschlammte Pisten neben tiefen Abhaengen. Das alles in der atemberaubenden Dschungelatmosphaere und deren einzigartiger Geraeuschkulisse.

Wer hier durchfuhr, musste gleich mehrere Voraussetzungen mitbringen: Den unbedingten Willen das Fahrzeug zu zerstoeren, eine absolut gute Kondition, ein gutes Herz, keine Probleme mit wilden Tieren und Naesse sowie verdammt gute Nerven.

Bereits die ersten 9 Kilometer liessen Fahrer und Beifahrer zittern: Die "Wege" - zumindest das, was nach ueber 30 Jahren Unberuehrtheit von ihnen uebrig war - waren teils nicht einmal 2 Meter breit - und an manchen Stellen so eng von Baeumen begrenzt, das man sich nur mit Schwung und am Ende ordentlich eingedruecktem Blech hindurchquetschen konnte. Die Wasserdurchquerungen waren aufgrund des fehlenden Regens ueberwiegend leicht (waehrend der gesamten RFC regnete es nur einmal am Mittwoch), somit waren auch die Wege weniger rutschig als angenommen. Doch der wenige Schlamm reichte, um angeschlagene Herzen zum potentiellen Infarkt zu verleiten - und das nicht nur einmal, sondern permanent.

Einer der heftigsten Punkte war eine von einem Wasserfall ueberflutete Stelle, die aehnlich einem Roadrunner-Comic eigentlich nur ein dreieckiger Ueberhang ueber einer knapp 70 Meter tiefen und komplett gruen verwucherten Schlucht war - das konnten die Teilnehmer engegen der auf der anderen Seite wartenden Presse jedoch nicht wissen. Entsprechend wuest winschten und manoevrierten sie ihre Fahrzeuge an der Stelle, jederzeit der Gefahr ausgesetzt, das der Ueberhang unter dem Gewicht der Fahrzeuge und Personen einbrechen koennte. Wer anhand solch gefaehrlicher und gleichzeitig nervenaufreibender Stellen denkt "das ist Wahnsinn, unverantwortlich" oder simpel gesagt "einfach nur bekloppt", dem sei gesagt: Ja, das ist es, alles zusammen - und noch viel mehr. Aber genau das macht die Rainforest Challenge aus, Hardcore, Mut, Materialschlacht, Dreck, Wahnsinn. "Sonst ware es keine Rainforest Challenge" grinst Veranstalter Luis J.A Wee.

Die Winsch war das wichtigste und am meisten eingesetzte Instrument in der Twighlight-Zone - und ohne sie (und natuerlich sehr guten MT-Reifen, unbedingt mit Schlaeuchen) waere eine Bewaeltigung gar nicht erst moeglich gewesen. Dennoch kippten die Fahrzeuge wie fallende Blaetter im europaeischen Herbst. Man musste nicht lange suchen, da so gut wie in jedem Abschnitt irgendwo jemand auf der Seite oder auf dem Dach lag und versuchte, sich irgendwie wieder fahrbereit zu machen. "Das ist heute schon das zweite mal" berichtet ein Teilnehmer aus Borneo, "man gewoehnt sich schon fast daran". Probleme damit hat er nicht: "Unser Toyota ist darauf vorbereitet." So bewahrten sich hier vor allem die Ueberrollkaefige, die auf der RFC Pflicht sind (Helme hingegen komischerweise nicht).

Ohne grosse Probleme passierten die beiden Jeep Cherokee des Oesterreichers Markus Osswald und des Daenen Max Skjoeld die Twighlight-Zone. "Das war einfach fantastisch" berichtet der stets gut gelaunte Markus Osswald, "allerdings haetten wir nicht gedacht, das wir so schnell durchkommen". Das Land Rover-Ehepaar Janaszkiewcz aus Polen hatte wieder einmal mit ihrem britischen Fahrzeug zu kaempfen, wilde Reparaturen mitten im Dschungel waren die Folge. Am Ende erreichen aber auch sie das Ziel der Twighlight-Zone, ein malerisches Camp am Rande eines wohl temperierten Flusses - nur zwei Teilnehmer mussten die Twighlight-Zone wegen technischer Schaeden komplett abbrechen.

Ueberhaupt war nicht nur die Twighlight-Zone, sondern die komplette Rainforest Challenge vor allem fuer die zahlreichen Land Rover Defender eine "Repairing Challenge". Es gab nicht einen Defender, der ohne groessere Reparaturen die RFC ueberstand - wahrend die Jeeps, Toyota und Nissan fast ohne nennenswerte Reparaturen durchkamen. Die Hauptprobleme der Land Rover: Steckachsen, Spurstangen und Bremsen. "Wir lieben unsere Landys" berichtet ein Mitglied des Teams aus Sri Lanka, das mit zwei Land Rovern angetreten ist, "wir muessen sie aber haerter machen, fast jeden Tag eine neue Achse geht langsam auch ins Geld". Fuer RFC-Verhaeltnisse wenige Steckachsen verbrauchte das Team von den Phillipenen - was am Ende aber daran lag, das sie so gut wie keine Stage ueberstanden und die Schaeden fast nur auf den Ueberfuehrungen auftraten. Die Land Rover-Handler in Malaysia hatten auf jeden Fall ihre Freude - denn am Ende mussten die immens benoetigten Ersatzteile sogar eingeflogen werden, da in Malaysia die nicht gerade zahlreich vorhandenen Teile ausgingen.

Einen kleinen Stich hatten viele Teilnehmer geschlossen zur Verfuegung, wenn sie hoerten, das unser Presseteam aus Deutschland stammt: "Ein Mercedes G wuerde das hier nie schaffen." Das dem nicht so ist, bewiesen zahlreiche Mercedes G in der Vergangenheit der Rainforest Challenge. Ueberwiegend als kleiner Seitenhieb gemeint, ist die Tatsache der fehlenden Mercedes G auf der RFC aber eher auf deren Preis zureckzufuehren: Ein Mercedes gilt in Malaysia als Luxus-Importfahrzeug und wird mit einer Zulassungssteuer von knapp 150% des Anschaffungswertes "bestraft". So kann ein neuer Mercedes G also schnell mal weit ueber 200.000 Euro kosten - und Gebrauchte sind seltener als ein Rolls Royce oder Ferrari.

Ein besonderes Erlebnis wurde die Twighlight-Zone auch fuer einen Teil der Presse und der zahlreichen Trophy-Touristen und -Begleiter. Sie begleiteten die Twighlight-Zone ueberwiegend zu Fuss und waren meist schneller als die Fahrzeuge unterwegs - wenn sie denn vor ihnen starteten. Viele der Fotografen hatten das Pech, am Ende keinen einzigen Teilnehmer zu fotografieren - also machte man eine eigene "Presse-Adventure-Challenge" aus der Twighlight Zone.

Am Ende ueberstanden alle Dschungel-Durchquerer die Twighlight-Zone unverletzt und ohne groessere Probleme - und mit dem Ziel der Twighlight-Zone ging auch die Rainforest Challenge 2006 ihrem Ende entgegen. Am Sonntag Abend startete der Trophy-Tross schliesslich in einem grossen Konvoi mit Polizeibegleitung heraus aus dem Dschungel zurueck in die Zivilisation - in ein luxurioeses Hotel- und Golfresort, um dort gemeinsam die Sieger zu kueren und die ueberstandendene Rainforest Challenge 2006 zu feiern.

Artikel vom 05.11.2006, Artikel: RFC-Live-Team/hs








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