

|

 SA-Dakar 2011: Kahle und Schünemann stellen den SMG-BMW Buggy vor.
Seitdem sich "Le Patron" Jean-Louis Schlesser von ASO-Veranstaltungen zurückgezogen hat, gilt ein deutsches Team als "die neue Dominanz" bei den Buggies: Matthias Kahle und Dr. Thomas Schünemann vom "HS Rally Team" wollen es auch 2011 wieder wissen. Wie berichtet starten beide erstmals mit einem SMG-Buggy, das wir Ihnen einmal näher vorstellen möchten.
Das Herzstück des Buggy stammt aus München. Unter der Haube des SMG schlägt ein Biturbo-Dieselmotor aus dem Hause BMW. Das Sechszylinder-Aggregat mit drei Litern Hubraum liefert mehr als 300 PS und sagenhafte 650 Newtonmeter Drehmoment auf die Hinterräder. Mit seinem Drehmoment stellt der Wüstenbuggy sogar einen Porsche 911 GT3 in den Schatten.
Die Biturbo-Power wird über ein semi-automatisches Fünfgang-Getriebe des amerikanischen Spezialisten Fortin an die Hinterräder übertragen. Die Getriebeübersetzung ist auf eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt. Das bei der "Silk Way Rally" verwendete Sperrdifferenzial wird bei der Dakar nicht eingesetzt, um die Zuverlässigkeit des Buggy zu verbessern.
Die Karosserie ist ultraleicht und extrem belastbar. Nach diesen Prinzipien hat der französische Konstrukteur SMG - unter der Leitung des mehrfachen Le Mans-Teilnehmers Philippe Gache - das Rohrrahmen-Chassis des Offroaders gebaut. Die Karosserie besteht grösstenteils aus Kohlefaser und bringt lediglich 80 Kilogramm auf die Waage. Das per Reglement festgelegte Mindestgewicht von 1.320 Kilogramm erreicht der Buggy nur durch Zusatzgewichte und ist damit leichter als ein VW Golf.
Eine der grossen Trumpfkarten des SMG-Buggy sind die eigens entwickelten Doppelstossdämpfer von Fox, die an allen vier Rädern zu finden sind. Dank des gigantischen Federwegs von 45 Zentimetern an der Vorder- und 50 Zentimetern an der Hinterachse schluckt das Arbeitsgerät von Kahle und Schünemann Bodenwellen selbst bei hoher Geschwindigkeit.
Mit 2,18 Metern Breite ist der Wüstenbuggy nur gut einen Zentimeter schmaler als ein Hummer. So unterschiedlich die Autos auch sein mögen, die Ingenieure verfolgten ähnliche Motive bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge: eine gute Geländegängigkeit. Der breite Buggy liegt bei Unebenheiten und Bodenwellen einfach besser auf der Strasse.
Mit einem Durchmesser von 83 (vorne) bzw. 88 Zentimetern (hinten) würden die BFGoodrich Buggy-Reifen nicht einmal in den Radkasten eines Strassenautos passen. Dagegen kommen die Bremsen vergleichsweise bescheiden daher. 280 Millimeter messen die innenbelüfteten Scheibenbremsen an der Vorderachse, die Scheiben an der Hinterachse sind mit 300 Millimetern genau so gross wie die des Skoda Fabia S2000, mit dem Matthias Kahle dieses Jahr die Deutsche Rally-Meisterschaft gewonnen hat.
Mit einem speziellen System lässt sich der Druck jedes einzelnen Reifens per Knopfdruck vom Lenkrad des Buggy regeln. So wird während der Fahrt auf steinigen Passagen der Luftdruck auf bis zu 2,0 bar erhöht, in sandigen Abschnitten teilweise auf unter 0,3 bar abgesenkt. Geringerer Reifendruck vergrössert dabei die Auflagefläche des Reifens, wodurch das Einsinken in den Sand verhindert und das Fahren in den Dünen verbessert bzw. erst möglich wird. Dieses System ist nur bei Buggys erlaubt und soll dazu beitragen, die konstruktionsbedingten Nachteile des Heckantriebs gegenüber der Allrad-Konkurrenz ein wenig zu kompensieren, die zum Regeln des Reifendrucks anhalten und aussteigen müssen.
2010/12/06 | 17:32 CET | ARTICLE: MR/HS/KLEIN/KREISS


|

|