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 SA-Dakar: David verliert gegen Goliath - Pech und falsche Reifen bei X-raid.
Man nehme ein paar dutzend Millionen, einen Fuhrpark, der früher einen viertel Dakar-Tross ausgemacht hätte, hoch gebildete Ingenieure, eine Armee von Mitarbeitern und die besten Rallyfahrer - dann gewinnt man die Dakar garantiert. Der Volkswagen-Sieg ist verdient, vergönnt sowie über die Jahre erarbeitet - und im ersten Augenblick auch unglaublich teuer.
Aber für VW ist die Dakar auch die wohl grösste, pompöseste weltweite Werbekampagne. Würde man die für die Dakar investierten Millionen für weltweite TV-Werbeminuten ausgeben, den Effekt eines Dakar-Sieges - noch dazu im produzierenden Land Argentinien - würde man nie erreichen. Noch dazu brennt man dem Verbraucher ein: "Schaut her, Volkswagen ist selbst auf der härtesten Rally der Welt zuverläsig." Mit normalen Werbemöglichkeiten unmöglich.
Aber es bleibt die Frage des Wettrüstens. Wir erinnern uns an die 90er Jahre der Dakar, als diese auch noch eine Herausforderung an die Logistik war. Porsche und Opel blieben im Rahmen. Aber Peugeot und Citroen drangen mit einer Übermacht auf die Dakar, entfachten ein Wettrüsten mit Mitsubishi und "erzwangen" so den Sieg.
Später legte Mitsubishi mit Prototypen vor - doch die blieben auf dem Teppich, kamen mit einem verhältnismässig überschaubaren Fuhrpark und gewannen die Dakar auch, als heftige Prototypen wieder verboten waren (z.B. 2001 mit Jutta Kleinschmidt). Das Wettrüsten startete man erst wieder, als Volkswagen und - wohl für Mitsubishi noch wichtiger - Nissan 2003 einstiegen.
Was in den letzten Jahren passierte, ist kaum noch zu toppen. Nissan zog sich nach nur zwei Jahren wieder zurück: "Zu teuer". Aber mit dem Race Touareg entwickelte Volkswagen kontinuierlich einen schier unbezwingbaren Sieger-Prototypen, Millionen Euro wert. Damit alles in der eigenen Hand bleibt, zielte man - mit Ausnahme des Portugiesen Carlos Sousa - nicht auf Kunden, sondern nur auf den Werks-Einsatz.
Damit sorgt man allerdings auch dafür, das andere Werksteams vorerst ausbleiben. Denn das Millionen-Wettrüsten schreckt ab - und exkludiert Privatteams von der Spitze, weil diese einfach keine Chance mehr haben.
Ein paar vereinzelte Teilnehmer mit Ex-Werksautos (Spinelli, Van Loon, Van Deijne etc.) hielten tapfer dagegen - blieben aber chancenlos. Ein zweites Deutsches Team nahm tapfer den "Wettkampf" mit Volkswagen auf: X-raid BMW aus dem kleinen Trebur bei Frankfurt/Main. Hinter X-raid steht Sven Quandt. Wahrlich kein armer Mensch, aber Einer, der sein Privat-Budget für den Motorsport einsetzt.
Wäre Quandt nicht so ein tapferer und gestandener Manager, man würde ihn nach dieser Dakar am liebsten in den Arm nehmen. Er und sein Team schafften den einzigen Nicht-VW Etappensieg - und er und sein Team waren der einzige, wirkliche VW-Gegner - allerdings mit wesentlich kleinerem Budget und überschaubarer Man-Power. Doch das Glück war ihm und seinem Team erneut nicht hold.
Besonders bitter: Die falschen Reifen haben unter´m Strich die Dakar entschieden. Nun mag das Auto schwerer sein oder der Speed zu schnell - aber de fakto muss der Reifen das aushalten. Beim VW Race Touareg klappte das ja auch prima. X-raid muss nun handeln, denn wären die vielen Reifenschäden nicht gewesen - zumindest ein Platz auf dem Podium wäre mit Sicherheit drin gewesen.
Immerhin, von sieben eingesetzten X-raid Autos, darunter sechs BMW X3CC und ein Mini, kamen vier ins Ziel. Zwei ausgefallenen Fahrzeuge eliminierten sich durch Überschläge, Novitskiy und Schulz fielen wegen einer Verletzung am Daumen des Fahrers aus.
Vier der eingesetzten Fahrzeuge waren Kunden-Autos. Vor allem der Überschlag des Mini war unsinnig, versaute die tatsächlich funktionierende PR-Bombe als Alternative zur VW-Berichterstattung. Die "Motorsport-Aktuell" ging hart mit Fahrer Guerlain Chicherit ins Gericht, prophezeit in der aktuellen Ausgabe sogar sein Karriere-Ende im Rallysport.
Immerhin: Platz 4 für Stéphane Peterhansel und Jean-Paul Cottret, Platz 5 für Kristof Holowczyc und Jean-Marc Fortin, Platz 7 für Leal Dos Santos/Fiuza und Platz 20 für Stephan Schott und Holm Schmidt im ältesten Fahrzeug, das gelegentlich auch zickte.
Einen grossen X-raid Beitrag leisteten auch Andrea Mayer, Thomas Baumann und Phillip Beier, die im 6x6 MAN dem Feld hinterherfuhren und havrierten BMW halfen. Für Andrea Mayer eine besondere Rally: Nach dem Motorrad und dem Auto hat sie die Dakar nun auch mit einem Lkw bezwungen, die Platzierung wurde leider noch nicht durch den Veranstalter ASO veröffentlicht.
X-raid hat die grössten Chancen, mit kleinerem Budget gegen Volkswagen mitzuhalten. Aber der Veranstalter muss nachdenken - denn das Wettrüsten schadet letztlich auch ihm: Spätestens, wenn weiter andere Werksteams wegbleiben, weil sie den hohen finanziellen Einsatz scheuen. Andererseits hat Volkswagen als gleichzeitiger Sieger, Sponsor und Medien-Sponsor derart "Macht" übernommen - wer will es dagegen aufnehmen?
Das ist Motorsport. Marathonrally.com gratuliert dem Dreifachsieger Volkswagen - und ganz besonders Nasser Al Attiyah und Timo Gottschalk: Beides sehr nette Typen denen man den Sieg eindeutig gönnt.
Al Attiyah versuchte es lange mit X-raid - bis er ein Angebot von Volkswagen bekam. Sven Quandt machte aus ihm einen "Dakaristi", Volkswagen aus ihm einen Sieger. Der erste Sieg eines Arabers - und das nicht nahe der Heimat in Afrika, sondern auf der anderen Seite der Welt in Argentinien und Chile.
2011/01/16 | 17:41 CET | ARTICLE: MR/SY | PICS: WILLY WEYENS


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