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 SA-Dakar: Gerhard Walcher - "Für Indianer wie uns ist hier kein Platz mehr".
Bei unzähligen Dakar-Versuchen mit seltenen Fahrzeugen wie z.B. einem Motorrad-Seitenwagen oder Scam klein-Lkw versuchte es der Schwabe Gerhard Walcher immer wieder auf der Dakar - und kam nie an.
2006 legte Walcher sich einen gebrauchten Rally-Unimog zu - und gemeinsam mit dem neuen Navigator und "Schrauber-Gott" Stefan Niemz klappte es dann 2007 endlich: Man erreichte das Ziel im Senegal. In diesem Jahr wollte man es erstmals in Südamerika versuchen.
Von Markus Walcher Sie haben die verregneten Schlammpassagen bei Buenos Aires durchfahren, die Anden in 4.800 Meter Höhe überquert, sich durch gigantische Dünenfelder in der Atacama-Wüste gekämpft, viel geschraubt, kaum geschlafen, alles versucht - und mussten am Ende doch die Waffen strecken.
Schon vor dem Start der Rally begann das Abenteuer bei der technischen Abnahme in Buenos Aires. Wie auch viele andere Teilnehmer zwang eine fehlende Strebe im Überrollkäfig, Walcher und Niemz zu einer schnellen Nachrüstung in einer örtlichen Werkstatt - um überhaupt für den Start zugelassen zu werden.
Die ersten fünf Renntage der insgesamt über 9.500 Kilometer langen Veranstaltung verliefen dann aber erfolgreich und ohne nennenswerte technische Probleme. Mehr als Scheibenputzen war bei der abendlichen Fahrzeugpflege im Camp kaum angesagt.
Mit der 6. Etappe und den ersten wirklich hohen Dünen begann jedoch das richtige Abenteuer. Beim Versuch, in der Dunkelheit eine durch die Pkw verstopfte Dünendurchfahrt zu umfahren, kippte der Unimog um und musste in einer aufwändigen Aktion wieder auf die Räder gestellt werden. Zu allem übel war die einzige Dose Bier des Teams dann auch noch in der Türtasche der Fahrertüre eingeklemmt, auf die sich der Unimog mit seinen sieben Tonnen Kampfgewicht gelegt hatte.
Auf der folgenden 7. Etappe wollte das Glück nicht so recht zurückkehren. Während den letzten 100 Kilometer brach der Getriebeträger, anschliessend wurde auch noch eine Luftleitung des Bordsystems zerstört, das zum Schalten, Bremsen und Befüllen der Reifen benötigt wird.
Die Reparatur dauerte die ganze Nacht, so das vom darauf folgenden Ruhetag nicht viel übrig blieb. Schon zu diesem Zeitpunkt war Schlaf absolute Mangelware und die Strapazen zehrten zunehmend an den Reserven von Mensch und Material.
Die anschliessende 8. Etappe sollte daran nichts ändern. Im Gegenteil, es wurde wieder hart - man buddelte sich kräftig ein. Bis in die Morgenstunden musste der Unimog wieder aus den extrem hohen und weichsandigen Dünen freigeschaufelt werden. "Wir kämpfen hier mit letzter Kraft - aber wir kämpfen weiter" sagte Gerhard Walcher hörbar geschwächt am Telefon.
Nach der Zielankunft ging es ohne Verschnaufpause weiter auf die nächste Etappe in Richtung Süden. Für das Team leider die letzte in Wertung: Aufgrund eines defekten Dichtringes musste die Hinterachse am Streckenrand komplett zerlegt werden. Die Reparatur nahm soviel Zeit in Anspruch, das nicht mehr genügend Kontrollpunkte durchfahren werden konnten - dadurch wurde man nicht mehr zum Start zugelassen.
Zwar ernüchtert, aber dennoch zufrieden mit den Erlebnissen und der eigenen Leistung stellen schlussendlich beide fest: "Für uns war es die letzte Teilnahme an der Dakar. Wir fühlen uns hier wie zwei Indianer mit Pfeil und Bogen inmitten der hochgerüsteten US Armee. Mit dem Unimog und ohne enormen finanziellen Aufwand ist ein Durchkommen kaum noch möglich, die Rally hat sich stark gewandelt und ist professioneller geworden. Für Indianer wie uns ist hier kein Platz mehr."
Waren es bei der echten "Afrika Dakar" noch dutzende Unimog, die das Ziel erreichten, war es 2011 nur ein Fahrzeug: Die Holländer Kornelis Offringa und Jan Hanse aus Holland brachten den einzigen "Spezial-Mercedes" ins Ziel.
Begeistert zeigen sie sich aber dennoch. So sei zum Beispiel die Landschaft Südamerikas gigantisch und die Euphorie der Bevölkerung nahezu grenzenlos. "Es war wieder ein phantastisches Erlebnis, wir haben tolle Bilder gemacht und unglaublich viel zu erzählen," freuen sich beide.
2011/01/25 | 17:08 CET | ARTICLE: MR/SY/WALCHER


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