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 Tunesien Rallys: Truck Challenge sagt ab, Grand Erg, El Chott planen weiter.
Kaum Jemand wird in den vergangenen Tagen um die Berichte aus Tunesien drumherumgekommen gekommen sein. Die einen sprechen über Unruhen - wir nennen es "Aufstand des Volkes". Denn was nur wenige wissen: Tunesien war faktisch gesehen eine Diktatur mit einem Präsidenten als alleinigem Entscheider. Touristen wurden in Ruhe gelassen, die Wirtschaft schien optisch zu funktionieren. Doch was hinter den Kulissen ablief, bekam man eher selten mit.
Jetzt hat das Volk den Aufstand geprobt, den alten Präsidenten vertrieben, die Politik sortiert sich neu. Und die Rallyszene fragt sich, was denn nun aus dem beliebten Reiseland und Austragungsort zahlreicher touristischer und sportlicher Events wird. Vom Deutschen Auswärtigen Amt wurde eine Reisewarnung für Tunesien ausgesprochen. Das hat nicht immer etwas zu bedeuten, tilgt jedoch zumindest gerne den Versicherungsschutz.
Vor allem die nahe liegenden Rallys "Truck Challenge" (16. bis 30. April) und "Grand Erg" (07. bis 18. Mai) sind eventuell in ihrer Austragung gefährdet. Die Organisatoren der neuen "Truck Challenge" - einer Amateurrally nur für Lkw - beschlossen nun, die Veranstaltung abzusagen.
"Wir sehen uns als verantwortungsbewusste Veranstalter leider gezwungen, die diesjährige Ausgabe der Veranstaltung aus Gründen höherer Gewalt abzusagen" erklären Mathias Gentsch und Detlef Feld. "Die Sicherheit und Unversehrtheit der Teilnehmer ist uns wichtiger als finanzielle Einbussen. Bereits bezahlte Nenngelder werden selbstverständlich vollständig bis zum 30.01.2011 zurück erstattet."
Nach deren Aussage und Bestätigung durch das tunesische Tourismusministerium werden derzeit keinerlei neue Genehmigungen für Motorsport-Veranstaltungen ausgestellt. Sollte es die Sicherheitslage zulassen, wird die Truck-Challenge mit neuem Termin stattfinden.
"Grand Erg"-Veranstalter Jörg Russler hat noch ein wenig mehr Zeit - und die Rally besteht schon seit Jahren, entsprechend gut sind die Kontakte. Daher hält man vorerst an der Rally fest. "Bislang sind wir der Meinung, dass sich die Lage im Land bis Anfang Mai durchaus wieder stabilisiert haben kann und treiben die Planung userer Rally weiter voran" berichtet Russler.
"All dies jedoch mit wachsamem Auge! Wir sind uns unserer Verantwortung als professioneller Veranstalter mehr als bewusst und stehen in täglichem Kontakt mit deutscher und österreichischer Botschaft sowie den tunesischen Behörden, da wir die Grand Erg nur dann durchführen werden, wenn ein sicherer Verlauf gewährleistet werden kann" so Jörg Russler weiter.
Entspannter sieht man es bei der grössten deutschen Tunesien-Rally "El Chott", die vom 25. Oktober bis 12. November 2011 ausgetragen wird. "Die aktuellen Ereignisse in Tunesien geben uns allen Anlass zur Sorge. Und die öffentliche Berichterstattung trägt wenig dazu bei, unsere Fragen zur Lage im Gastland der El Chott zu beantworten" erklärt der neue Veranstalter Jörg Schumann.
"Natürlich wollen und werden wir unseren Teilnehmern eine Veranstaltung mit einem hohen Mass an Sicherheit bieten. Aber trotzdem oder gerade deshalb bringt uns Panikmache keinen Schritt weiter. Gerade wir, die wir mit unserer Rally von der Gastfreundschaft Tunesiens immer profitierten, sollten die ersten sein, die den Beweis antreten, dass sich an dem guten Image des Landes nichts geändert hat."
Schumann kann etwas beruhigter auf "seine" Rally schauen, findet sie doch erst im Herbst diesen Jahres statt. Und vielleicht könnten Grand Erg oder El Chott tatsächlich auch als Erste von den Unruhen profitieren: Eine neue, vom Volk akzeptierte Regierung würde Ruhe bringen - und dann braucht man den Tourismus zurück. In einer Zeit, in der Hotels wenig belegt sind, kämen dem Land medienträchtige und umsatzstarke Rallys da gut zu stehen.
"Ich werde am 28. Februar auf meinem Weg nach Libyen durch Tunesien kommen, mich mit unserem Rallybegleiter treffen und einen Termin mit dem für das Sperrgebiet veranwortichen Militär wahrnehmen. Danach kann ich aus erster Hand meine Eindrücke zur Sicherheitslage wiedergeben" erklärt Jörg Schumann. "Einen Ausblick auf die 2011er Rally gibt es am Samstag, 22. Januar, auf dem Nachtreffen im Hotel Eisenacher Haus."
Die Teilnehmer der Libyen-Rallies "Libya Rally Raid" und "Libya Rally" werden es ebenso als Erste erfahren: Sie müssen Tunesien bereits im März durchqueren. Marathonrally.com wird die belgische "Libya Rally" begleiten und wird dann ebenfalls für Sie "aus erster Hand" berichten.
2011/01/19 | 16:46 CET | ARTICLE: MR/SY


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