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Vorstellung Iveco Massif: Das alte-neue Arbeitstier






Die Offroad-Legende Land Rover Defender bekommt Konkurrenz. Iveco Massif heisst der ebenso kantige italienische Geländewagen, der in Deutschland ab September ausgeliefert wird. Er kann alles, was der Defender auch kann und manches sogar spürbar besser. Denn sein kraftvoller Dreiliter-Turbodiesel mit Common Rail und 130 kW / 176 PS bietet mit 400 Newtonmetern Drehmoment im Überfluss. Und mit einem Einstiegspreis von 30.750 Euro ist der Massif nur unbedeutend teurer als der Defender.

Ivecos Massif bietet ebenso wie der Defender, was man in der grossen Zahl weichgespülter und modischer SUV nicht mehr findet. Das heisst, solide und robuste klassische Allradtechnik mit stabilem Leiterrahmen, Starrachsen an Blattfedern und per Hand zuschaltbarer Allradantrieb, der auch ohne aufwändige Elektronik sicheres Vorankommen selbst in extremem Gelände erlaubt. Das macht den Massif zu einem echten Arbeitstier und damit einem immer seltener werdenden Angebot auf unserem Markt.

Bei professionellen Offroadern ist der zur Fiat Group gehörende Nutzfahrzeughersteller Iveco bestens aufgestellt. Vom allradgetriebenen Transporter Daily 4x4 über den Lkw Eurocargo bis hin zum schweren Allradtruck Trakker reicht die Palette, die nun mit dem Massif durch einen kompromisslos geländegängigen Personentransporter nach unten erweitert wird. Zugleich knüpft Iveco an den von Fiat zwischen 1951 und 1987 gebauten Campagnola an, dessen 1974 vorgestellte zweite Generation es als Sondermodell für den Vatikan sogar bis zum Papstmobil brachte.

Eingekleidet von Giugiaro präsentiert der Massif sich mit dynamischem Kühlergrill und Vieraugen-Gesicht. Und wer beim Blick auf seine Silhouette unübersehbare Ähnlichkeiten mit der Defender-Linie zu erkennen meint, liegt absolut richtig. Denn im Massif stecken tatsächlich Land Rover-Gene. Gebaut wird der Iveco Massiv nämlich nicht in Italien, sondern bei Santana-Motors in Spanien.

Das aber ist die schon 1955 gegründete Firma, die bereits seit 1958 den klassischen Land Rover in Lizenz baute und als Santana vertrieb. Bis 1982 arbeiteten Santana und Land Rover intensiv zusammen. Dann trennten sich beider Wege und Santana entwickelte die britischen Lizenzmodelle in eigener Regie weiter. Santana 2500 und ab 2002 Santana PS10 hiessen die Nachfolgemodelle. Und mit dem PS10 kam Iveco mit ins Spiel - als Motorenlieferant.

Aus dem Santana PS10 wurde in intensiver Zusammenarbeit mit Iveco schliesslich der Massif entwickelt. Der wird allerdings nicht mehr von Santana, sondern von Iveco selbst vermarktet. Und angesichts 1400 veränderter Teile von insgesamt 2000 darf man beim Massif mit gutem Grund von einem neuen Auto sprechen. Aber das klassische Konzept des Land Rover Defender blieb erhalten.

Dass Massif und Defender zwei unterschiedliche Autos sind, spürt man sofort, wenn man auf dem Fahrersitz des 4,72 Meter langen fünftürigen Station Wagon Platz nimmt. Denn im Massif klebt man nicht mehr direkt an der Verkleidung der Fahrertür. Der Sitz ist so weit in die Mitte gerückt, dass man sogar ausreichend Platz für eine Fussstütze für den linken Fuss und keinerlei Probleme mehr beim Betätigen der Pedale hat.

Die wahre Stärke des Massif erlebt man dann, wenn man den bereits beim Iveco Daily bewährten Dreiliter-Vierzylinder-Turbodiesel anlässt, den es in zwei Leistungsstufen mit 107 kW / 146 PS und 130 kW / 176 PS gibt. Schon der kleinere überrascht mit einem bereits von 1400 bis 2600 U/min verfügbaren höchsten Drehmoment von 350 Nm. Doch der grössere stellt mit 400 Nm bei nur 1250 bis 3000 U/min alle in dieser Klasse in den Schatten.

Denn beim Erklimmen einer Steigung mit 45 Prozent, die sich wie eine steile Wand vor dem Fahrzeug präsentierte, verstanden wir schnell, warum die Instruktoren vom "Standgastag" gesprochen hatten. Denn der Massif kroch allein mit Standgas und Geländeuntersetzung zwar langsam, aber unaufhaltsam in die Höhe. Und wenn in anderen Geländeabschnitten bei extremer Verschränkung einzelne Räder den Bodenkontakt verloren, reichte ein Druck auf den Schalter für die serienmässige hintere Differenzialsperre, um sofort wieder für Traktion zu sorgen.

An die Antriebsräder gelangt die gewaltige Kraft des Motors über ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe mit Overdrive von ZF und das von Santana übernommene Verteilergetriebe, das über die Übersetzungsstufen "High" und "Low" verfügt. In letzterer ist der Allradantrieb zusammen mit einer Längssperre grundsätzlich eingeschaltet, in der Stufe "High" kann man mit einem besonderen Hebel zwischen Zweirad- und Vierradantrieb sowie Längssperre wählen. Eines darf man allerdings vor dem Geländeausritt nicht vergessen: das Verriegeln der für den Massif typischen vorderen Freilaufnaben.

Obwohl der Massif mit seiner robusten Technik ein absolut professioneller Geländegänger ist, bedeutet das nicht, dass man bei normaler Strassenfahrt auf Fahrsicherheit und Fahrkomfort verzichten muss. Im Gegenteil, es überrascht, wie problemlos dieses mit dem kleineren Motor bis zu 148 km/h und dem grösseren bis zu 160 km/h schnelle Auto auch bei zügiger Kurvenfahrt dem Lenkeinschlag folgt und wie wirkungsvoll das robuste Fahrwerk mit seinen Blattfedern sowie hydraulischen Stossdämpfern vorn und Luftdruckdämpfern hinten sowie Stabilisatoren an beiden Achsen Querfugen und Gullydeckel wegbügelt. Gewöhnen muss man sich allerdings an den mit 13,04 Meter recht grossen Wendekreis.

Trotz aller Treue zu klassischer Technik ist der als Station Wagon leer zwischen 2140 kg und 2325 kg wiegende Massif ein modernes Auto mit Scheibenbremsen rundum und ABS, das bei kritischen Geländepassagen abgeschaltet werden kann. Für die Strassenfahrt mit nur einer Antriebsachse gibt es auch eine elektronische Bremskraftverteilung. Nicht verfügbar ist allerdings die Fahrdynamikregelung ESP. Abhängig vom Einsatzzweck kann man die Innenausstattung wählen. Entweder mit pflegeleichten Sitzen mit Vinyl-Bezügen und leicht zu reinigenden Gummimatten, denen nach "Heavy Duty-Einsätzen" auch ein Dampfstrahler nichts anhaben kann, oder aber mit Stoff- und Ledersitzen, Lederlenkrad und Teppichboden sowie Radio, CD-Player und Navigationssystem.

Classico, Montagna und Avventura nennt Iveco die drei ab Werk verfügbaren Ausstattungsvarianten, die es neben dem fünftürigen Station mit bis zu sieben Plätzen und 2,77 m Radstand ab 30 750 Euro auch als 4,55 m langen Pickup ab 29 090 Euro und als 4,45 m langen Single Cab als Basis für Aufbauhersteller ab 28 380 Euro gibt. Der Mehrpreis für die Montagna-Version liegt für den Station Wagon bei 2870 Euro und für weitere 3180 Euro erhält man Avventura-Version. Für Pickup und Single Cab liegen die entsprechenden Mehrpreise bei 2770 und 1570 Euro. Als vierte Massif-Karosserieversion in Vorbereitung ist zudem ein 4,25 m langer dreitüriger Station Wagon mit 2,45 m Radstand.

Eine kleine Überraschung zum Schluss. Wer den Massif kaufen möchte, hat keinen Erfolg, wenn er sich an einen Pkw-Händler der Marke Fiat wendet. Erfolg hat er nämlich nur, wenn er bei einem Nutzfahrzeug-Händler der Marke Iveco anfragt. Und da bei Nutzfahrzeugen schneller Service elementar wichtig ist, kommt auch der Massif in den Genuss dieser Iveco-Servicequalität. Das heisst ein 24-Stunden-7-Tage-Callcenter und ein flächendeckendes Servicenetz mit mehr als 3000 Kundendienst-Stützpunkten in mehr als 100 Ländern. (ar/ivd)

Daten: Iveco Massif 3.0 HPT Station Wagon

Länge x Breite x Höhe: 4,72 m x 1,86 m x 2,05 m
Motor (Bauart, Hubraum): Vierzylinder, 2998 ccm
Max. Leistung: 130 kW / 176 PS bei 3200 - 3500 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1250 - 3000 U/min
Verbrauch NEFZ im Mittel: 11,1 Liter
CO2-Emission: 294 g/km
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Anhängelast: 3000 kg
Basispreis: 30 750 Euro

Artikel vom 16.07.2008, Artikel: Redaktion/kpk/auto-reporter

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